Windschatten-Despot
publiziert: Dienstag, 8. Apr 2003 / 09:53 Uhr / aktualisiert: Mittwoch, 9. Apr 2003 / 07:44 Uhr

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Die Karibik gilt als eines der noch sicheren Ferienziele. Speziell Kuba ist eine In-Destination: Recht günstige Hotels, eine authentische Atmosphäre mit Autos aus den 50ern, Rum-Drinks zu Dumping-Preisen und jede Menge Flirt-Material. Ausserdem kommt im Moment ein selbstgerechtes Gefühl auf, wenn ein Kuba-Urlaub gebucht wird. Fidel Castro ist einer der ältesten USA-Gegner; Urlaub zu machen und – ohne Komfort-Einbussen hinnehmen zu müssen – ein politisches Zeichen gegen die USA zu setzen, ist eine tolle Sache. Es hat nur einen Haken: Fidel ist ein Diktator. Zwar nicht in der Liga Saddams, aber er kann es locker mit dem Weissrussen Lukaschenko aufnehmen. Soeben wurden 80 Leute zu Haftstrafen zwischen 15 und 25 Jahren verurteilt. Sie hatten lediglich über die Regierung gestänkert. Darunter auch der Dichter und Gründer der unabhängigen Presseagentur "Cuba Press" Raúl Rivero, der 20 Jahre für sein Engagement für eine freiere Gesellschaft verpasst bekam. Wenn es keine Amnestie und keinen Regimewechsel gibt, werden die ersten der in einem Schnellprozess verurteilten Journalisten, Oppositionspolitiker und Demokratiebefürworter erst im Jahr 2018 wieder die karibische Sonne sehen, die europäische Touristen womöglich schon in einer Woche – nach einer letzten Friedensdemonstration – auf ihre Haut brennen lassen. Sicher, in Irak wären solche Leute erschossen worden. Aber Castro kann sich das nicht leisten. Das wäre sogar im Windschatten eines Krieges, der von seiner Sonnendiktatur ablenkt, zu auffällig gewesen. Aber diese langjährigen Haftstrafen in Gefängnissen, die von niemandem eingesehen werden dürfen, sind beinahe schon Beerdigungen bei lebendigem Leibe. Trotzdem redet niemand von einem Boykott gegen die Feriendestination Kuba, obwohl jeder Tourismusfranken dazu beiträgt, dieses über Jahrzehnte romantisch geredete Regime zu stützen. Dass ein Freihandelsabkommen mit der EU und eine Verbesserung des Verhältnisses zum grossen Nachbarn USA wieder in weite Ferne rückt, scheint fast Absicht zu sein, denn alles was nach Öffnung riecht, ist dem Regime in Havanna ein Gräuel. Castro ist weiter denn je von einer Demokratisierung entfernt und was bei seinem Ableben dereinst passieren wird, steht in den Sternen. Nachfolgekämpfe und Bürgerkrieg sind ebenso möglich wie ein lautloser Kollaps des Regimes. Doch dies ist zweifelhaft. Zu viele Funktionäre könnten zu viel verlieren. So wächst ein neues Problem der Zukunft heran. Man geht zwar in die Ferien, schaut aber nicht hin, protestiert nicht und mischt sich nicht ein, solange noch etwas zu machen wäre. Wie gehabt. Wenn es denn tatsächlich schief gehen und aus dem Pseudoparadies ein Kriegsgebiet werden sollte, kann man bei der Demo in der Fussgängerzone ja die Urlaubsbilder an die Friedensfahne heften, während man böse auf die Amis ist.

(Patrik Etschmayer/news.ch)

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