Wiggins erster britischer Tour-Sieger
publiziert: Sonntag, 22. Jul 2012 / 17:35 Uhr / aktualisiert: Sonntag, 22. Jul 2012 / 23:40 Uhr

Bradley Wiggins sichert sich den Eintrag in den Geschichtsbüchern seines Landes und gewann als erster Brite die Tour de France. Sein Landsmann und Teamkollege Mark Cavendish machte mit dem Sieg in der Schlussetappe den Triumph des Sky-Teams perfekt.

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Die 99. Tour de France nahm damit auf den Champs Elysées in Paris den erwarteten Ausgang. Einen Tag, nachdem er sich im Zeitfahren seinen historischen Tour-Sieg gesichert hatte, liess sich Wiggins auf dem Weg ins Ziel feiern. Er genehmigte sich den obligaten Schluck Champagner und liess sich auf seinem gelben Rennrad von den Konkurrenten und Kollegen auf die Schultern klopfen. Wiggins Triumphfahrt ins Herz der Stadt Paris endete wenig überraschend mit einem Massensprint. Wiggins und sein dominierendes Sky-Team liessen es sich dabei nicht nehmen, ihren Topsprinter und Weltmeister Mark Cavendish auf den acht Zusatzschleifen auf dem Pariser Prachtboulevard zum prestigeträchtigen Sieg zu führen.

Von der Spitze aus lancierte Cavendish einen langen Sprint. Seine Konkurrenten blieben dabei wie bereits am Freitag im drittletzten Teilstück der Rundfahrt ohne Siegchance. Der Brite verwies Peter Sagan (Slk) und Matthew Goss (Au) souverän auf die folgenden Plätze und entschied zum vierten Mal in Folge die Ankunft auf den Champs Elysées, die mit zahlreichen britischen Flaggen "geschmückt" war. Für den 27-jährigen Sprinter war es der 23. Tageserfolg an der Tour de France. In der ewigen Bestenliste nimmt er damit nun bereits den vierten Platz ein. Rekordsieger ist der Belgier Eddy Merckx mit 34 Etappensiegen. Wie Cavendish weisen auch Sagan und André Greipel (De) drei Siege in der diesjährigen Tour aus.

Siegreich im Zeitfahren

Die Fotografen richteten ihre Objektive aber in erster Linie auf Bradley Wiggins. Nach drei Wochen und 3488 km Strapazen liess er sich verdientermassen feiern. Als die britische Nationalhymne »God save the queen« erklang, rang auch der sonst mehrheitlich so coole Wiggins mit der Fassung. Die Ehrerweisung auf dem Podest war der verdiente Lohn für eine bärenstarke Leistung des ehemaligen Bahn-Spezialisten.

"Wunderschön, einfach nur wunderschön", hatte Wiggins bereits am Samstag seine Gefühlslage beschrieben. Einen Tag vor dem Ende der Tour hatte er das letzte Zeitfahren souverän für sich entschieden und damit die letzten Zweifel an seinem Triumph beseitigt. Auf den 53,5 km nach Chartres nahm er seinem Teamkollegen und zweitplatzierten Christopher Froome 1:16 Minuten ab. In der Gesamtwertung baute Wiggins, der das Gelbe Trikot nach der 7. Etappe von Fabian Cancellara übernommen hatte, den Vorsprung auf seinen Landsmann auf 3:21 Minuten aus.

Wiggins Kindheitstraum

"Was ich gemacht habe, ist das, was ich am besten kann: gegen die Uhr zu fahren. Das war ein ausgezeichneter Kurs und ich wollte meine Arbeit hier würdig abschliessen", so Wiggins am Samstag. "Auf den letzten Kilometern ging mir so viel durch den Kopf. Es war eine lange Reise mit einem traumhaften Ende. Schon als Kind habe ich davon geträumt."

Mit den zwei Etappensiegen in den Zeitfahren legte der Nachfolger von Cadel Evans (Au), dem grossen Verlierer dieser Tour, die Basis zu seinem grössten Triumph der Karriere. In den Bergen hinterliess Froome zwar den stärkeren Eindruck, auf Geheiss der Teamleitung musste dieser jedoch mehrmals auf seinen Chef Wiggins warten. "Chris könnte um den Sieg fahren und ich ihn unterstützen. Wer weiss", so Wiggins zu einer möglichen Rollenänderung im Sky-Team bei der Jubiläumstour 2013.

Erster Doppelsieg seit 1986

Die britische Equipe um Teamchef Dave Brailsford wurde belohnt für eine mehrjährige und kostenintensive Aufbauarbeit. Das Duo Wiggins/Froome sorgte für den ersten Doppelsieg eines Teams seit 26 Jahren (Greg LeMond/Bernard Hinault). Dass zwei Fahrer der selben Nation die Plätze 1 und 2 belegten, liegt gar noch zwei Jahre länger zurück (1984 Laurent Fignon vor Hinault).

Wiggins, der 2004 in Athen und 2008 in Peking drei olympische Goldmedaillen auf der Bahn gewonnen hat, gilt spätestens seit Samstag auch als stärkster Widersacher von Cancellara im olympischen Zeitfahren am 1. August in London. "Es ist das nächste Ziel", bestätigte Wiggins, der diesen Frühling bereits die Tour de Romandie, die Dauphiné-Rundfahrt und Paris - Nizza gewonnen hatte. Es wäre die Krönung eines wahrhaftig "goldenen" Sommers.Cancellara erobert und es bis Paris nicht mehr abgegeben. Für den dreifachen Olympiasieger auf der Bahn ist der Triumph an der Tour de France der grösste Erfolg seiner Karriere.

Resultate:
99. Tour de France. 19. Etappe, Zeitfahren Bonneval - Chartres (53,5 km): 1. Bradley Wiggins (Gb) 1:04:13 (50,0 km/h). 2. Christopher Froome (Gb) 1:16 zurück. 3. Luis-Leon Sanchez (Sp) 1:50. 4. Peter Veilts (Slk) 2:02. 5. Richie Porte (Au) 2:25. 6. Patrick Gretsch (De) 2:28. 7. Tejay van Garderen (USA) 2:34. 8. Wassili Kirjenka (WRuss) 2:46. 9. Rein Taaramae (Est) 2:50. 10. Jérémy Roy (Fr) 3:05.

11. David Zabriskie (USA) 3:12. 12. Matthieu Sprick (Fr) 3:20. 13. Ruben Plaza Molina (Sp) 3:24. 14. Daniel Oss (It) 3:27. 15. Anthony Roux (Fr) 3:34. 16. Vincenzo Nibali (It) 3:38. 17. Christian Vande Velde (USA) 3:40. 18. Bert Grabsch (De) 3:43. 19. Andreas Klöden (De) 3:49. 20. Jens Voigt (De) 3:49. - Ferner: 26. Jürgen van den Broeck (Be) 4:22. 42. Haimar Zubeldia (Sp) 5:32. 52. Cadel Evans (Au) 5:54. 58. Michael Schär (Sz) 6:07. 62. Michael Albasini (Sz) 6:12. 64. Pierre Rolland (Fr) 6:14. - 153 Fahrer gestartet, 153 klassiert.

20. Etappe, Rambouillet - Paris (120 km): 1. Mark Cavendish (Gb) 3:08:07 (38,3 km/h). 2. Peter Sagan (Slk). 3. Matthew Goss (Gb). 4. Juan Jose Haedo (Arg). 5. Kris Boeckmans (Be). 6. Gregory Henderson (Neus). 7. Borut Bozic (Sln). 8. André Greipel (De). 9. Edvald Boasson Hagen (Ho). 10. Jimmy Engoulvent (Fr).

11. Tyler Farrar (USA). 12. Koen de Kort (Ho). 13. Luca Paolini (It). 14. Yohann Gene (Fr). 15. Sébastien Hinault (Fr), alle gleiche Zeit. 16. Ruben Perez Moreno (Sp) 0:04. 17. Janez Brajkovic (Sln). 18. Marco Marcato (It). 19. Andrej Kaschetschkin (Kas). 20. Samuel Dumoulin (Fr), alle gleiche Zeit. - Ferner: 30. Schär 0:07. 33. Nibali 0:09. 54. Wiggins. 58. Froome, beide gleiche Zeit. 113. Albasini 0:29.

Schlussklassement: 1. Wiggins 87:34:47. 2. Froome 3:21. 3. Nibali 6:19. 4. van den Broeck 10:15. 5. van Garderen 11:04. 6. Zubeldia 15:41. 7. Evans 15:49. 8. Rolland 16:26. 9. Brajkovic 16:33. 10. Thibaut Pinot (Fr) 17:17.

11. Klöden 17:54. 12. Nicolas Roche (Irl) 19:33. 13. Christopher Horner (USA) 19:55. 14. Chris Anker Sörensen (Dä) 25:27. 15. Denis Mentschow (Russ) 27:22. 16. Maxime Monfort (Be) 28:30. 17. Egoi Martinez (Sp) 31:46. 18. Rui Costa (Por) 37:03. 19. Eduard Worganow (Russ) 38:16. 20. Alejandro Valverde (Sp) 42:26. - Ferner: 49. Schär 1:43:53. 110. Albasini 2:57:20. 142. Cavendish 3:28:36. - 153 Fahrer klassiert.

(fest/Si)

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