Zum Martinstag: Martinus als Schutzpatron der Säufer
publiziert: Dienstag, 11. Nov 2003 / 07:36 Uhr

Bern - Martinus von Tours war der erste Heilige der römischen Kirche. Sein Namenstag (11.11.) markierte das Ende des Bauernjahres und war früher ein bedeutender Fest- und Geschäftstag. Heute wird Martini in der Schweiz nur noch an wenigen Orten begangen.

Martinus von Tours soll der Legende nach einem Bettler vor den Toren von Amiens seinen Mantel gegeben haben. Daraufhin sei er zum Christentum konvertiert.
Martinus von Tours soll der Legende nach einem Bettler vor den Toren von Amiens seinen Mantel gegeben haben. Daraufhin sei er zum Christentum konvertiert.
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Den meisten ist "Martini" nur als alkoholisches Getränk ein Begriff. Schwyz immerhin würdigt den Heiligen Martin mit einem Ruhetag, denn dort ist er Kantonsheiliger. Und in Sursee wird ihm zu Ehren die "Gansabhauet" veranstaltet: Leute im roten Mantel und mit Sonnenmaske versuchen, die Hälse von zwei aufgehängten Gänsen mit einem Schlag zu durchtrennen.

Ein üppiges Schlachtfest, wie es früher auf dem Land am Martinstag üblich war, gibt es fast nur noch in der jurassischen Ajoie. Dort wird in den Restaurants das siebengängige Martinimahl aufgetischt, das unter anderem Blut- und Leberwürste, Suppenfleisch, Adrio und Schweinebraten enthalten muss.

Alpabtrieb

Anfang bis Mitte November war früher Alpabtrieb. Tiere, die man nicht futterintensiv überwintern wollte, wurden auf Märkten verkauft oder geschlachtet.

Was an Fleisch nicht durch Beizen oder Räuchern haltbar gemacht werden konnte, wurde gegessen, denn kurz danach begann ein 40-tägiges Adventsfasten. Erntedankfeste vom amerikanischen Thanksgiving bis zur Berner Sichlete sind Variationen des Martinimahls.

Aus den herbstlichen Viehmärkten zogen die Bauern ihre Haupteinnahmen. Einen grossen Teil reinvestierten sie in Dinge des täglichen Gebrauchs, so Geschirr ("Chacheli"), Stoffe oder Bücher. Von der Basler "Mäss" bis zur Frankfurter Buchmesse gehören alle Herbstmessen und Chilbis zum Martini-Brauchtum.

Bescheiden

Es war ausgerechnet ein besonders bescheidener Heiliger, der diesem üppigen Schlemm- und Kauftag den Namen gab. Bevor er Bischof wurde, und nachdem er aus Glaubensgründen aus dem Wehrdienst ausgeschieden war, lebte der 317 in Sabaria (Ungarn) Geborene als Einsiedler. In Ligugé gründete er zudem das erste Mönchskloster Europas und führte dort mit seiner Gefolgschaft ein asketisches Leben.

Als er 371 von seiner Wahl zum Bischof von Tours hörte, soll er sich vor Schüchternheit in einem Gänsestall versteckt haben. Weil ihn das Federvieh mit seinem Geschnatter verriet, liess er es zur Strafe braten. So jedenfalls begründet die Legende die Tradition der Martinigans. Übrigens soll Martinus noch als Bischof seine Schuhe selber geputzt haben.

Wein und Wortschatz

Dass er trotz seiner Bescheidenheit zum Patron der Säufer wurde, hängt damit zusammen, dass um den 11. November herum der erste Wein verkostet wird. "Sankt Martin war ein milder Mann/Trank gerne Cerevisiam (Bier)/Und hatte er kein Pecuniam (Geld)/Musst lassen er Tunicam (Mantel)" heisst es in einem Trinklied.

Letzteres stimmt natürlich nicht, wie jeder weiss. Die Hälfte seines Mantels tauschte er nicht gegen Alkohol. Vielmehr gab er ihn laut Legende vor den Toren von Amiens einem Bettler. Als sich dieser ihm später im Traum als Jesus zu erkennen gab, trat Martinus zum Christentum über.

Die Reste seines Kapuzenmäntelchens (capella) liessen die merowingisch-fränkischen Könige in ihren Schlachten dem Heer voraustragen. Es soll noch heute in der "Saint Chapelle" zu Paris aufbewahrt sein. Die Hüter der Mantelhälfte wurden "capellani" (Kaplan) genannt, kleine Gotteshäuser generell "capella" und ebenso Kirchen- und andere Musikgruppen.

(Irene Widmer, Quelle: sfd)

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