15 Tote - 15 Verletzte in Zug
Zuger Amokläufer handelte aus Hass auf Behörden
publiziert: Donnerstag, 27. Sep 2001 / 23:52 Uhr

Zug - Beim schlimmsten Amoklauf in der Kriminalgeschichte der Schweiz hat ein Mann am Donnerstagmorgen im Kantonsrat Zug drei Regierungsräte, elf Parlamentarier sowie sich selber getötet. 15 Politiker und Journalisten erlitten zum Teil schwere Verletzungen. Motiv der Tat waren Rachegefühle gegenüber den Behörden.

Der Täter drang um 10.35 Uhr in polizeiähnlicher Kleidung in den Parlamentsaal ein und schoss ein Magazin eines Sturmgewehrs 90 leer. Danach verliess er kurz den Saal, kehrte zurück und brachte ein "sprengstoffähnliches Geschoss" zur Explosion.

Volkswirtschaftsdirektor Robert Bisig sprach am Abend vor den Medien von einem sehr traurigen Tag für den Kanton Zug. Von der ganzen Regierung haben nur er und Finanzdirektorin Ruth Schwerzmann den Angriff körperlich unbeschadet überstanden.

Die Regierungsräte Peter Bossard, Jean-Paul Flachsmann und Monika Hutter wurden getötet. Die Regierungsräte Hans-Peter Uster und Walter Suter erlitten Verletzungen und sind zur Zeit nicht amtsfähig. Die Zuger Regierung ist nicht mehr regierungsfähig. Zur Beschlussfähigkeit braucht es vier Regierungsräte.

Das Leben verloren weiter 2 Kantonsrätinnen und 9 Kantonsräte, darunter Parlamentspräsident Herbert Arnet. Wie die Kantonspolizei am Abend mitteilte, gab es neben den zwei Regierungsräten weitere 13 Verletzte, darunter Kantonsräte, Journalisten und ein Protokollführer.

Von den 15 Verletzten konnte einer das Spital am Donnerstagabend verlassen. Eine Person befand sich noch in einem kritischen Zustand. Alle anderen befanden sich in einem stabilen Zustand.

Abgewiesene Anzeigen

Beim Täter handelt es sich nach Angaben von Untersuchungsrichter Roland Schwyter um den 1944 geborenen und in Zürich wohnhaften Friedrich Leibacher. Leibacher hat aus Rache und Wut gegenüber den Verantwortlichen der Zuger Verkehrsbetriebe gehandelt. Das Obergericht hatte am Mittwoch sieben Anzeigen Leibachers gegen Zuger Amtspersonen abgewiesen.

Als die Polizei und die Rettungskräfte eintrafen, war auch der Täter tot. Die Polizei geht davon aus, dass er sich selbst gerichtet hat. Im vor dem Gebäude geparkten Wagen des Täters wurden weitere Waffen gefunden. Er trug ein Bekennerschreiben auf sich, in welchem von einem "Tag des Zorns gegen die Zuger Mafia" die Rede war.

Auch die Bundesanwaltschaft schaltete sich ein. Sie leitete ein Verfahren wegen Gefährdung durch Explosionen in verbrecherischer Absicht ein. Bundesanwalt Valentin Roschacher sagte, ein Zusammenhang mit den Terrorakten in den USA könne ausgeschlossen werden.

Sicherheitsmassnahmen verstärkt

Der Amoklauf löste bei Politikern und Organisationen Fassungslosigkeit und Bestürzung aus. Auch aus dem Ausland gingen am Donnerstag mehrere Beileidserkärungen ein. Derzeit stehen in der Schweiz die Fahnen vielerorts auf Halbmast. Bundespräsident Moritz Leuenberger und Nationalratspräsident Peter Hess begaben sich am Donnerstagabend nach Zug.

Die Tat wäre in fast allen Schweizer Kantonsparlamenten möglich gewesen. Als Folge der Zuger Ereignisse wurden für mehrere Kantonsräte der Schweiz schärfere Sicherheitsmassnahmen beschlossen.

Auch im Bundeshaus wurden die Sicherheitsvorkehrungen massiv verstärkt. Es wird ein Metalldetektor für Waffen aufgestellt. Zudem gibt es rigorose Identitäts- und Gepäckkontrollen sowie eine Badge-Tragepflicht. Das Bundeshaus sei für so genannte Nachahmertaten ein "Objekt erster Priorität", sagte Hans Peter Gerschwiler, stellvertretender Generalsekretär der Bundesversammlung.

(sda)

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