Stefan Baumgartner, Bardonecchia
Zwei Schweizer in fremden Snowboard-Diensten
publiziert: Samstag, 11. Feb 2006 / 08:07 Uhr / aktualisiert: Samstag, 11. Feb 2006 / 09:28 Uhr

Juri Podlatschikow in einer Halfpipe-Rangliste als Russen eingetragen zu sehen, ist an sich nichts Spezielles. Den Namen Emanuel Oppliger assoziiert man dagegen nicht zwingend mit Australien.

Snowboard Strecke und Halfpipe in Bardonecchia.
Snowboard Strecke und Halfpipe in Bardonecchia.
Mit seinem farbig-ausgefallenen Outfit sticht Juri Podlatschikow aus der Masse der trainierenden Halfpipe-Fahrer heraus. Der Davoser Sportgymnasiast trägt keine Olympia-Kleidung, «weil die mir einfach noch nicht geschickt wurde».

Das Ausstehen der Lieferung aus Russland, für dessen Verband der Doppelbürger startet, ist nicht das einzige Problem, mit dem sich der überaus selbständige und von seiner Schule mit einem Preis dafür belohnte Athlet herumschlägt.

Aus der Heimat seines Vaters erhält Podlatschikow erst seit seiner Berücksichtigung für die Olympischen Spiele, «für die der Verband eine aufsteigende Formkurve sehen wollte», finanzielle Unterstützung. Vorher lag das Buchen von Reisen, Hotels oder Flügen in seinen Händen -- in den Händen eines am 13. September 2006 erst volljährig werdenden jungen Mannes.

Russe mit Schweizer-Dialekt

«Da fällt es schon schwer, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, wenn verwirrende Verhältnisse im Verband herrschen und die Organisation lasch ist.» Geregelte Trainings gehören ebenso nicht zu seinem Alltag. Dafür lernt Podlatschikow viel von den Sessions mit seinen Schulkollegen Gian-Luca Cavigelli und Thomas Frank oder auch Big-Air-Junioren-Weltmeister Mario Käppeli.

Podlatschikow, der via Schweden und Holland vor neun Jahren in die Schweiz gekommen ist und perfekt Dialekt spricht, steht am Anfang einer viel versprechenden Karriere. Am European Open in Laax Mitte Januar durfte er als Sieger der Junioren-Konkurrenz bei der Elite mitfahren und wurde inmitten eines Weltklasse-Feldes auf Anhieb Zehnter. Für seine Olympia-Qualifiaktion wurde sein Coup im Bündnerland nicht gewertet. Es zählten die Resultate auf der FIS-Tour, auf der er im Oktober 2004 als 16-Jähriger debütiert hatte.

Die Ränge 19, 19 und 13 in diesem Winter trugen Podlatschikow schliesslich das Aufgebot für Torino 2006 ein. Seinem Naturell entsprechend fasst er die Ziele für die persönliche Olympia-Premiere. «Chancen auf einen Medaillengewinn sehe ich nicht. Einfach fahren und mein Bestes geben.» Ob er dies vielleicht schon bald im Schweizer Team machen wird, ist ungewiss. «Ich will in Vancouver 2010 auf jeden Fall starten. Wenn aber ein allfälliger, derzeit nicht konkreter Nationenwechsel Folgen wie etwa eine Sperre hätte, würde das nicht in Frage kommen», stellt er klar.

Ein Weltenbummler

Für Emanuel Oppliger steht ein Nationenwechsel nicht mehr zur Debatte. Der 30-jährige Alpinspezialist steht «im Herbst seiner Karriere» und schliesst nicht aus, nach den Olympischen Spielen, dem Höhepunkt seiner in der Schweiz kaum zur Kenntnis genommenen Laufbahn, den Snowboard-Zirkus zu verlassen.

Die interessante Lebensgeschichte Oppligers liess es überhaupt zu, dass er als Doppelbürger für Australien startberechtigt ist und Weltcup-Erfahrung sammeln konnte. Der Sohn eines Missionar-Ehepaars wurde 1975 in Coffs Harbour geboren, verbrachte über 15 Jahre auf der Südsee-Insel Papua-Neuguinea und kam als 16-Jähriger in den Kanton Bern. Heute wohnt er zusammen mit seiner Frau in Frutigen.

Oppligers Olympia-Qualifikation Mitte Dezember fiel mit einem der erfolgreichsten Wochenenden für Australiens Wintersport zusammen. Praktisch zeitgleich wie Oppligers Karriere-Bestresultat (Rang 6 in Whistler Mountain/Ka) erreichte AJ Beat in Val Gardena als 17. das beste Skiergebnis für «Down Under» seit 17 Jahren, und Buckelpisten-Athlet Dale Begg-Smith gewann als erster «Aussie» überhaupt ein Weltcup-Rennen in jener Disziplin. Auch in Turin dürften gewisse australische Sportler für Furore sorgen, wohl vor allem im Freestyle-Skiing.

Letzter grosser Auftritt?

Emanuel Oppliger, der stets gut gelaunte Weltenbummler, hat sich für seinen vielleicht letzten grossen Auftritt ein klares Ziel gesetzt. Er will in die Top 16, was nach den Rängen 6 und 13 im Weltcup auch realistisch erscheint.

«Wenn ich die erste K.o.-Runde überstehen würde, wäre ich sehr zufrieden. Eine Medaille zu gewinnen wäre natürlich hervorragend», erzählt er mit dem typischen Schmunzeln. Dies würde Oppliger vielleicht endlich einmal finanzielle Vorteile verschaffen. Denn bevor seine Olympia-Teilnahme feststand, war der Berner Oberländer auf den Goodwill seiner Frau angewiesen. Unterstützung vom australischen Verband, floss, wenn überhaupt, nur sehr spärlich.

(sl/Si)

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