Zürcher Glattal ist der Schweiz voraus
publiziert: Donnerstag, 14. Aug 2003 / 07:53 Uhr

Zürich - Mehrere Agglomerationen in der Schweiz versuchen derzeit, die zunehmende Urbanisierung in den Griff zu bekommen. Allen voran das Glattal im Kanton Zürich, das bei der Bewältigung agglomerationstypischer Probleme neue Wege geht.

Die Glattal-Bahn wird als Herzstück des Projektes verkauft.
Die Glattal-Bahn wird als Herzstück des Projektes verkauft.
Das Glattal mit seiner Nähe zur Stadt Zürich und zum Flughafen Zürich-Kloten gilt wirtschaftlich und bevölkerungsmässig als dynamischste Region im Kanton Zürich.

Heute leben dort 140 000 Menschen, die Zahl der Arbeitsplätze beträgt 120 000. Schätzungen zufolge werden sich in 20 Jahren die Arbeitsplätze fast verdoppeln.

Die starke Verdichtung führt zu Problemen, die die Gemeinden nicht mehr im Alleingang und unabhängig voneinander lösen können.

Ohne die politischen und verwaltungstechnischen Strukturen anzutasten, haben sich acht Glattaler Gemeinden in der Organisation "glow.das Glattal" für die Agglomerations-Arbeit zusammengefunden.

Dominantes Thema: ÖV

Die Organisation geht zurück auf ein erstes Treffen der Gemeinden Kloten, Dübendorf, Opfikon und Wallisellen vor 15 Jahren, wie Otto Halter, Präsident von "glow.das Glattal" und Gemeindepräsident von Wallisellen, sich erinnert.

Bald stiessen die Gemeinden Wangen-Brüttisellen, Bassersdorf, Dietlikon und Rümlang zur Organisation, die sich auf die Fahne schreibt, die gemeinsamen Probleme auch gemeinsam und möglichst pragmatisch zu lösen.

Was am Anfang eine lose Arbeitsgruppe zum Thema Öffentlicher Verkehr war, ist seit 10 Jahren mangels anderer geeigneter Rechtsform ein Verein. Ihm stand für das Jahr 2003 das magere Budget von 250 000 Franken zur Verfügung.

Erster Erfolg: Die Glattalbahn

Seinen bisher grössten Erfolg feierte "glow.das Glattal" mit dem Ja der Zürcher Stimmberechtigten im Februar 2003 zum 650-Millionen-Kredit für die Glattalbahn.

Die 12,7 Kilometer lange Bahn soll bis 2010 die Zentren zwischen Zürichs Norden und der Flughafenregion verbinden, dem S-Bahnnetz angeschlossen werden und den Verkehrskollaps verhindern.

Das Besondere am Projekt ist laut Halter, dass die Gemeinden es in Eigenregie entwickelten. Der Kanton sei erst eingeschaltet worden, nachdem man die Lage gemeinsam analysiert und sich geeinigt habe. Dies habe Zeit gespart, sagt Halter.

Zum ÖV sind mit der Zeit andere Aspekte hinzugekommen, die die Organisation anpackt, etwa die Zonenplanung, Kultur- und Sport-Veranstaltungen sowie Weiterbildungsangebote.

Fünf berittene Polizisten stellen die nächtliche Bewachung eines Stück Walds auf dem Gebiet von fünf Gemeinden sicher - allein hätte es jeweils an Personal und Geld gefehlt.

"Netz-Stadt" statt Gemeinde-Fusion

Bisher stösst "glow.das Glattal" laut Präsident Halter bei der Bevölkerung dank seiner pragmatischen Ausrichtung auf Zustimmung.

Eine Fusion der Gemeinden käme hingegen schlecht an, ist er überzeugt.

Für die Zukunft schwebt Halter eine "Netz-Stadt" vor sowie eine geeignetere Rechtsform für seine Organisation. Dem Zürcher Verfassungsrat schlug man vor, den Term "Interessensgemeinde" in die neue Verfassung zu schreiben.

Die "Netz-Stadt" würde ein regionales Parlament umfassen, das für bestimmte Bereiche verantwortlich wäre und entsprechende Budgets sprechen würde. Der Verfassungsrat sprach sich bisher allerdings dagegen aus.

Laut Alain Thierstein vom ETH-Institut für Raum- und Landschaftsentwicklung zeigt das Glattal, wie kleine Gemeinden in einer stark wachsenden Region ihre Probleme künftig lösen können. Doch erst in ein paar Jahren sei absehbar, wie erfolgversprechdend das Glattaler Modell tatsächlich ist.

(Jean-Marc Heuberger/sda)

 
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