Zu Unrecht des Domänenklaus beschuldigt
publiziert: Donnerstag, 14. Aug 2003 / 08:06 Uhr

Zürich - David gegen Goliath: Die Pariser Le Corbusier Stiftung hat das Zürcher Centre Le Corbusier zu Unrecht des "Domaingrabbings" beschuldigt. So urteilte ein neues internationales Schiedsgericht.

Das Heidi Weber Museum in Zürich.
Das Heidi Weber Museum in Zürich.
Die grosse Pariser Stiftung hat sich gegenüber dem kleinen Zürcher Zentrum des "Reverse Domain Hijacking" schuldig gemacht.

Der Begriff bezeichnet den Versuch, sich einen bestehenden Internetauftritt eines anderen dadurch einzuverleiben, dass man ihn des "Domaingrabbings" beschuldigt.

Die französische Stiftung warf dem Zürcher Museum vor, es bediene sich in der Internetadresse "www.centre-lecorbusier.com" zu Unrecht eines eingetragenen Markennamens.

Der Domain-Name stünde rechtmässig ihr, der Pariser Stiftung, zu.

Eine von der World Intellectual Property Organisation WIPO (Genf) und der Internet Corporation for Assignment of Names and Numbers (ICANN) eingerichtete Schiedsstelle entschied nun Anfang Juli, dass das von Heidi Weber gegründet und betriebene Zürcher Zentrum 24 von 32 Internetdomänen - Varianten von www.centre-lecorbusier.com - behalten darf.

Grundsatzurteil für weiteren Rechtsstreit?

Der Schiedsspruch ist deshalb von entscheidender Bedeutung, da die Gerichte bisher in dieser Frage in der Regel zu Gunsten des "stärkeren" Kontrahenten urteilten.

So beanspruchte etwa der Westdeutsche Rundfunk in einem Rechtsstreit gegen den Bankenkonzern Warburg Dillon Read erfolgreich die Adresse www.wdr.com und gegen den Privatmann Wolf Dieter Roth die Domäne www.wdr.org.

Für Heidi Weber, Gründerin und Betreiberin des Zürcher Centre Le Corbusier, ist der Internet-Schiedsspruch "der erste Hoffnungsschimmer" in einer über 30 Jahre dauernden Reihe von Rechtsstreiten gegen die Pariser Stiftung.

Denn er bestätigt implizit, dass Heidi Weber auch einen rechtmässigen Anspruch auf den Markennamen hat.

Streit um "Goldmine"

Heidi Weber erhielt 1962 vom Architekten Charles Eduard Jeanneret alias Le Corbusier zum Dank für siebenjährige Zusammenarbeit für 30 Jahre das alleinige Recht am Verkauf seines bildnerischen Werks.

Ausserdem baute sie an der Zürcher Höschgasse am See ein Museum nach dem letzten Entwurf des 1965 verstorbenen Architekten - eine Pilgerstätte für Architektur-Interessierte.

Die Pariser Le Corbusier Stiftung als Erbin des Nachlass' musste den Exklusivvertrag mit Heidi Weber übernehmen.

Sie ist verpflichtet, Le Corbusiers Werk zu pflegen und zu erhalten und seine Ideen zu verbreiten. Heidi Weber tut dasselbe - aber aus eigenem Antrieb und Enthusiasmus.

Bis auf 65 Gemälde und Skulpturen hatte die Innenarchitektin bis 1992 Zugriff auf schätzungsweise 8500 Zeichnungen, 500 Gemälde sowie ein paar Dutzend Skulpturen und Wandteppiche, musste aber einen Teil des Verkaufspreises jeweils der Stiftung abliefern.

Seit 1987, dem 100. Geburtstag Le Corbusiers, stiegen die Preise für seine Gemälde markant. Seither versuchte die Stiftung wieder den Vertrag zu brechen, sagt Heidi Weber, "die wähnten sich auf einer Goldmine und wollten mich loswerden".

1998 wurde der 10 Jahre dauernde Streit um Schadenersatz und Rechte mit einem Vergleich beigelegt.

(bsk/sda)

 
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