Zum Jahresabschluss knapp verloren
publiziert: Sonntag, 21. Dez 2008 / 00:24 Uhr

Das Eishockey-Nationalteam beendete das Pensum 2008 mit einer weiteren guten Leistung, aber einer Niederlage. Die Schweiz verlor in Kosice gegen die Slowakei 2:3. Das entscheidende Gegentor kassierten die Schweizer drei Sekunden vor Schluss.

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Marcel Hossa entschied die Partie. Der «kleine» Bruder von Marian Hossa spedierte in Überzahl den zweiten Abpraller zum vielbejubelten 3:2 ins Netz. 8347 Zuschauer (ausverkauft) verwandelten nach dem Treffer die WM-Arena von 2011 in ein Tollhaus.

Eine Reaktion war in den verbleibenden drei Sekunden nicht mehr möglich; die Schweizer liessen nach dem Spiel die Köpfe hängen. Nach drei Siegen hintereinander in Verlängerung oder Penaltyschiessen verpassten sie eine weitere Overtime um bloss drei Sekunden.

Die Slowaken hatten sich den Sieg aber verdient. Wie schon am Freitag in Poprad drückten sie der Partie den Stempel auf. Aber die Schweizer liessen sich nicht mehr derart massiv unter Druck setzen wie 24 Stunden zuvor. Sie kamen diesmal zu 28 Torschüssen (am Freitag waren es nur 13 gewesen) und zu mehr Möglichkeiten.

Blindenbacher: Plus 4

Die Schweizer Tore erzielten Julien Sprunger in der 28. Minute zum 1:1 und Raffaele Sannitz (der in Abwesenheit von Sandy Jeannin erstmals im Nationalteam als Captain agierte) in der 48. Minute zum 2:2.

Den ersten Ausgleich bereitete Back Patrick von Gunten mit einem Traumpass vor; Sprunger konnte danach solo auf das slowakische Goal losziehen. Die Vorarbeit zum 2:2 leistete Philipp Rytz mit einem Slapshot. Von Gunten und Rytz empfahlen sich nebst den WM-erfahrenen übrigen fünf Verteidigern für höhere Aufgaben. Krueger: «Vor allem Patrich (von Gunten) spielte sich diese Woche in den engeren WM-Kreis.»

Kruegers Freude an der Defensive

Die Defensive bereitete Krueger diese Woche grosse Freude. «Die Verteidigung agierte sehr mobil, sehr solid und äusserst diszipliniert.» Die Schweizer kassierten in den drei Partien von dieser Woche gegen starke Gegner nur vier Gegentore, obwohl mit Goran Bezina (Hexenschuss) einer der wichtigsten Akteure am Freitag ausfiel.

Severin Blindenbacher überstrahlte alle Schweizer Spieler in dieser Woche (Plus-4-Bilanz). Derweil die Verteidigung grandios aufspielte, tat sich der Angriff aber schwer (nur fünf Tore). Krueger: «Wir haben im November und Dezember 46 Spieler getestet. Wir bestritten die zwei Zusammenzüge mit einem sehr breiten Kader. Für die Defensive scheint das kein Problem darzustellen, in der Offensive fehlt aber etwas, wenn wir nicht die besten Kräften beieinander haben.»

Sieg war möglich

Unzufrieden zeigte sich Krueger auch im Dezember wieder mit der Powerplay-Ausbeute. Nur jede elfte Überzahl führte in den ersten sieben Spielen der Saison zu einem Tor. Die Slowakei agierte am Samstag in den «special teams» entscheidend effizienter: Das 2:1 und das 3:2 erzielten sie im Powerplay (Rytz sass beide Male auf der Strafbank); das 1:0 sogar in Unterzahl (nach einem Fehlzuspiel von Seger, der sich anschliessend auch noch überlaufen liess).

Dennoch besassen die Schweizer auch in der dritten Partie in vier Tagen die Möglichkeit zum Sieg. Romano Lemm kam nach Sannitz´ 2:2-Ausgleich im Finish zu zwei ausgezeichneten Chancen, scheiterte aber beide Male an Goalie Rastislav Stana. Stana war einer von vier NHL-erfahrenen Slowaken, die das Team gegenüber dem Vortag noch verstärkten.

Defensiv bestes Team der Welt

Trotz der knappen und unglücklichen Niederlage zum Abschluss: Das Schweizer Team hat diese Woche erneut überzeugt. Dass das Eishockey-Nationalteam bei der Wahl zur «Mannschaft des Jahres» nicht einmal im erweiterten Kandidatenkreis figurierte, grenzt an einen Skandal.

Die Schweiz bestritt 2008 die beste WM seit Jahren (vier Siege), schlug an der WM einen «Grossen» (4:2 gegen Schweden), stiess in der Weltrangliste erstmals auf Platz 7 vor (auf Kosten der Slowakei) und gewann vor und nach der WM elf von 16 Länderspielen. Ralph Krueger studierte mit dem Team in den letzten Jahren ein Spielsystem ein, welches die Gegner ins Schwärmen bringt. So bezeichnete der deutsche Coach Uwe Krupp die Schweiz diese Woche als «das defensiv beste Team der Welt».

Die nächsten Auftritte bestreitet das Schweizer Team im Februar vor eigenem Anhang: in Genf gegen Weissrussland, dann in Sierre und in Gstaad (Open Air) gegen die Slowakei. Im Februar wird Krueger erstmals diese Saison die bestmögliche Equipe (ohne NHL-Spieler) aufbieten.

Plüss meldete sich zurück

Auch Martin Plüss wird, sofern gesund, im Februar wieder mit von der Partie sein. Der Routinier (172 Länderspiele) bestritt den ersten Zusammenzug seit der WM-Ausbotung vor einem halben Jahr und «meldete sich zu hundert Prozent zurück» (Krueger). Plüss zeigte in den drei Partien dieser Woche starke Leistungen; gegen Deutschland spielte er sogar herausragend gut.

Für Plüss stand ein Rückzug aus dem Nationalteam nie zur Debatte, obwohl er den Entscheid gegen ihn letzten Frühling nicht goutieren konnte. Plüss: «Die Zusammenzüge mit dem Nationalteam bereiten mir immer grossen Spass. Es wird sicher nicht leicht, den verlorenen Platz zurückzuerobern. Aber die WM in der Schweiz bleibt ein grosses Ziel für mich. Geändert hat sich für mich gegenüber früher nichts: Ich habe immer, auch als ich als Fixstarter galt, in jedem Spiel alles gegeben.»

(Rolf Bichsel. Kosice/Si)

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