Obama fordert Gaddafis Rücktritt
«Wir bringen unsere Kräfte in Stellung»
publiziert: Donnerstag, 3. Mrz 2011 / 20:12 Uhr / aktualisiert: Freitag, 8. Apr 2011 / 11:55 Uhr
Libysche Rebellen kämpfen in der Wüste vor Brega.
Libysche Rebellen kämpfen in der Wüste vor Brega.

Brega/Washington/Brüssel - Der libysche Mittelmeerhafen Brega rückt nach den Kampfflugzeug-Angriffen immer mehr in das Zentrum des Kampfes zwischen Rebellen und Truppen von Staatschef Muammar al-Gaddafi. Während immer noch 20'000 Menschen die Flucht aus Libyen suchen, hat USA-Präsident Barack Obama Gaddafi zum Rücktritt aufgefordert. Derweil würden sie «alle Optionen prüfen».

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Rebellen, darunter viele übergelaufene Soldaten, bezogen rund um Brega Stellung. Am Mittwoch hatten sie die erste Gegenoffensive von Gaddafis Truppen in der Region Brega-Adschdabija nach schweren Kämpfen zurückgeschlagen.

Die Regimegegner meldeten am Donnerstag, dabei seien etwa 100 Gaddafi-treue Soldaten gefangen genommen worden. «Wir sind in der Lage, das Gebiet zu kontrollieren und wir bringen unsere Kräfte in Stellung», sagte ein Rebellenoffizier der Nachrichtenagentur AP.

Brega ist nicht nur wegen des grossen Öl- und Erdgas-Verladeterminals von strategischer Bedeutung, sondern auch als Zugang nach Benghasi.

Auch Adschdabija wurde nach Angaben eines Polizeikommandanten in Bengasi, der inoffiziellen Hauptstadt des «befreiten Ost-Libyens», bombardiert. Zudem wurden erneut Kämpfe aus der Stadt Misrata gemeldet.

Beobachter schlossen jedoch aus der Entwicklung, dass Gaddafis Einheiten nicht stark genug seien, die Rebellen zu vertreiben. Auf der anderen Seite fehle auch den Rebellen die Offensivkraft gegen Gaddafis Hochburgen im Westen - ein Patt.

Obama fordert Gaddafis Rücktritt

«Ghadhafi hat jegliche Legitimation zur Führung des Landes verloren und muss weichen», so Barack Obama, Präsident der USA, an einer Pressekonferenz am Donnerstag.

Die USA würden ausserdem ägyptischen Flüchtlingen mit einer Luftbrücke bei der Rückkehr in ihr Heimatland Hilfe bieten. Noch sitzen zehntausende ausländische Arbeiter in den provisorischen Flüchtlingslagern fest. Die meisten davon sind völlig mittellos und nur mit dem Nötigsten im Gepäck aus der Gefahrenzone geflohen.

200'000 Flüchtlinge

Aus Libyen sind mittlerweile über 200'000 Menschen geflohen, während noch mindestens 20'000 weitere den Ausweg aus dem Kampfgebiet suchen.

Das UNHCR und das Internationale Komitee des Roten Kreuzes fordern derweil dringend internationale Unterstützung. Die Flüchtlingslager an den Grenzen seien masslos überfüllt und die Nahrungsmittel sowie die medizinische Unterstützung wären knapp geworden.

Flugverbotszone nicht in Sicht

Sprecher der Opposition appellierten an die Staatengemeinschaft, eine Flugverbotszone über Libyen einzurichten und ihr Luftunterstützung zu geben. Die USA, die noch vor Tagen auf eine Flugverbotszone gedrängt hatten, ruderten indes zurück.

«Lasst uns die Dinge beim Namen nennen», sagte Verteidigungsminister Robert Gates vor einem Kongressausschuss. «Eine Flugverbotszone beginnt mit einem Angriff auf Libyen, um ihre Luftabwehr zu zerstören.» Beobachter hörten daraus heraus: Nach dem Irak und Afghanistan wollen die USA nicht in einen dritten Krieg gezogen werden.

Venezuela setzt auf Vermittlung

Gaddafi kann jedoch nach wie vor auf Freunde in der Staatengemeinschaft zählen: Venezuelas Präsident Hugo Chávez schlug die Gründung eines Blocks freundlich gesinnter Staaten vor, der vermitteln solle. Gaddafi habe den Vorschlag angenommen, erklärte die Regierung in Caracas.

Der französische Aussenminister Alain Juppe lehnte den venezuelanischen Vorschlag ab. «Alles was Gaddafi an der Macht hält, ist offensichtlich nicht erwünscht», so Juppe nach einem gemeinsamen Gespräch mit dem britischen Aussenminister William Hague.

International nahm der Druck auf Gaddafi von anderer Seite zu: Ermächtigt von UNO-Sicherheitsrat leitete der Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofs (IStGH) in Den Haag Ermittlungen gegen Gaddafi und einige seiner Söhne ein.

(dyn/news.ch mit Agenturen)

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