Zahlungsmoral der Schweizer lässt weiter nach
publiziert: Samstag, 12. Jul 2003 / 06:58 Uhr

Bern - Die Zahlungsmoral der Schweizer lässt weiter nach. Rechnungen werden inzwischen im Schnitt erst 14 Tage nach Ablauf der Zahlungsfrist beglichen. Letztes Jahr mussten die Unternehmen durchschnittlich zwölf weitere Tage auf ihr Geld warten.

Verspätete Zahlungen bedeuten Verluste für die Firma.
Verspätete Zahlungen bedeuten Verluste für die Firma.
Dies zeigt die vierteljährlich durchgeführte Erhebung der Firma Intrum Justitia. Sie beruht auf einer Umfrage bei 2600 Unternehmern.

Demnach bleiben Rechnungen auch immer länger offen. Nur jede zweite Rechnung wird heute innerhalb der geforderten dreissig Tage bezahlt. Nach sechzig Tagen ist immer noch mehr als ein Fünftel der Rechnungen offen. Und 14 Prozent aller Rechnungen werden sogar erst nach neunzig Tagen beglichen.

Das schlägt sich direkt auf die Kassen der Unternehmen durch. Sie beklagen Debitorenverluste in der Höhe von 1,6 Prozent des Umsatzes. Hinzu kommen weitere Kosten wegen der offenen Rechnungen. Insgesamt belaufen sich die effektiven Verluste somit auf 3 bis 4 Prozent des Umsatzes.

Massiv betroffen sind in erster Linie die kleinen und mittleren Unternehmen (KMU). Laut Intrum Justitia rechnen 76 Prozent der befragten Firmen mit höheren Zinskosten, weil das Geld der ausstehenden Rechnungen fehlt. Vor Jahresfrist hatte dieser Anteil noch bei 53 Prozent gelegen.

Ertragsverluste verbuchen 68 (Vorjahr: 55) Prozent der befragten Unternehmen. Und 43 (36) Prozent geraten wegen der mangelhaften Zahlungsmoral sogar in Liquiditätsengpässe.

Die befragten Unternehmen gaben an, dass die meisten säumigen Zahler in einem finanziellen Engpass seien (71 Prozent). Bei vielen wird allerdings angenommen, dass die Verspätung als eine Art kostenlose Refinanzierungsquelle dient (54 Prozent).

So ist es einem Unternehmen, das in einem Liquiditätsengpass steckt, leichter möglich, den Verzugszins von 5 Prozent zu zahlen als zu schlechteren Konditionen aufnehmen zu müssen. Mängel am gelieferten Produkt schliesslich werden nur in Ausnahmefällen als Grund für die Verspätung angeführt (9 Prozent).

(rr/sda)

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