Wieviel ist mein Klima wert?
publiziert: Montag, 18. Jun 2007 / 10:20 Uhr / aktualisiert: Sonntag, 1. Jul 2007 / 08:52 Uhr

Der junge Verein myclimate verspricht klimaneutrale Flugtickets. Ein interessantes Konzept, das finanzierbar und somit auch wirtschaftlich gesehen realistisch ist.

Die grüne Industrie schreibt schwarze Zahlen

Die Zeiten, in denen lediglich eine idealistische Randgruppe dem Klima- und Umweltschutz Beachtung schenkte, sind vorbei.

Die Wirtschaft sieht darin einen vielversprechenden Markt mit satten Renditen. Analysten haben berechnet, dass die Umweltindustrie bis 2030 jährlich 1,6 Billionen Franken umsetzen wird. Zur Zeit äussert sich das in vielseitigen Innovationen zum Klimaschutz.

Am Anfang stand der Widerspruch

Einen interessanten Ansatz verfolgt der junge Verein myclimate. Gegründet wurde der Verein von fünf Studenten im Jahr 2002 nach der Teilnahme an einer Nachhaltigkeitskonferenz in Costa Rica.

Es erschien den engagierten Studenten widersinnig, aus aller Welt nach Costa Rica zu reisen, um dann über Nachhaltigkeit zu diskutieren. Deshalb berechneten sie den CO2-Ausstoss der Anreise und zeigten, wie man die Emissionen anderswo einsparen könnte.

Zehn Prozent der Konferenzteilnehmer unterstützten die Idee mit einer Spende, worauf das erste Projekt vor Ort durchgeführt wurde: Ein Dieselbrenner, der Heizungswasser für eine Schule erhitzte, wurde durch Solarkollektoren ersetzt.

Vielversprechende Broschüre

Das innovativste Produkt von myclimate ist das ökologische Flugticket, das man direkt über das Internet buchen kann. Dabei kauft man sich keinen Flugschein im eigentlichen Sinne, sondern eine Erweiterung zu seinem bereits anderswo gebuchten Flug.

Und so funktioniert es gemäss Broschüre: «Mit dem Kauf eines myclimate ticket kompensieren Sie die gesamten Auswirkungen, die Ihr Flug auf das Klima hat. Die selbe Menge Emissionen, die Sie mit Ihrem Flug verursachen, wird in einem myclimate-Klimaschutzprojekt eingespart.»

Was geschieht mit den Einnahmen?

In erster Linie werden mit den Erträgen sinnvolle Aufbau- und Bildungsprojekte wahlweise in der Schweiz oder in einem Drittweltland unterstützt. Von einem «gespendeten» Franken kommen etwa 80 Rappen bei den Projektarbeiten an. 20 Rappen verwendet der Verein für die Verwaltungskosten – Gebäudemieten, Mitarbeiterlöhne, etc.

Konkrete Projekte sind derzeit beispielsweise der Aufbau einer Stromversorgung mit Solarenergie für Schulen, Spitäler und Haushalte in Eritrea. Dabei werden vor allem die Menschen vor Ort in das Projekt integriert. In Indonesien wird ein veraltetes Wasserkraftwerk erneuert und ausgebaut.

Dadurch können über zehn Jahre schätzungsweise 43'000 Tonnen CO2 gegenüber dem Strom aus Diesel eingespart werden. Neben der Umwelt profitieren vor allem die Wirtschaft und somit auch die Privatpersonen vor Ort von diesem Projekt.

In der Schweiz werden in Zusammenarbeit mit Schulen die Jugendlichen auf die Thematik aufmerksam gemacht. Dass die Projekte meist in Drittweltländern durchgeführt werden, ist einleuchtend: «Verglichen mit einem Industriestaat können in einem Drittweltland mehr Emissionen pro Franken eingespart werden», so Martin Stadelmann.

Innovation vs. Emission – Best and worst case

Das Prinzip ist einfach und einleuchtend, gibt aber keinen Anlass zur Euphorie. Im schlimmsten Fall führt die Idee zu einer Zunahme der Emissionen. Wer bisher beispielsweise in Europa mit der Bahn reiste, könnte sich dazu verleiten lassen, einen «klimaneutralen» Flug vorzuziehen.

Oder man bucht eben mal schnell einen Billigflug für ein Shoppingweekend in London und beruhigt sein Gewissen abermals dadurch, dass die Emissionen kompensiert werden. Diese Problematik erkennt auch Martin Stadelmann, Verantwortlicher für Klimaschutzprojekte bei myclimate: «Es darf nicht in die Richtung Ablasshandel gehen, so dass man mit reinem Gewissen mehr fliegt. Deshalb ist myclimate zusätzlich in der Umweltbildung tätig, um die Leute zu sensibilisieren.»

Ausserdem schaffen Projekte dieser Art manchmal falsche Anreize für Regierungen von Ländern, die von den Erträgen profitieren. Statt in emissionsarme Alternativen zu investieren und alte Anlagen zu beseitigen, warten einzelne die Unterstützungsgelder und Aufbauhilfe ab.

Nützliche Klimatickets

Das Angebot ist dann genial, wenn sich Leute, die so oder so fliegen müssen oder würden, zum Kauf eines myclimate tickets entschliessen. Am effektivsten ist, wenn Firmen all Ihren Mitarbeitern für die anfallenden Reisen ein «klimaneutrales» Ticket kaufen. Dann geht das Konzept auf und hat eine äusserst positive Auswirkung, nicht nur im Bereich Klimaschutz, sondern auch im Sinne von Aufbauhilfe in Drittweltländern.

Klimaneutrale Flüge gibt es (noch) nicht

Im Grunde läuft es bei den «klimaneutralen» Tickets auf Schadensbegrenzung hinaus, was ein Ansatz, nicht aber die endgültige Lösung für die zunehmenden Emissionen ist. Die Entwicklung ist nur dann positiv, wenn der Konsument korrekt darauf eingestellt wird. Es darf nie der Eindruck entstehen, man könne mit den aktuellen Produkten tatsächlich klimaneutral fliegen oder Auto fahren. Wenn man aber auf einen Flug oder eine Autofahrt verzichten kann, dann sind keine Emissionen angefallen, und das Geld für ein Klimaprojekt kann dennoch gespendet werden. Das wäre ein echter Beitrag zum Klimaschutz.

(Von Alain Illi)

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