Rückschritt für Schweizer Zirkuswelt
Zirkus Royal 2016 mit Löwen auf Tournee
publiziert: Mittwoch, 28. Okt 2015 / 14:13 Uhr
In der Schweiz ab 2016 wieder traurige Realität: Grosskatzen in der Manege.
In der Schweiz ab 2016 wieder traurige Realität: Grosskatzen in der Manege.

Zürich - Der Zirkus Royal wird 2016 mit sieben Löwen auf Tournee gehen. Damit ist er nach mehreren Jahren der einzige Schweizer Zirkus, der eine Raubtierdarbietung im Programm hat. Weil Zirkusse den Bedürfnissen der Tiere nicht gerecht werden können, entscheiden sich immer mehr Länder für ein generelles Wildtierverbot in Zirkussen. Die Schweiz muss diesem Beispiel folgen.

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Die Tierschutzorganisation «Vier Pfoten» hat dieses Jahr eine internationale Kampagne gegen Grosskatzen in Gefangenschaft, seien das Grosskatzen in Privathaltung, Zoos oder Zirkussen, lanciert. In der Schweiz hat die Kampagne vor allem auf das fehlende Verbot von Wildtieren in Zirkussen aufmerksam gemacht, obwohl es bis anhin keine Grosskatzen in Schweizer Zirkussen mehr gab. Umso enttäuschender ist nun die Ankündigung vom Zirkus Royal: Auf seiner Tournee 2016 wird er sieben Löwen in seiner Manege präsentieren. «Wir sind entsetzt, dass sich ein Schweizer Zirkus für die Wiederaufnahme einer Raubtiernummer ins Programm entschieden hat. Löwen in der Manege sind aus Tierschutzsicht definitiv ein Rückschritt für die Schweizer Zirkuswelt», sagt Julie Stillhart, Landeschefin «Vier Pfoten» Schweiz.

Grosskatzen in Zirkussen

Ein Zirkus kann Grosskatzen nicht annähernd angemessene Lebensbedingungen bieten. Mangelhafte Bewegung, eine reizarme Umgebung und die Unterdrückung des Jagdtriebs führen zu Verhaltensstörungen wie monotonem Auf-und-ab-Gehen. Es ist belegt, dass insbesondere Raubtiere mit grossen Streifgebieten viele Anzeichen von Stress zeigen. Mit der Anfangs 2015 in Kraft getretenen neuen Verordnung zur Haltung von Wildtieren dürfen Zirkusse in der Schweiz die geltenden Mindestanforderungen bzw. Mindestabmessungen der Gehege von Wildtieren während der Tournee massiv unterschreiten. Die Aussengehege dürfen auf einer Tournee nun um 30 Prozent kleiner sein, sofern die Tiere regelmässig beschäftigt werden. «Dass der Zirkus Royal den Löwen nach eigenen Angaben rund drei mal mehr Platz als vorgeschrieben zur Verfügung stellen möchte, täuscht nicht darüber hinweg, dass ein Wanderzirkus sieben Löwen noch immer nicht annähernd einen artgemässen Lebensraum bieten kann», betont Thomas Pietsch, «Vier Pfoten» Wildtierexperte.

Längst keine Tradition mehr

Der Schweizer National-Zirkus Knie ist seinen Konkurrenten im August diesen Jahres mit gutem Beispiel vorangegangen. Ab 2016 verzichtet er auf die traditionelle Elefantennummer, eine sehr erfreuliche Ankündigung mit Vorbildcharakter. Die internationale Tierschutzorganisation empfiehlt den zuständigen Kantonen, keine Bewilligungen für Zirkusse auszusprechen, die mit Grosskatzen auf Tournee gehen. Denn abgesehen von den Haltungsmängeln stellt die Unterbringung von Raubkatzen unter Zirkusbedingungen ein unkalkulierbares Sicherheitsrisiko dar.

Nationales Verbot dringend notwendig

Der unbedachte Entscheid des Zirkus Royals zeigt einmal mehr, dass ein nationales Verbot von Wildtieren in Zirkussen längst überfällig ist. Das Risiko, dass nach der Ankündigung vom Zirkus Royal bald auch wieder Elefanten oder Bären in der Manege stehen, darf nicht eingegangen werden. Inzwischen verbieten 19 europäische Länder wie beispielsweise Bulgarien und Slowenien, die der Schweiz in Sachen Tierschutz in so manch anderen Belangen nachstehen, die Wildtierhaltung im Zirkus ganz oder für bestimmte Arten von Grosskatzen. Immer mehr moderne Zirkusbetriebe arbeiten erfolgreich ohne Wildtiervorführungen. Die Schweiz muss diesem Beispiel folgen.

(anM/Vier Pfoten)

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