Todeszug Amsterdam - Basel:
Zugsunglück bei Köln: Staatsanwalt ermittelt wegen fahrlässiger Tötung gegen Lokführer
publiziert: Dienstag, 8. Feb 2000 / 18:07 Uhr / aktualisiert: Dienstag, 8. Feb 2000 / 18:25 Uhr

Brühl (D) - Noch immer rätseln die Ermittler, weshalb der Nachtzug Amsterdam - Basel bei Brühl mit 120 anstatt mit 40 km/h gefahren war. Noch ist der Lokführer nicht vernehmungsfähig. Er steht unter Schock. Der Staatsanwalt ermittelt gegen den 28jährigen wegen fahrlässiger Tötung.

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Die Zugkatastrophe von Brühl mit mindestens acht Toten ist nach Erkenntnissen des deutschen Eisenbahnbundesamtes auf menschliches Versagen zurückzuführen. Die Erklärung für das Unglück liege nach den Ermittlungen im Verhalten des Zugführers.
Das sagte der Sprecher des Amtes, Mark Wille, am Dienstag in Bonn. Der Nachtexpress D 203 von Amsterdam nach Basel war am Sonntag morgen mit 122 Kilometer pro Stunde drei Mal schneller als erlaubt, als er in einer Weiche entgleiste.
Die Staatsanwaltschaft will am Mittwoch mit den Ärzten des Lokführers erörtern, wann der mit einem schweren Schock im Spital liegende 28-Jährige vernehmungsfähig ist. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen ihn wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung und fahrlässigen Körperverletzung.
Bis Dienstagmittag wurden sieben der acht Toten identifiziert. Alle Opfer sind deutsche Staatsangehörige. Beim Unglück waren am frühen Sonntagmorgen 149 andere Menschen verletzt worden. 46 waren am Dienstag noch in Spitalpflege, darunter zwei der insgesamt 15 verletzten Schweizer Passagiere.
SBB-Pressesprecher Reto Korman sagte, es bestehe in beiden Fällen keine Lebensgefahr. Zur Identität der Verletzten machte Kormann keine näheren Angaben.

Vorschriften eindeutig
Nach Erkenntnissen des Eisenbahnbundesamtes waren die Vorschriften zur Durchfahrt des Brühler Bahnhofs eindeutig. Entscheidend für den Lokführer seien allein die aktuellen Signale an der Fahrstrecke gewesen, sagte Wille. Dieses Signal habe zwei Kilometer vor dem Bahnhof eine Höchstgeschwindigkeit von 40 Stundenkilometern angezeigt.
Es sei bisher unerklärlich, warum der Lokführer zunächst diese Vorgabe befolgt, anschliessend aber wieder beschleunigt habe. Bis zur Vorlage eines umfassenden Gutachtens des Eisenbahnbundesamtes zu den technischen Faktoren des Unglücks könne noch einige Zeit vergehen, erläuterte Wille. Glücklicherweise sei der Fahrtenschreiber gefunden worden.
Nach Angaben des Sprechers der Deutschen Bahn AG, Manfred Ziegerath, waren vor dem Unglück zehn Züge «problemlos über die Weiche gefahren».

Geänderte Ausbildung gefordert
Der Vorsitzende der Gewerkschaft der deutschen Lokomotivführer, Manfred Schell, bekräftige seine Forderung nach einer geänderten Ausbildung von Zugführern. Im ZDF-Morgenmagazin forderte er, dass junge Lokomotivführer nicht direkt im Anschluss an ihre siebenmonatige Ausbildung am Steuer von Fernzügen mit bis zu 1200 Fahrgästen sitzen dürften.
Eine so genannte «sechsmonatige gelenkte Beschäftigung unter Überwachung von erfahrenen Lokomotivführern» müsste im Anschluss an die Ausbildung wieder eingeführt werden, forderte Schell.
Die Bergung des Zugwracks auf dem Bahnhof von Brühl sollte am Dienstagnachmittag abgeschlossen werden. Strömender Regen mit erhöhter Rutschgefahr behinderte allerdings die Retter. Bis zur Aufnahme des Zugverkehrs auf der üblichen Strecke zwischen Frankfurt und Köln könnten noch einige Tage vergehen, hiess es.

(ba/sda)

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