Zeuge vor UNO-Tribunal: Milosevic entschied alles
publiziert: Dienstag, 2. Jul 2002 / 18:47 Uhr

Den Haag - Der frühere EU-Beauftragte für das Kosovo hat Slobodan Milosevic für das Scheitern der Bemühungen um eine friedliche Lösung des Kosovo-Konflikts verantwortlich gemacht. Wolfgang Petritsch sagte vor dem UNO-Tribunal aus.

Slobodan Milosevic.
Slobodan Milosevic.
Der jugoslawische Ex-Präsident Milosevic habe alles entschieden, er sei die einzige Person gewesen, die alles kontrolliert habe, sagte der österreichische Botschafter in Den Haag als Zeuge der Anklage aus.

Dies sei auch nach den Verhandlungen von Rambouillet im Februar 1999 deutlich geworden. In Abwesenheit von Milosevic hätten dort die Vertreter Serbiens ihr Einverständnis mit Lösungsvorschlägen erkennen lassen, die zusammen mit Delegationen der Kosovo-Albaner und der EU erarbeitet worden waren.

Darin hätten alle Seiten grundsätzlich einer internationalen Präsenz im Kosovo zugestimmt. «Aber Milosevic mochte wohl diese Vereinbarungen nicht», folgerte Petritsch. Dies sei bei späteren Treffen in Belgrad zu Tage getreten. Deshalb sei es schliesslich zu den NATO-Bombenangriffen gekommen.

Mit der Zeugenaussage von Petritsch und seiner anschliessenden Befragung durch Milosevic ist der Prozess nach zweiwöchiger Unterbrechung wegen einer Grippeerkrankung des Angeklagten fortgesetzt worden.

(ba/sda)

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