Zuchthausstrafe für Angeklagten im Bundesstrafprozess gefordert
publiziert: Freitag, 13. Aug 2004 / 17:23 Uhr

Bellinzona - Mit den Plädoyers von Anklage und Verteidigung ist die erste Verhandlung des neuen Bundesstrafgerichts gegen einen ehemaligen Bundesbeamten und seine mitangeklagte Ehefrau zu Ende gegangen. Am kommenden Dienstag wird das Urteil verkündet.

Der Vertreter der Bundesanwaltschaft, Hansjörg Stadler, forderte für den Hauptangeklagten eine Zuchthausstrafe von drei Jahren und drei Monaten sowie eine Busse.

Nach Ansicht des Staatsanwalts hat sich der Angeklagte mit seinen fingierten Rechnungen gegenüber der Eidgenossenschaft des gewerbsmässigen Betrugs und der mehrfachen Urkundenfälschung schuldig gemacht.

Hinzu komme gewerbsmässige Geldwäscherei sowie die Fälschung von Ausweisen. Der Angeklagte habe eine grosse kriminelle Energie an den Tag gelegt und über eine Dauer von mehr als sechs Jahren skrupellos gehandelt.

Der Verteidiger des Ex-Beamten erachtet eine bedingte Freiheitsstrafe von 16 Monaten als angemessen. Er verlangt einen teilweisen Freispruch, insbesondere bezüglich Geldwäscherei. Er machte zudem eine Mitverantwortung der Eidgenossenschaft geltend, weil deren lasche Finanzkontrolle dem Angeklagten sein deliktisches Handeln erleichtert habe.

Die mitangeklagte Ehefrau hat sich nach Auffassung des Staatsanwalts der mehrfachen Geldwäscherei schuldig gemacht. Für sie fordert er eine Strafe von 30 Tagen Gefängnis bedingt. Ihr Verteidiger verlangt einen Freispruch.

Der Hauptangeklagte hatte beim Prozessauftakt vor der Strafkammer des Bundesstrafgerichts eingeräumt, zwischen 1994 und 2001 als Bundesbeamter im Namen seiner Scheinfirma Wavecom Technik fingierte Rechnungen im Gesamtumfang von 1,927 Millionen Franken an die Eidgenossenschaft gestellt zu haben.

Der Beamte war ab 1992 beim Bundesamt für Genie und Festungen, beim Festungswachtkorps und bei der Gruppe Führungsunterstützung angestellt gewesen. Zuletzt arbeitete er bis 2001 beim Bundesamt für Informatik und Telekommunikation. Rund 1,6 Millionen Franken des Deliktbetrages konnten sichergestellt werden.

(bert/sda)

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