Beachtung fehlt
Wissenschaftler vernachlässigen Australiens «hässliche» Tierwelt
publiziert: Montag, 7. Mrz 2016 / 14:53 Uhr

Sydney - Niedliche Koalas und fidele Kängurus zählen zu den bekanntesten Tieren Australiens - und auch zu den am besten erforschten. Die weniger herzigen Säugetiere auf dem fünften Kontinent finden in der Forschung hingegen nicht genügend Beachtung, beklagt eine Biologin.

Australiens Säugetiere würden inoffiziell in «gute» Arten wie Kängurus, Koalas und Echidnas (Schnabeligel), «schlechte» wie die vom Menschen eingeführten Katzen und Kaninchen sowie «hässliche» Arten wie einheimische Fledermäuse und Nagetiere eingeteilt, führte die Wissenschaftlerin Trish Fleming von der westaustralischen Murdoch University im Fachjournal «Mammal Review» aus.

«Die Australier wären wahrscheinlich überrascht, wie viele einheimische Fledermäuse und Nagetiere wir haben», sagte Fleming am Montag der Nachrichtenagentur AFP. Nicht nur von der Allgemeinheit, sondern auch von den Wissenschaftlern würden Tiere wie die Australische Gespenstfledermaus weitgehend ignoriert.

Forscher fürchten mangelndes Interesse

Fleming vermutet, manche Wissenschaftler schreckten womöglich auch vor Untersuchungen weniger beliebter Arten zurück, weil sie fürchteten, dass ihre Ergebnisse wegen mangelnden Interesses nicht veröffentlicht würden. «Für die Mehrheit der Arten haben Forscher kaum mehr getan, als ihre Existenz festzuhalten», kritisierte die Biologin.

Es sei aber wichtig, ihre Fress- und Fortpflanzungsgewohnheiten und die Auswahl ihrer Lebensräume zu dokumentieren. Ohne diese Kenntnisse könne es leicht passieren, dass diese Arten unwissentlich durch Eingriffe in die Umwelt in Gefahr gebracht würden.

20 Säugetierarten bereits ausgestorben

Der Co-Autor der Studie, Bill Bateman, erklärte, seit Beginn der Besiedlung Australiens durch Europäer seien bereits 20 Säugetierarten ausgestorben. 20 weitere seien mittlerweile stark bedroht.

«Ich denke, es wäre tragisch, wenn wir die Ausrottung von noch mehr (Arten) verursachen würden, ohne sie überhaupt zu kennen», sagte der Forscher von der Curtin University dem australischen Rundfunk ABC.

(kjc/sda)

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