Zahme Jagdaffen gegen Affenplage in Neu Delhi
publiziert: Sonntag, 3. Aug 2003 / 09:54 Uhr

Neu Delhi - Die indische Stadt Neu-Delhi wird von einer Affenplage heimgesucht. Wilde Herrscharen der Tiere druchstreifen Strassenzüge, demolieren Häuser, wüten in Vorgärten und greifen in manchen Fällen gar Menschen an. Das Regierungsviertel ist dabei besonders schwer betroffen. Nun werden zahme Jagdaffen gegen die Übeltäter gehetzt.

Die Regierung zahlt pro gezähmten Affen mehr, als die meisten Menschen in Delhi verdienen.
Die Regierung zahlt pro gezähmten Affen mehr, als die meisten Menschen in Delhi verdienen.
Raju sitzt auf dem Motorrad und klammert sich am Vordermann fest, sein langer Schwanz schleift hinter dem Hinterreifen über den Asphalt in Neu Delhi.

Der grosse Affe, ein Langur, ist gemeinsam mit seinem Besitzer auf dem Weg zur Arbeit.

Sein Arbeitgeber ist das indische Verteidigungsministerium, wo er kleinere wilde Artgenossen verjagen soll.

< Die Heerscharen wilder Affen in Neu Delhi sind eine wachsende und bisweilen gefährliche Plage: Die Tiere dringen in Büros ein und zerfleddern Akten oder sie gelangen in Wohnungen und demolieren deren Einrichtung.

Anfang des Monats griffen sie sogar mehrere Schulkinder an und verletzten sie.

Problem nicht im Griff

Die Stadtbehörden bekommen das Problem nicht in den Griff: Strenge Tierschutzgesetze verbieten die Tötung der Affen und kaum jemand traut sich, die bissigen Plagegeister einzufangen.

Ein Amtstierarzt räumte nach den Angriffen auf die Kinder ein: "Es ist extrem schwierig, jemanden für den Job zu finden."

Im Herbst vergangenen Jahres beschäftigte die Plage sogar das indische Verfassungsgericht. Die Richter verdonnerten die Behörden dazu,

Neu Delhi zu einer affenfreien Stadt zu machen. Rund 5000 Affen müssten dazu gefangen werden, hiess es. Ganze 100 der flinken Tiere gingen den wenigen Fängern in die Netze, die Affen wurden in ein Tierheim vor den Stadttoren Neu Delhis gebracht - wo den meisten durch ein Loch im Käfig kurz darauf wieder die Flucht Richtung Stadt gelang.

Regierungsviertel besonders betroffen

Besonders schwer von den Affen ist das Regierungsviertel betroffen. Einige Ministerien sahen keinen anderen Ausweg aus der Plage mehr, als Languren anzumieten - wie Raju. Rund einen Meter ist er gross, das von weissem Fell umrandete schwarze Gesicht wirkt bedrohlich, und vor seinen Pranken haben auch Menschen Respekt.

Im Ministerium wird Raju an einer langen Leine durch die Büros geführt. Stadtaffen, die sich plötzlich mit dem feindlichen Artgenossen konfrontiert sehen, nehmen panisch Reissaus.

Anschliessend verjagt Raju die wilden Affen von den Vorhöfen, Gärten und Dächern der Ministeriumsgebäude.

Dass das keine dauerhafte Lösung ist und die Affen nach kurzer Zeit wiederkommen, kann Rajus Besitzer Shyam Nath und seinen bis zu 20 Kollegen in Neu Delhi nur recht sein. Der 40-jährige Nath war früher Schneider, bis er vor drei Jahren einen Langur kaufte und auf die Stadtaffenjagd umsattelte.

Raju wohnt mit ihm, seiner Frau und seinen vier Kindern in dem einen Zimmer der Familie. "Raju ist für uns wie ein Kind", versichert Nath - und ein gutes Geschäft.

5000 Rupien (rund 150 Franken) lässt sich das Ministerium Rajus Dienste pro Monat kosten - rund das doppelte eines Schneidereinkommens.

(Can Merey/dpa)

 
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