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Zur Rolle Indiens in internationalen Klimaverhandlungen
publiziert: Donnerstag, 19. Jan 2012 / 14:47 Uhr
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Daniel Spreng ist emeritierter Professor, Bereich Energiewirtschaft und Energieanalyse.
Daniel Spreng ist emeritierter Professor, Bereich Energiewirtschaft und Energieanalyse.

Hiesige Beobachter der Klimaverhandlungen in Durban vergangenen Dezember fanden wenig Verständnis für die vergleichsweise unkooperative Position Indiens.

Weiterführende Links zur Meldung:

OECD Länder
Mitgliedsländer OECD
oecd.org

Science Magazine, 13.01.12
Simultaneously Mitigating Near-Term Climate Change and Improving Human Health and Food Security
sciencemag.org

Nature, 04.12.11
Rapid growth in CO2 emissions after the 2008–2009 global financial crisis
nature.com

PNAS; Ken Caldeira and Steven J. Davis
Accounting for carbon dioxide emissions: A matter of time
pnas.org

Eine ungebremste Zunahme von CO₂-Emissionen mit entsprechendem Klimawandel wird dieses Land empfindlich treffen. Besonders die Armen werden den Dürren, Stürmen und Überflutungen schutzlos ausgesetzt sein. Warum spielte Indien in den Verhandlungen keine kooperativere Rolle? Ich habe mir dazu einige Gedanken gemacht.

Gerechtigkeit

Die Idee, dass jedem Menschen ein Recht auf dieselbe Menge CO₂-Emissionen zusteht, ist international noch nicht stark verankert und hat erst bescheidene Auswirkungen auf die Vorschläge, die an den internationalen Klimakonferenzen diskutiert werden.

Warum sollte Indien schon heute CO₂-Emissionen reduzieren, wenn es pro Person noch immer etwa 10-mal weniger CO₂ emittiert als die OECD-Länder (>siehe weiterführende Links)? Zudem ist ein beträchtlicher Teil der CO₂-Emissionen von Entwicklungsländern auf Produkte zurückzuführen, die in den reicheren Ländern konsumiert werden1. Der schweizerische - im Vergleich zu anderen Industriestaaten relativ tiefe - Wert an CO₂- Emissionen pro Kopf würde sich fast verdoppeln, wenn wir uns auch die CO₂-Emissionen der importierten Güter zurechnen würden - was wohl gerecht wäre.

Wirtschaftliche Entwicklung ist für Indien eine Notwendigkeit, eine Frage des Überlebens. Länder, die schon viel CO₂ emittiert haben, müssten fairerweise zur Entwicklung Indiens beitragen, wenn Indien sich schon jetzt, auf einem viel tieferen Niveau der pro-Kopf CO₂-Emissionen, in einen Vertrag einbinden liesse.

CO₂ ist in Indien nicht das dringlichste Problem

Viele Entwicklungsländer haben offensichtliche, gravierende Umweltprobleme. Klimawandel ist weniger handfest als lokale Verschmutzung und steht daher nicht zuoberst auf der Liste der zu behandelnden Probleme. Bei Indiens Klimaproblem ist zudem CO₂ nicht in gleicher Deutlichkeit die dominierende Emission, wie beim globalen Klimaproblem. Insbesondere Russ schafft sowohl ein lokales Umweltproblem, als auch ein regionales, nicht sehr gut verstandenes, auf kurze Sicht wichtiges Klimaproblem2. Bei den internationalen Verhandlungen konzentriert man sich jedoch auf CO₂. Die Bemühungen Indiens, das Russproblem zu entschärfen werden nicht honoriert - aus globaler, langfristiger Sicht vielleicht zu Recht.

40% der Menschheit verwendet Biomasse als Brennstoff zum Kochen, dem wichtigste Energieverbrauch dieser Menschen3. Wenn in den Entwicklungsländern zum Kochen zum Beispiel Flüssiggas verwendet würde, erhöhten sich zwar die Treibhausgasemissionen, die von der Verbrennung fossiler Energieträger stammen, um gegen 4%. Die Klimaauswirkungen wären trotzdem geringer, da die ineffiziente, unvollständige Verbrennung von Biomasse sehr viel Treibhausgasemission verursacht 4. Und die Umstellung führte zu besserer Luft in den Häusern (und damit zu weniger Lungenkrankheiten - noch sterben daran jährlich etwa 1.5 Mio. Menschen) und hülfe der allgemeinen Entwicklung. Die Frauen gewännen damit Zeit für andere Dinge als für das arbeitsintensive Sammeln und Tragen von Holz. In den von den Industriestaaten stark geprägten Klimadiskussionen scheinen aber Treibhausgase, die nicht durch die Verbrennung von fossilen Energieträgern stammen, immer noch eine bescheidene Rolle zu spielen.

Die Frage der Gerechtigkeit und die Fokussierung auf CO₂ sind zwei Gründe, warum Indien wünscht, dass die Klimaverhandlungen neu angegangen werden und auch Elemente der Entwicklungszusammenarbeit enthalten. Letztere sollen dazu beitragen, in Indien und anderen Entwicklungsländern eine klimaverträgliche wirtschaftliche Entwicklung zu fördern.

1 >siehe weiterführende Links, Figur 1 in Nature, 04.12.11 und PNAS

2 > siehe weiterführende Links, den viel zitierten Artikel im Science Magazine 13.01.12, zitiert z.B. in Neue Zürcher Zeitung, 14. Januar 2012: «Plan B gegen den Klimawandel Konkrete Massnahmen gegen kurzlebige Klimakiller»

3 Pachauri S, Zerriffi H, Foell W, and Spreng D, Guest Editors [2011]. Clean Cooking Fuels and Technologies in Developing Countries. Special Section in Energy Policy 39, 7487-7908

4 Grieshop AP et al. [2011], op.cit.

(Prof. Daniel Spreng/ETH-Klimablog)

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Wissen aus erster Hand

Der ETH-Klimablog nimmt die aktuelle Debatte zum Klimawandel auf. Er bietet eine Plattform für die breite Öffentlichkeit wie auch für Fachleute. 20 Professorinnen und Professoren schreiben zu verschiedenen Wissensgebieten und thematisieren auch wirtschaftliche und gesellschaftliche Aspekte. Prominente Gäste aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft sowie Studierende tragen mit eigenen Beiträgen zur Diskussion bei.

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