Wie unverständlich sind die deutschen Wahlprogramme?
publiziert: Samstag, 26. Sep 2009 / 12:44 Uhr / aktualisiert: Samstag, 26. Sep 2009 / 14:27 Uhr

Was wollten CDU, SPD und Co. eigentlich in ihren Wahlprogrammen sagen? Eine Studie zeigt: Wahlprogramme sind oft ohne hohes Bildungsniveau und politisches Fachwissen kaum noch zu verstehen.

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Horst SchlämmerHorst Schlämmer
Angeblich würden 18 Prozent der Deutschen die HSP, wählen, wie die «NZZ am Sonntag» berichtete. HSP steht für Horst-Schlämmer-Partei, ein Kunstprodukt von Hape Kerkeling, das im August unter dem Titel «Isch kandidiere!» in die deutschen Kinos kam.

«Wir sind konservativ, links und liberal, da ist für jeden was dabei, also sparen sie sich die kritischen Nachfragen», der deutsche Politikzirkus auf eine derart einfache Formel gebracht, gefällt vielen Deutschen. Die HSP steht aber auf keinem Wahlzettel und wird es auch nie.

Die Vermittlung von unten nach oben und wieder zurück ist sehr viel schwieriger. Das zeigt eine Studie der Uni Hohenheim im Kooperation mit Communication Lab in Ulm. Das Resultat fällt eher nüchtern aus: «Die Parteien geben sich wenig Mühe, den Wählerinnen und Wählern ihre Politik verständlich zu machen», heisst es von Seiten der Sprachforscher.

Linke fällt durch

«Ohne ein hohes Bildungsniveau oder politisches Fachwissen sind die Inhalte der Bundestagswahlprogramme für die Wählerinnen und Wähler nur schwer zugänglich.» «Die Links-Partei hat dabei das formal unverständlichste Bundestagswahlprogramm. Es ist nicht sehr viel leichter zu lesen als eine Doktorarbeit in Politikwissenschaft», heisst es in der Studie.

Die Grünen verwenden dagegen die verständlichste Sprache – d.h. kurze Sätze mit wenig Schachtelsätzen. Selten werden komplexe oder abstrakte Wörter benutzt.

Parteien geben sich wenig Mühe

Generell gilt, das sich die Parteien wenig Mühe geben, den Wählerinnen und Wählern ihre Politik verständlich zu machen. Eine Ausnahme stellen die Einleitungen, die Schlussteile sowie die Passagen über Leitgedanken und Selbstverständnis dar.

Die Defizite in der Verständlichkeit betreffen jedoch alle Parteien, wenn auch unterschiedlich stark. Probleme machten die Wissenschaftler neben der häufigen Verwendung von Fremd- und Fachwörtern oft bei den sehr fachlichen und komplexen Sprachstilen aus. Zum Teil würden Begriffe inkonsistent verwendet und umständliche Formulierungen gewählt.

«Corporate Social Responsibility»

Zum Beispiel verwendet mit durchschnittlich 5,7 Verstössen je Seite Die Linke am häufigsten Fremdwörter ohne Erklärung. Aber auch die FDP (5 Verstösse je Seite) und die SPD (4,8 Verstösse je Seite) erreichen in dieser Kategorie keine guten Werte.

Beispiele sind: «Agro-Gentechnik» (Die Linke); «Konversionsprogramme» (Die Linke); «Corporate Social Responsibility» (SPD).

Am häufigsten verstossen die FDP (4,3 Verstösse/Seite) und die Union (4 Verstösse/Seite) gegen das Kriterium der Satzkomplexität. Obwohl die SPD mit nur 2,8 Verstössen pro Seite das beste Ergebnis erzielt, enthält ihr Programm den längsten Satz (74 Wörter) aller Programme.

Was sagen die Parteien?

In ihren Kurzprogrammen haben die Parteien auf die Studie reagiert und verständlichere Töne angeschlagen. Die Linke erreicht hierbei 16,4 von 20 Punkten und liegt damit auf ähnlichem Niveau wie die «Bild»-Zeitung.

Bei den verwendeten Begriffen wird in der Analyse deutlich, dass CDU/CSU auf das Thema Patriotismus, also auf die «Deutschland»-Karte setzen. Die SPD habe sich im Kurzprogramm «für keinen eindeutigen begrifflichen Schwerpunkt» entscheiden können. Bei der FDP fiel vor allem das Wort «mehr» auf und die Grünen verwendeten in erster Linie den Begriff «Freiheit».

Warum die Linke im Kurzprogramm deutlich besser abschneidet, liesse sich mit dem Fazit der Analysten so erklären: «Die Linke schliesslich setzt in ihrem offiziellen Kurzprogramm vor allem auf ein Thema: sich selbst.»

(tri/news.ch)

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