'Wir haben keine zwingenden Medaillenkandidaten'
publiziert: Dienstag, 15. Feb 2005 / 16:16 Uhr

Hippolyt Kempf steht vor seinem ersten Grossanlass als Chef Nordisch von Swiss-Ski. Den Weltmeisterschaften in Oberstdorf, die heute mit der Eröffnungsfeier lanciert werden, blickt der Luzerner verhalten optimistisch entgegen.

Hippolyt Kempf: "Ohne Burgermeister wird eine Medaille schwer."
Hippolyt Kempf: "Ohne Burgermeister wird eine Medaille schwer."
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Hippolyt Kempf, vor der Saison sprachen Sie mit Blick auf die Weltmeisterschaften von drei, vier Medaillenhoffnungen. Was ist davon übriggeblieben?

Im Langlauf fällt unser Trumpf Reto Burgermeister aus (Ermüdungssymptome - die Redaktion). Ohne ihn ist sicher alles, was in Richtung der Medaillen geht, eine positive Überraschung. Die Kombinierer sind weiter weg, als wir gedacht haben. Sie müssen die Medaillen wohl vergessen. Von Simon Ammann erwartete ich nach den Podestplätzen am Ende der letzten Saison, dass er sich besser präsentiert. Er springt aber nicht konstant und gehört wie Andreas Küttel nicht zum engeren Favoritenkreis. Das heisst aber nicht, dass die beiden keine Medaille gewinnen können.

Die Alpinen sind gerade ohne Medaille von ihren Titelkämpfen aus Bormio zurückgekehrt. Macht das die Aufgabe für die Nordischen schwieriger oder einfacher?

Wir stünden weniger unter Druck, wenn die Alpinen erfolgreich gewesen wären. Für uns ist ihr Abschneiden deshalb ein Nachteil. Wir haben keine Cracks, die mit diesem Druck umgehen können und zwingende Medaillenkandidaten sind. Solide Rennen, solide Resultate - so muss unsere Devise lauten.

Ihre Ausgangslage ist also ähnlich, wie - nüchtern betrachtet - jene der Skifahrerinnen und Skifahrer war: als Aussenseiter anreisen und auf Exploits hoffen. Die Alpinen nannten trotzdem vier Medaillen als Ziel. Sie haben Ihrem Team sicher auch konkretere Vorgaben als "solide Resultate" gemacht.

Für die Einzelwettkämpfe in Langlauf und Kombination wären Top-Ten-Plätze sehr erfreulich. In den Staffeln gelten eigene Gesetze. Die Skispringer müssen giftiger sein, da sind Klassierungen unter den ersten sechs realistisch. Was den Teamwettkampf der Kombinierer betrifft, mag ich nicht von Medaillen reden. Aber in Pragelato (3. Platz für Andreas Hurschler, Jan Schmid und Ronny Heer -- die Redaktion) hat man gesehen, dass es sehr schnell gehen kann.

Trotz des überraschenden Podestplatzes klaffen Anspruch und Realität in der Nordischen Kombination, wo Sie als Disziplinenchef wirken, am weitesten auseinander. Was lief da schief?

Wir gingen in der Vorbereitung zu viele Risiken ein, zum Beispiel in Sachen Intensität oder Formsteuerung. Wir trainierten zu viel und zu hart am Limit der Belastbarkeit. Die Athleten stiegen angeschlagen in die Saison, einige krank oder übertrainiert. So waren wir von Anfang an in der Defensive. Während der Wettkampfperioden fehlt die Luft, um darauf zu reagieren. Hätten wir konservativ gearbeitet, wäre das eher möglich gewesen. Zuletzt mussten wir die Leute schonen, statt sie im Steigerungslauf an die WM zu führen.

Als Sie Ihren neuen Job im letzten Jahr antraten, lautete eines Ihrer wichtigsten Anliegen, die Nordischen etwas aus dem Schatten der Alpinen zu führen. Wie sieht da Ihre erste Zwischenbilanz aus?

Ich arbeite hauptsächlich an Projekten, die langfristig ausgerichtet sind und erst in ein, zwei Jahren greifen. Wir sind daran, das Stützpunktwesen umzukrempeln. Ich bin in den Bereich Veranstaltungen involviert, der Weltcup-Sprint in Bern beschäftigte mich zum Beispiel sehr stark. Wir haben auch eine Projektgruppe gegründet, die sich mit St. Moritz als möglichem Austragungsort nordischer Weltcup-Events befasst. Dann kümmere ich mich um Schanzenprojekte, kleine Anlagen, die angepasst werden müssen. Das sind alles Sachen, von denen ich mir mittelfristig Effekte erhoffe.

Zurück zur Gegenwart. Oberstdorf liegt nahe der Schweizer Grenze, die Weltmeisterschaften dürften insgesamt rund 300 000 Zuschauer anlocken. Was erhoffen Sie sich von diesem Grossanlass für Impulse?

Ich bin überzeugt, dass es ein sehr prominenter Anlass mit wunderschönen Wettkämpfen wird. Was Zuschauer und Stimmung betrifft, dürften Oberstdorf und Bormio wie Tag und Nacht sein. Es ist deshalb erst recht wichtig, dass sich die Schweizer präsentieren, dass man sie sieht. Damit wir zum Beispiel möglichen Sponsoren zeigen können, über welches Potenzial der nordische Skisport verfügt.

(rr/Si)

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