Riesenslalom der Herren in Alta Badia
Zwei Hundertstel trennten von Grünigen vom Sieg
publiziert: Sonntag, 16. Dez 2001 / 13:53 Uhr / aktualisiert: Montag, 17. Dez 2001 / 12:44 Uhr

Alta Badia - Superleistung von Michael von Grünigen im Riesenslalom der Herren in Alta Badia: Trotz Schmerzen in der Schulter fuhr der Schweizer aufs Podest. Schneller als er war einzig Fréderic Covili. Der Franzose schlug Von Grünigen um lumpige zwei Hunderstelsekunden. Hervorragendes Ergebnis auch für Didier Cuche: Er erreichte den sechsten Rang.

Michael von Grünigen bei seinem zweiten Lauf in Alta Badia.
Michael von Grünigen bei seinem zweiten Lauf in Alta Badia.
Auch eine Schulterblattfraktur kann Michael von Grünigen nicht hindern, aufs Podest zu fahren -- und beinahe zu siegen. Im Riesenslalom von Alta Badia musste er dem Franzosen Frédéric Covili nur um zwei Hundertstel den Vortritt lassen.

Auch Didier Cuche bot eine grossartige Leistung. Dank zweitbester Laufzeit kämpfte er sich vom 14. auf den 6. Platz vor und war damit mit Abstand der beste von jenen, die das Gewaltspensum von zwei Abfahrten und einem Riesenslalom in drei Tagen auf sich genommen hatten. Er kehrt damit wieder in die erste Startgruppe zurück. Ansonsten klassierten sich nur reine «Riesen»- Spezialisten in den Spitzenrängen. Frédéric Covili erzielte nach Sölden seinen zweiten Weltcupsieg.

Von den übrigen Schweizern konnte sich keiner in Szene setzen. Senior Paul Accola (47.) verfehlte die Qualifikation der besten 30 ebenso klar wie der Nachwuchsmann Beni Hofer (41.), Steve Locher, Alta-Badia-Sieger 1993, und der andere Youngster, Tobias Grünenfelder, schieden aus.

Von Grünigen mit Schmerzen

Während der Woche litt von Grünigen noch an Schmerzen, dennoch nahm er vor dem Rennen keine andere Medikamente zu sich als schon in den Tagen zuvor. «Auf der Piste hinderte mich die Verletzung nicht», sagte MvG, «höchstens am Start beim Abstossen». Dort machte er einen Schlittschuhschritt mehr als alle andern, und, so von Grünigen, «wenn dann am Schluss zwei Hundertstel fehlen, dann 'fuchst' einem das schon».

Er hätte auch schon einmal mit zwei Hundertsteln Vorsprung gewonnen, «doch noch nie mit zwei Hundertsteln verloren. Aber Covili fährt im Moment schon sehr stark. Die Jungen machen stark Druck». Von Grünigen, Alta-Badia-Sieger 1996 und 1998 und jetzt auf der «Grand Risa» schon zum fünten Mal auf dem Podest, steht praktisch einer komplett neuen Fahrer-Generation gegenüber. Von jenen, die sich bei seinem letzten Sieg vor drei Jahren unter den ersten zehn klassierten, schaffte es diesmal lediglich noch Christian Mayer (7.).

Wie 1996 kein Österreicher auf dem Podest

Trotz einem Exploit von Christoph Gruber, der im zweiten Lauf vom 30. auf den 4. Platz vorstiess und beinahe Skigeschichte schrieb, waren die Österreicher die grossen Verlierer im ersten Riesenslalom-Klassiker dieser Saison. Erstmals seit 41 Weltcuprennen steht kein ÖSV-Fahrer auf dem Podest. Letztmals war dies 1996, ebenfalls in Alta Badia, der Fall (und eigenartigerweise auch in den beiden WM-Riesenslaloms 1999 und 2001).

Dafür fuhr mit Sami Uotila (3., 0,09 zurück) erstmals ein Finne auf ein Weltcup-Podest und gaben junge, zum Teil unbekannte Fahrer ihre Visitenkarte ab. Ivica Kostelic (Kro), Uros Pavlovic (Sln), Thomas Vonn (USA) und Alberto Schieppati (It) klassierten sich mit 40er- und 50er-Nummern unter den ersten 15.

Wer ist Covili? -- Einer wie Heini Hemmi

Den Sieger Frédéric Covili, der von einem Sturz von Bode Miller (Schnellster nach dem 1. Lauf) profitierte, kennt man inzwischen. Und auch Hermann Maier wird der neue Disziplinen-Leader nach dessem zweiten Saisonsieg nicht mehr fremd sein. In St. Anton vor einem Jahr hatte der Superstar nach demonstrativ ausgerufen «Wer ist Covili?», als ihm dieser bei der WM um eine Hundertstelsekunde die Bronzemedaille entriss.

Doch wer ist nun dieser 25-jährige Franzose aus Moutiers, dem grössten Städtchen auf dem Weg von Albertville nach Val d'Isère, wirklich? Covili, der italienischeer Abstammung ist, war 1994 Junioren-Weltmeister im Slalom und der Kombination sowie Dritter im Super-G, im Weltcup aber bis zum letzten Winter ein Dutzendfahrer und oft verletzt. Mit einem 4. und 5. Platz startete er damals in die Saison und krönte diese mit der WM-Medaille. Wie einst Heini Hemmi ist er von kleiner Statur, nur knapp 1,70 m gross, und schleicht ähnlich dahin wie ehedem der Schweizer Olympiasieger von 1976.

Weltcup-Riesenslalom der Männer in Alta Badia


Gesamtklassement:

1. Frédéric Covili Fr Salomon 2:40,58
2. Michael von Grünigen Sz Fischer 2:40,60 0,02
3. Sami Uotila Fi Salomon 2:40,67 0,09
4. Christoph Gruber Ö Atomic 2:40,79 0,21
Benjamin Raich Ö Atomic 2:40,79 0,21
6. Didier Cuche Sz Salomon 2:40,82 0,24
7. Christian Mayer Ö Atomic 2:40,88 0,30
8. Massimiliano Blardone It Salomon 2:40,98 0,40
9. Stephan Eberharter Ö Atomic 2:41,30 0,72
10. Bjarne Solbakken No Atomic 2:41,37 0,79

11. Fredrik Nyberg (Sd), Salomon, 0,90 zurück.
12. Ivica Kostelic (Kro), Salomon, 0,96.
13. Uros Pavlovcic (Sln), Elan, 0,98.
14. Thomas Vonn (USA), Salomon, 0,99.
15. Alberto Schieppati (It), Rossignol, 1,03.
16. Vincent Millet (Fr), Dynastar, 1,16.
17. Hans Knauss (Ö), Atomic, 1,30.
18. Jernej Koblar (Sln), Elan, 1,33.
19. Davide Simoncelli (It), Salomon, 1,40.
20. Josef Strobl (Ö), Atomic, 1,42.
21. Joel Chenal (Fr), Dynastar, 1,44.
22. Kjetil André Aamodt (No), Nordica, 1,45.
23. Lasse Kjus (No), Atomic, 1,48.
24. Alessandro Roberto (It), Völkl, 1,59.
25. Jean-Pierre Vidal (Fr), Dynastar, 2,01.
26. Jeff Piccard (Fr), Atomic, 2,38.
27. Kenneth Sivertsen (No), Atomic, 2,50.
28. Patrick Cogoli (It), Salomon, 2,52.
29. Florian Seer (Ö), Völkl, 2,61.

(sk/sda)

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