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Zwanghafte Videogamer sind nicht süchtig
publiziert: Mittwoch, 26. Nov 2008 / 08:17 Uhr

Amsterdam - Zwanghafte Videospiel-Nutzer sind keine klassischen Süchtigen. 90 Prozent der jungen Leute, die sich aufgrund von übermässigem Computerspielkonsum in Behandlung begeben, sind nicht von den Games abhängig.

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90 Prozent der angeblich «süchtigen» Videogamer haben eher soziale Probleme.
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Zu diesem Schluss kommt Keith Bakker, der Gründer und Chef der ersten und einzigen europäischen Suchtklinik für Videospielabhängige. Das Smith & Jones Centre Amsterdam hat seit der Öffnung 2006 hunderte Jugendliche behandelt und beginnt nun seine Therapiemethoden zu verändern, berichtet BBC Online.

Die Ärzte hätten erkannt, dass es sich bei zwanghaften Videospielen eher um ein soziales als um ein psychologisches Problem handle. Mit traditionellen Abstinenz-basierten Behandlungsmethoden erzielte die Klink vor allem gute Erfolge bei Personen, die zusätzlich noch ein anderes Suchtverhalten wie Alkohol- oder Drogenmissbrauch aufwiesen.

Nur bei 10 Prozent wirklich süchtig

Bakker glaubt allerdings, dass diese Art der Suchterkrankung nur zehn Prozent der Gamer betrifft. Die anderen 90 Prozent, die mehrere Stunden täglich mit Spielen wie World of Warcraft verbringen, bedürfen seiner Ansicht nach einer anderen Behandlung. «Je mehr wir mit diesen Kids arbeiten, umso weniger denke ich, dass man ihr Problem als Sucht bezeichnen kann», sagt Bakker.

Was sie wirklich bräuchten, seien ihre Eltern und Lehrer, es handle sich um ein soziales Problem. Daher konzentriert sich die Klinik bei der Behandlung nun stärker darauf, die sozialen und kommunikativen Fähigkeiten der Betroffen zu entwickeln, um sich dann wieder in die Gesellschaft integrieren zu können.

Soziale Probleme

Dass Online- und Computerspielsucht oft ein Ergebnis sozialer Probleme sind, unterstreicht auch Gabriele Farke, Onlinesucht-Beraterin und Initiatorin des Selbsthilfe-Portals Onlinesucht.de. Die Wissenschaft definiere einen Onlinesüchtigen als jemanden, der 35 Stunden pro Woche oder mehr im Internet verbringt, so Farke.

«In der Praxis sieht dies allerdings anders aus. Aus meiner Erfahrung weiss ich, dass das soziale Umfeld in diesem Zusammenhang ausschlaggebend ist», erklärt die Expertin. In der Regel könne man dann von Sucht sprechen, wenn der Betroffene beispielsweise seine sozialen Kontakte vernachlässige und in weiterer Folge sogar verliere.

Zuhören

Für den Klinik-Chef Bakker ist das Gaming-Problem auf die heutigen Gesellschaftsstrukturen zurückzuführen. 80 Prozent seiner Patienten seien zuvor in der Schule gehänselt worden und fühlten sich in irgendeiner Weise isoliert.

Viele der Symptome können laut Bakker bekämpft werden, wenn die Jugendliche zu einer traditionellen Form von Kommunikation zurückkehren. Sobald sich die Betroffenen akzeptiert fühlen und ihnen jemand zuhört, ist die grosse Mehrheit in der Lage, das zwanghafte Spielen hinter sich zu lassen.

Eltern verantwortlich

Die Klinik macht für das Suchtverhalten vor allem die Eltern verantwortlich, die in ihrer Verantwortlichkeit und Sorgfalt versagt haben. Sobald die Jugendlichen allerdings das 18. Lebensjahr überschritten haben, seien sie für sich selbst verantwortlich und müssten in der Lage sein, sich selbst Hilfe zu suchen, räumt Bakker ein.

Was jüngere Videospielsüchtige betrifft, setzt die Klinik vor allem auf Intervention. Manchmal ist es nach Ansicht der Experten schlichtweg notwendig, ein Kind vom Computer fernzuhalten und zumindest für eine Zeit die Spiele wegzusperren, bis eine geregelte Nutzung wieder möglich ist.

Bei Smith & Jones wird ausserdem die Meinung vertreten, dass der Griff zu gewalttätigen Games meist auf eine Vorprägung zurückzuführen ist und die Kinder nach einem Weg suchen, bereits bestehende Aggressionen auszuleben.

(fest/pte)

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