Wie kommunizieren eigentlich Kantone und Behörden?
publiziert: Freitag, 10. Jan 2014 / 13:12 Uhr
Roman Probst befragt Dr. Marc Höchli (Bild), Kommunikationsbeauftragter des Regierungsrates und des Kantons Zug.
Roman Probst befragt Dr. Marc Höchli (Bild), Kommunikationsbeauftragter des Regierungsrates und des Kantons Zug.

Der Kanton Zug nimmt eine Pionierrolle in der Schweiz ein, wenn es darum geht, Einwohner, Touristen oder Zuzüger kommunikativ zu erreichen. In gleich 14 Sprachen stellt er den Besuchern seine Website zur Verfügung. Neben den Schweizer Landessprachen finden sich unter anderen auch Arabisch, Chinesisch und Russisch auf dem Portal wieder.

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Was, wenn auf einmal «kućni ljubimci» in die Schweiz einwandern wollen? Brauchen sie dann ein spezielles Asylverfahren? Wohl kaum. «Kućni ljubimci» ist kroatisch und bedeutet nichts anderes als «Haustiere». Manch einem Zuzüger oder Touristen, der noch keiner Schweizer Landessprache mächtig ist, geht es zu Beginn in der Schweiz ähnlich: Er versteht nur Bahnhof. Der Kanton Zug hat den Zeitgeist mit dem globalen Bürger erkannt und sein Portal der Welt geöffnet: einerseits, um einen ersten sprachlichen Kontakt zu seinen neuen Mitbürgerinnen und Mitbürgern herzustellen, andererseits aber auch, um die Touristen willkommen zu heissen.

International und multilingual

Ob durch die moderne Kommunikation oder die moderne Arbeitswelt − die gesamte Erde wird zum Dorf, in dem ein internationales und multilinguales Miteinander herrscht. Gewisse politische Kreise sehen darin eine Bedrohung. Nicht so der Kanton Zug: Die Idee der multilingualen Website sei ein Türöffner zur fremdsprachigen Bevölkerung, der der Zugang zur Schweizer Gesellschaft erleichtert werden soll, erklärt Landammann Beat Villiger im Interview mit der Neuen Luzerner Zeitung. Die multilinguale Website diene jedoch nicht nur der Integration, sondern auch dem Standortmarketing: Mit der Mehrsprachigkeit - insbesondere mit Sprachen wie Arabisch, Chinesisch oder Japanisch − wolle der Regierungsrat auch entferntere Regionen erreichen. Auf diese Weise wird es leichter, internationale Firmen im Kanton anzusiedeln.

Interview mit Dr. Marc Höchli, dem Kommunikationsbeauftragten des Regierungsrates und des Kantons Zug
 

Dr. Marc Höchli Worin besteht die Herausforderung, als Behörde Kommunikation zu betreiben?

Dr. Marc Höchli: Die Kommunikation eines Kantons ist sehr anspruchsvoll. Immerhin müssen verschiedene Zielgruppen erreicht werden, beispielsweise Einwohnerinnen und Einwohner, Unternehmen, politische Gruppierungen sowie Touristinnen und Touristen. Die Kommunikation einer Behörde muss also unterschiedliche Ziele vereinen. Zum einen die klassische Information und interaktive Kommunikation, zum anderen die sogenannte «Imagewerbung». Dabei gilt bei uns immer der Grundsatz: Wir informieren und kommunizieren offen und ehrlich! Es wird nichts beschönigt oder unter den Teppich gekehrt.

Wie waren die Reaktionen darauf, dass Zug jetzt einen vielfältigen Sprachauftritt hat?

Dr. Marc Höchli: Das Echo war durchs Band sehr positiv. Verschiedene Medien haben den Kanton Zug als Beispiel für eine «kundenfreundliche» Behörde dargestellt. Und die Reaktionen der einheimischen sowie fremdländischen Bevölkerung waren ebenfalls gut. «Çok iyi», «amazing», «mucho beneficioso» oder «ausgezeichnet» lobten viele den fremdsprachigen Internetauftritt. Natürlich freut uns das sehr. Allerdings haben wir die fremdsprachigen Internetseiten nicht einfach als Selbstzweck realisiert. Uns geht es in erster Linie um eine möglichst breite Partizipation der Bevölkerung. Immerhin sind im Kanton Zug Menschen aus über 120 Nationen zu Hause. Mit unseren 14 Sprachen im Internet können wir den allergrössten Teil direkt ansprechen und informieren.

Und wie reagieren die Kolleginnen und Kollegen anderer Gemeinden und Kantone?

Dr. Marc Höchli: Wir haben nur gute Rückmeldungen erhalten. Auffällig ist, dass viele erstaunt sind, dass man mit wenig personellem und finanziellem Aufwand viel erreichen kann. Und auch Institutionen, beispielsweise Fachstellen für Integration oder Immigration, zeigen sich erfreut über unsere fremdsprachigen Internetseiten.
 

Kostenaufwand hielt sich in Grenzen

Bei 14 Sprachversionen einer Website kommt rasch der Gedanke an einen hohen Kostenaufwand auf. Doch dieser hielt sich in Grenzen: Pro Sprachversion investierte der Kanton Zug rund 2500 Franken. Dies gelang nicht zuletzt dank der direkten Integration der Übersetzungen ins Content Management System des Zuger Webportals: «Die TRANSLATION-PROBST AG hat unsere Website nicht nur zuverlässig, genau und schnell übersetzt, sondern sie hat dank ihres technischen Know-hows gleich alle Texte auch noch in unser CMS eingepflegt. Damit hat uns die TRANSLATION-PROBST AG viel Aufwand abgenommen», erläutert Marilena Amato Mengis, die stellvertretende Kommunikationsbeauftragte des Kantons Zug. Mit der direkten Übersetzung ins CMS konnte der Kanton Zug zusätzlichen Formatierungs- und Gestaltungsaufwand vermeiden.

14 Sprachen gleich 14 Hürden?

Mehrsprachigkeit ist gleichzusetzen mit kultureller Vielfalt. Aus diesem Grund werden bei Übersetzungen die Inhalte nicht Wort für Wort aus der Ausgangs- in die Zielsprache übertragen; die Übersetzungen sollen vielmehr den kulturellen und semantischen Bezug zur Zielgruppe herstellen. Gerade bei Redewendungen oder Sprichwörtern gilt es, ein Äquivalent in der Zielsprache zu finden. Dies erreicht die TRANSLATION-PROBST AG einerseits mit muttersprachlichen Übersetzerinnen und Übersetzern, die den optimalen Transfer des Inhalts von der Ausgangs- in die Zielsprache gewährleisten. Andererseits mit einem Team aus Professoren und Hochschuldozenten der jeweiligen Zielsprache, das sich nach dem Übersetzungsprozess an die Korrekturlesung der Übersetzungen macht, um höchste Qualität zu garantieren.

Terminologie-Liste empfehlenswert

Die Inhalte von Websites ändern rasch, so dass die Übersetzungen immer wieder überarbeitet werden müssen. Deshalb empfiehlt die TRANSLATION-PROBST AG bei Übersetzungsprojekten wie demjenigen des Kantons Zug eine Terminologie-Liste. In einer solchen Liste werden neben Redewendungen und Sprichwörtern vor allem relevante Begriffe aus dem Corporate Wording abgelegt. So wird sichergestellt, dass künftige Übersetzungen und Texte dieselben Begriffe verwenden, was den Übersetzungsaufwand minimiert, die sprachliche Konsistenz sichert und den Wiedererkennungswert steigert. Eine solche Terminologie-Liste ist nicht nur für internationale Unternehmen, sondern auch für Behörden von Bedeutung: Gerade Fachbegriffe aus der Amts- oder Rechtssprache benötigen eine stringente Handhabung, damit die Kommunikation nicht beeinträchtigt oder verfälscht wird.

Infos über den Autor:
Roman Probst ist Dipl. Kommunikator FH, CEO der TRANSLATION-PROBST AG. Sein Unternehmen ist das einzige Übersetzungsbüro der Schweiz, das vom Schweizer Bund mit dem KTI-Label ausgezeichnet wurde.

 

(Roman Probst/pd)

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