Gestützt auf zwei Gutachten
Zürcher Justizdirektorin Fehr tadelt KESB-Kritiker
publiziert: Sonntag, 31. Jan 2016 / 12:57 Uhr
Justizdirektorin Jacqueline Fehr (SP): «Betroffene können einfach ihre Geschichte erzählen. Weitere Angehörige sagen meist nichts, weil sie das Kind schützen wollen.»
Justizdirektorin Jacqueline Fehr (SP): «Betroffene können einfach ihre Geschichte erzählen. Weitere Angehörige sagen meist nichts, weil sie das Kind schützen wollen.»

Zürich - Die Zürcher Justizdirektorin Jacqueline Fehr (SP) geht mit den Kritikern der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) hart ins Gericht. Nachdem im «Fall Flaach» zwei Gutachter die KESB entlastet haben, rechnet sie namentlich mit der Schriftstellerin Zoë Jenny ab.

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«Der Fall ist sicher eine Lehre für alle. Man kann nicht vorschnell mit Mutmassungen ein Urteil bilden», sagte die SP-Regierungsrätin in einem Interview mit der «SonntagsZeitung». Es brauche Ursachenforschung und es brauche etwas mehr Zeit.

Was aber bleiben werde, sei eine «Informationsassymmetrie»: «Betroffene können einfach ihre Geschichte erzählen. Weitere Angehörige sagen meist nichts, weil sie das Kind schützen wollen», stellte Fehr fest.

Zoë Jenny sei so ein Fall. «Sie hat sich lange und lautstark beklagt, und irgendwann trat ihr Ex-Partner ganz bescheiden auf und sagte: Vielleicht war es doch noch ein bisschen anders.»

Dass die Behörden Falschinformationen nicht richtigstellen können, liegt laut Fehr daran, dass sich die KESB zu einzelnen Fällen nicht äussern darf. Da liege die Verantwortung auch bei den Medienschaffenden. Sie müssten sich die Frage stellen, «ob die dargelegte Sicht wirklich die einzige ist, die man in einem solchen Fall haben kann».

Anzeichen für Schreckenstat waren nicht erkennbar

Dass die Mutter in zürcherischen Flaach ihre beiden Kinder erstickte, um sie vor der Heimplatzierung zu verschonen, hätte laut der Justizdirektorin auch mit einem noch so guten Verfahren nicht verhindert werden können. «Nicht einmal die eigenen Eltern, bei denen sie aufgewachsen ist und die noch am Tag der Tat bei ihrer Tochter und den Enkeln zu Besuch waren, sahen Anzeichen für diese Schreckenstat.» Näher als die Grosseltern könne keine Behörde sein.

Die 27-jährige Frau hatte am 1. Januar 2015 ihren fünfjährigen Sohn und das zweijährige Töchterchen in ihrem Wohnhaus in Flaach ZH erstickt. Nach der Tat alarmierte sie die Polizei, bevor sie sich selbst schwer verletzte. Ein halbes Jahr später nahm sich die junge Mutter in der Untersuchungshaft das Leben.

Zwei am vergangenen Freitag von der Justizdirektion vorgestellte Gutachten kamen zum Schluss, dass zwischen der Handlungsweise der KESB und der Tat der Mutter «kein ursächlicher Zusammenhang» bestehe. Die KESB habe rund um die Notunterbringung wegen der Verhaftung der Eltern sogar «beispielhaft» gehandelt.

Onken: «Eine Katastrophe»

«In meinen Augen ist dieser Befund eine Katastrophe», wird die Feministin und KESB-Gegnerin Julia Onken in der «Schweiz am Sonntag» zitiert. Es sei aber nicht anders zu erwarten gewesen. Die Justizdirektion wolle die Behörde schützen.

Zusammen mit Zoë Jenny und SVP-Nationalrat Pirmin Schwander hat Onken im vergangenen Sommer eine Volksinitiative lanciert. Diese soll die Macht der KESB einschränken und die Aufsicht verbessern.

(asu/sda)

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