Schweiz - EU
Zuwanderungsinitiative: Wirtschaft kritisiert Bundesrat
publiziert: Sonntag, 22. Jun 2014 / 12:55 Uhr
Economiesuisse-Präsident Heinz Karrer befürchtet «einen negativen Einfluss auf den Wirtschaftsstandort Schweiz», wenn hoch qualifizierte Arbeitskräfte nur noch in reduziertem Ausmass aus dem Ausland rekrutiert werden könnten.
Economiesuisse-Präsident Heinz Karrer befürchtet «einen negativen Einfluss auf den Wirtschaftsstandort Schweiz», wenn hoch qualifizierte Arbeitskräfte nur noch in reduziertem Ausmass aus dem Ausland rekrutiert werden könnten.

Bern - Die Wirtschaft kritisiert den Bundesrat, bei der Umsetzung der Zuwanderungsinitiative der SVP den Spielraum nicht auszunützen. Die Regierung spielt den Ball zurück und fordert die Unternehmen auf, bei der Fachkräfteinitiative endlich Einsatz zu zeigen.

10 Meldungen im Zusammenhang
Wirtschaftsvertreter fürchten bei einer Einführung von Kontingenten um die Rekrutierung von Fachkräften. Ohne Spezialisten aus dem Ausland «müssen wir einen Teil der Arbeit ins Ausland verlagern», sagt etwa Swissmem-Präsident Hans Hess im Interview mit der «NZZ am Sonntag».

Economiesuisse-Präsident Heinz Karrer befürchtet «einen negativen Einfluss auf den Wirtschaftsstandort Schweiz», wenn hoch qualifizierte Arbeitskräfte nur noch in reduziertem Ausmass aus dem Ausland rekrutiert werden könnten, sagte er im Interview mit der «Zentralschweiz am Sonntag».

Wirtschaft in der Pflicht

Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann kontert mit der Fachkräfteinitiative, welche vor drei Jahren ins Leben gerufen worden sei. Dabei sei ein «Strauss von Massnahmen» festgelegt worden. «Jeder der Partner hat seinen Auftrag und muss liefern. Ganz besonders gefordert sind diejenigen, die wirklich Jobs anbieten können: die Unternehmen», sagte er in Interviews mit dem «SonntagsBlick» und der «NZZ am Sonntag».

Dabei gehe es eigentlich nicht darum, dass die Leute mehr arbeiteten, sagte er dem «SonntagsBlick». «Anzustreben ist viel mehr, dass mehr Leute arbeiten können.» Das Potenzial sei bei den Frauen am grössten, doch bestünden auch bei älteren Arbeitnehmenden Möglichkeiten.

In der «NZZ am Sonntag» lanciert Schneider-Ammann zudem die Idee der älteren Lehrlinge: «Wieso muss ein Lehrling beim Lehrantritt 16 Jahre alt sein? Wir können die Lehrstellen nicht alle besetzen. Also können wir doch auch älteren Menschen die Chance auf eine Lehre geben.»

Wirtschaft zu lange egoistisch

Rolf Dörig, Verwaltungsratspräsident des Lebensversicherers Swiss Life und des Personalvermittlers Adecco, betrachtet als einer der wenigen Wirtschaftsvertreter die Zuwanderungsinitiative als Chance und nutzt das Ja der Schweizer Bevölkerung zur Selbstkritik.

«Wir als Wirtschaftsführer haben zu lange ausschliesslich die Unternehmensinteressen verfolgt und die Rahmenbedingungen aus wirtschaftlicher Optik ausgereizt. Wir haben zu lange nicht wahrgenommen, was in der Gesellschaft passiert,» sagte er im Interview mit der «Schweiz am Sonntag».

Sozialpartnerschaft, Generationenvertrag und gesellschaftlicher Zusammenhang stünden heute auf der Kippe, dies habe die Masseneinwanderungsinitiative gezeigt. «Ich persönlich bin froh über den Volksentscheid, denn dieser führt nun dazu, dass wir die wichtigen Themen diskutieren.»

Dörig stellt etwa die Tiefsteuerpolitik in Frage. «Dass wir steuerlich attraktiv bleiben, ist wichtig und zwingend. Aber persönlich bin ich der Meinung, dass wir bei der Pauschalbesteuerung von Privaten und bei der Privilegierung von Briefkastenfirmen zu weit gehen.»

Es sei nicht fair, dass die regulär besteuerte Bevölkerung die ganze Infrastruktur bezahlen müsse, von der dann auch Leute profitierten, die fast nichts zur Finanzierung beisteuerten.

(asu/sda)

Kommentieren Sie jetzt diese news.ch - Meldung.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Lukas Gähwiler, CEO von UBS Schweiz.
Zürich - Die Verknappung von spezialisierten Arbeitskräften in der Schweizer Wirtschaft könnte gemäss UBS-Schweiz-Chef Lukas Gähwiler zumindest teilweise dank Frauen gebremst ... mehr lesen 1
Laut SP-Präsident Christian Levrat ist es gar nicht möglich, die Initiative wortgetreu umzusetzen.(Archivbild)
Bern - Die SP will die Zuwanderungsinitiative nicht mit Kontingenten umsetzen, wie es die Verfassung verlangt. Stattdessen will sie mit Reformen im Inland die Abhängigkeit ... mehr lesen 2
Bern - Die Zuwanderungsinitiative ... mehr lesen
«Schweiz am Sonntag»: In der Schweiz hat sich eine Kluft zwischen Mietern mit einer Wohnung und Mietsuchenden geöffnet.
Weitere Artikel im Zusammenhang
Ab Februar 2017 sollen wieder Ausländerkontingente eingeführt werden.(Symbolbild)
Bern - Der Bundesrat will die Masseneinwanderungs-Initiative der SVP wortgetreu umsetzen. Die Eckwerte, die er am Freitag vorgestellt hat, sehen eine Beschränkung der Zuwanderung ... mehr lesen
Bern - Ende April haben 1,907 Millionen Ausländerinnen und Ausländer in ... mehr lesen
Die ausländische Bevölkerung wächst weiter.
Die Übergangsbestimmungen zur Personenfreizügigkeit bleiben bestehen. (Symbolbild)
Bern - Personen aus Bulgarien und Rumänien haben weiterhin keinen unbeschränkten Zugang zum Schweizer Arbeitsmarkt. Der Bundesrat hat heute beschlossen, die Einschränkungen ein ... mehr lesen
Entscheidend sei, dass die Zuwanderung spürbar zurückgehe, sagte Adrian Amstutz.(Archivbild)
Bern - Die SVP will eine «Alles oder Nichts»-Abstimmung in der Europapolitik unter allen Umständen verhindern. Noch vor dem Bundesrat hat sie einen eigenen Vorschlag zur Umsetzung ... mehr lesen 1
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 21
Reaktionäre Kräfte schliessen sich für das Referendum zusammen, mit dabei auch EDU-Präsident Hans Moser.
Reaktionäre Kräfte schliessen sich für das Referendum zusammen, mit ...
Reaktionär  Bern - Gegen die geplante Stiefkindadoption für Homosexuelle regt sich Widerstand. Sollte das Parlament das neue Adoptionsrecht in der vorliegenden Form verabschieden, will ein überparteiliches Komitee aus den Reihen der SVP, CVP und EDU das Referendum ergreifen. mehr lesen 3
Unternehmenssteuerreform  Bern - Zu Beginn der Sommersession am Montagnachmittag beugt sich der Ständerat zum zweiten Mal über die Unternehmenssteuerreform III. Von einer Einigung sind die Räte ... mehr lesen
Ständerat und kleine Kammer kommen zu keinem gemeinsamen Nenner.
Gotthard 2016  Altdorf - Die Alpen-Initiative fordert den Bundesrat auf, mit der Verlagerung der Gütertransporte von der Strasse auf die Schiene vorwärts zu machen. Die Mitglieder verabschiedeten an ihrer Mitgliederversammlung eine Resolution an die Adresse von Bundesrätin Doris Leuthard. mehr lesen  
Titel Forum Teaser
  • melabela aus littau 1
    es geht nicht nur um homosexuelle ich bin eine frau und verheiratet mit einem mann. leider betrifft es ... So, 14.08.16 13:18
  • Pacino aus Brittnau 731
    Kirchliche Kreise . . . . . . hatten schon immer ein "spezielles" Verhältnis zu ... Do, 09.06.16 08:07
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Das wird die Deutschen aber traurig machen. Wenn man keinen Flughafen und keinen Bahnhof ... Mi, 08.06.16 17:49
  • Pacino aus Brittnau 731
    Demokratie quo vadis? Wenn die Demokratie den Stacheldraht in Osteuropa-, einen Wahlsieg von ... Mo, 06.06.16 07:55
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3945
    Es... muss darum gehen, die Kompetenz der Kleinbauern zu stärken. Das sorgt ... Do, 02.06.16 13:07
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Kindeswohl egal! Es geht doch vor allem um die eigenen Kinder der Betroffenen. Die ... Do, 02.06.16 08:10
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Verlust der Solidarität: Verlust der Demokratie! Vollständig und widerspruchsfrei beantworten lässt sich das wohl nicht. ... Mi, 01.06.16 00:18
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3945
    Unterstützung "Deshalb sind für die Sozialhilfe 267 Millionen Franken mehr und für ... Di, 31.05.16 10:38
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute So Mo
Zürich -1°C 13°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt wolkig, aber kaum Regen
Basel -1°C 14°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt freundlich
St. Gallen 0°C 12°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt wolkig, aber kaum Regen
Bern -2°C 13°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt recht sonnig
Luzern -1°C 13°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt wolkig, aber kaum Regen
Genf 1°C 14°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig recht sonnig
Lugano 3°C 13°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig sonnig
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten