Tödliche Abwärtsspirale?
Wird Amerika zu gefährlich?
publiziert: Freitag, 19. Apr 2013 / 11:51 Uhr
Barack Obama: «Amerikas grösstes Übel ist und bleibt die Waffengewalt».
Barack Obama: «Amerikas grösstes Übel ist und bleibt die Waffengewalt».

Die USA wurden diese Woche von einem Terroranschlag in Boston erschüttert, in Washington diskutierte man über die Verschärfung der Waffengesetze und Briefe an den US-Präsidenten sowie einen bekannten Kongressabgeordneten wurden abgefangen, weil sie Gift enthalten könnten.

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Ist das gesamte Land in einer Art tödlicher Abwärtsspirale gefangen? Wohl eher nicht.

«Die Bostoner werden an einem Strang ziehen, aufeinander achten und weiterhin als stolze Stadt auftreten», sagte Präsident Barack Obama nach den Bombenanschlägen beim Marathonlauf in Boston. «Und während sie das tun, steht das amerikanische Volk die ganze Zeit geschlossen an ihrer Seite.»

Dass Amerika heutzutage sicherer ist als je zuvor, mag da für manchen eine Überraschung sein.

In den letzten zwanzig Jahren ist die Zahl der Eigentumsdelikte und Gewaltverbrechen in den USA zurückgegangen. Je nach Lesart der Statistiken haben sie inzwischen ihren historischen Tiefstand erreicht.

Terroranschläge nehmen ebenfalls ab und sind ausserordentlich selten. Im Nahen Osten, Asien, Westeuropa und Afrika kommt es wesentlich häufiger zu Anschlägen durch Terroristen. Das berichtet die Washington Post unter Berufung auf das Ergebnis einer Untersuchung von START, einer Arbeitsgruppe des US-amerikanischen Heimatschutzministeriums, das sich der Terrorforschung widmet.

Vier der fünf aktivsten Terrororganisationen Amerikas sind militante Tier-und Umweltschutzgruppen. Sie haben in den letzten Jahren Dutzende Anschläge verübt, aber niemanden getötet. Al-Qaida stellt unter den ersten fünf einen Ausnahmefall dar, vor allem wegen der Anschläge vom 11. September 2001.

Amerikas grösstes Übel ist und bleibt die Waffengewalt

Trotz des allgemeinen Rückgangs bei der Verbrechensrate gab es 2010 mehr als 30'000 Morde, Selbstmorde und Unfalltode durch Waffen. Für die letzten zwei Jahre wurden bisher keine vollständigen Statistiken veröffentlicht. Auch wenn die Sterberate bei Herzkrankheiten und Krebs etwa 20-mal höher liegt, ist die Zahl doch ernüchternd.

Bislang gibt es keine Anzeichen dafür, dass sich dieses Bild bald ändern wird. Der Senat stimmte diese Woche gegen eine Gesetzesvorlage, die die Hintergrundüberprüfung von Waffenkäufern ausgeweitet hätte. Erklärtes Ziel war es, Waffen von Menschen fernzuhalten, die vorbestraft sind oder an schweren psychischen Erkrankungen leiden.

Obama nannte dies einen «beschämenden Tag für Washington», kündigte aber gleichzeitig an, dass er «den Kampf nicht aufgeben» werde. Die Diskussion um die Verschärfung des Waffenrechts geht in die nächste Runde und die USA sind nach wie vor ein Land mit viel zu viel Gewalt. Das Paradoxe daran ist, dass Amerika selbst in einer so schrecklichen Woche wie dieser viel sicherer ist, als mancher glauben mag.

Jonathan Mann
Dieser Text stammt von Jonathan Mann, Moderator und Journalist bei CNN International. Seine Kolumne steht in der Schweiz exklusiv für news.ch zur Verfügung.
 

(Kolumne von Jonathan Mann/CNN-News)

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