Zwei Tennis-Fachleute unterschiedlicher Art
publiziert: Freitag, 24. Mrz 2006 / 11:46 Uhr / aktualisiert: Samstag, 30. Sep 2006 / 15:06 Uhr

Die DV von Swiss Tennis bietet für einmal viel Zündstoff. Am Samstag wird in Bern der Nachfolger von Präsidentin Christine Ungricht gewählt, die nach 17 Jahren zurücktritt.

Rene Stammbach und Heinz Günthardt stehen morgen zur Wahl.
Rene Stammbach und Heinz Günthardt stehen morgen zur Wahl.
Zur Auswahl stehen die Tennis-Fachleute Heinz Günthardt und René Stammbach.

Die Ausgangslage präsentiert sich so: Günthardt wurde im letzten Frühsommer vom Zentralvorstand vorgeschlagen und damit auch von weiten Teilen der Verbandsspitze portiert. Im November gab dann auch Stammbach seine Kandidatur bekannt.

Der weitere Interessent, der Zürcher Erik Keller, hat seine Bewerbung mittlerweile zurückgezogen. Es ist kaum damit zu rechnen, dass es zu einer eindeutigen Entscheidung kommen wird, zumal beide Kandidaten ihre Vorzüge haben. Günthardt verfügt im sportlichen Bereich über mehr Erfahrung, Stammbach auf wirtschaftlicher Ebene. Im ersten Wahlgang gilt das absolute Mehr, im zweiten das einfache.

Günthardt: Privatinitiative fördern

Der Schweizer Profi-Pionier Günthardt (47) hat nur wenig Funktionärserfahrung, kennt aber das Tennis aus dem Effeff. Der Junioren-Wimbledonsieger, der auf der Tour 5 Einzel- und 30 Doppel-Titel gewann und anschliessend während acht Jahren die deutsche Ausnahmespielerin Steffi Graf (sowie später auch Jennifer Capriati) betreute, möchte ein Umdenken erreichen: «Das wichtigste für mich ist die Privatinitiative. Der Sport soll optimal gefördert werden.

Der Verband soll dabei ein Motor für Integration und Knowhowtransfer sein und Koordinationsaufgaben übernehmen, ohne aber diese Privatinitiativen abzuwürgen. Der Verband soll eine Servicestelle für Sportler sein.»

Der dreifache Familienvater, der in Monaco wohnt, ist regelmässig als fachkundiger Kommentator für das Schweizer Fernsehen im Einsatz. Er stellte sich zur Verfügung, weil er der Ansicht ist, dass sich ehemalige Spitzenspieler vermehrt engagieren sollen und zwar auch in der Sportpolitik. Anfänglich war von Zentralvorstandsmitgliedern kommuniziert worden, er wolle etwa 25 Tage pro Jahr für dieses Amt aufwenden, was eine unglückliche Formulierung war. Günthardt: «Ich bin pro Jahr etwa 200 Tage für das Tennis unterwegs und da sind auch viele Synergien möglich.»

Günthardt, der unter anderem den Support von Roger Federer geniesst, ist die Teamarbeit ein grosses Anliegen: «Für mich ist der Präsident der Coach eines Teams von Spezialisten. Seine Aufgabe ist es, dass alle auf das gleiche Ziel hinarbeiten und die bestmöglichen Bedingungen vorfinden.» Er möchte auch keineswegs diktatorisch auftreten: «Zuerst würde ich sowieso vorgehen, wie ich es immer gemacht habe: Bevor ich etwas bewege, schaue ich es mir genauestens an. Man muss aber vor allem die Leute am richtigen Ort einsetzen, alles andere ist ineffizient.»

Stammbach: Stärkung der Finanzen

Stammbach hat schon eine lange Funktionärskarriere hinter sich, unter anderem als Turnierdirektor der European Indoors (heute Zurich Open) und als Präsident des Daviscup- und Fedcup-Komitees. Der Aargauer möchte unter anderem die Finanzen auf Vordermann bringen, das heisst, die zu tiefe Eigenkapitaldecke und die Liquidität verbessern. Hierfür schweben ihm zwei Ebenen vor: «Die Kostenstruktur soll überprüft werden, zudem sollen neue Einnahmequellen von aussen generiert werden.»

Ferner will der einstige Inhaber einer Tennis-Akademie in Leuggern (mit Aushängeschild Conchita Martinez) die neuen Strukturen beleben («wir wollen den Bezug zur Basis vertiefen»), wobei überregionale Arbeitsgruppen eingesetzt werden sollen. Zudem plant er Veränderungen im Nachwuchsbereich: «Wir fördern heute mit dem Giesskannenprinzip. Wichtig ist für mich, dass wir die Mittel konzentrieren, aber auch delegieren und privatisieren. Entscheidend ist, dass wir gute Nachwuchsspieler ausbilden, nicht, wo.»

Der 50-Jährige ist selbständiger Unternehmer. Er entschloss sich erst zur Kandidatur, nachdem er seinen Mandatsvertrag bei Octagon gekündigt hatte. Dieser läuft Mitte 2006 aus. Stammbach rechnet mit einem grossen zeitlichen Aufwand: «Im ersten Jahr ist dieses Amt kaum unter 40 bis 50 Prozent zu bewältigen.»

Ungricht: viele Erfolge in 17 Jahren

Christine Ungricht darf für sich in Anspruch nehmen, den Verband in ruhige Gewässer geführt und mehrere Meilensteine realisiert zu haben. Als sie 1989 ihr Amt antrat, bestand noch grosser Reformbedarf. Viele «Baustellen» konnten indes geschlossen werden. Zu ihren grössten Leistungen zählen das Umsetzen eines neuen Nachwuchskonzeptes, die Straffung der Führung (inklusive Verkleinerung des Zentralvorstandes 1993), das Schaffen eines neuen, eigenen nationalen Leistungszentrums und Verbandssitzes in Biel, die Stabilisierung der Finanzen, die Kreation einer bahnbrechenden Internetplattform sowie das Durchbringen einer weiteren Strukturreform (mit Abschaffen der Regionen und Reduktion der Delegierten).

Sportlich fallen in Ungrichts Amtszeit unter anderem das Erreichen der Endspiele im Davis- und Fedcup, das Olympiagold von Marc Rosset und die mehrjährigen Regentschaften von Martina Hingis und Roger Federer an der Weltranglistenspitze. Es gab aber auch immer wieder Kritik, dass man von Verbandsseite noch mehr hätte machen können, um die Erfolge auch «auszuschlachten».

Die Kandidaten im Kurzporträt:

Heinz Günthardt:

Geboren: 8. Februar 1959 Beruf: Fernseh-Kommentator

Sportliche Karriere (Auszug): Junioren- und Doppelsieger Wimbledon mehrfacher Schweizer Meister 5 Einzel- und 30 Doppeltitel auf der Tour 3 WM-Titel im Doppel Beste Rankings. Einzel: ATP 22. Doppel: ATP 3

Berufliche Tätigkeiten (Auszug): 1991 - 1999: Coach von Steffi Graf 2001 - 2003: Direktor im Private Banking Seit 1985: TV-Kommentator für Eurosport/SF 1992 - 2003: Kolumnist Tages-Anzeiger

Funktionär: 1984 - 85: Mitglied im Weltranglistenkomitee der ATP 1 Jahr: Turnierdirektor in Linz (Ö)

René Stammbach

Geboren: 27. November 1955 Beruf: Selbständiger Unternehmer

Berufliche Tätigkeiten (Auszug): 1982/83: Turnierdirektor Fedcup 1984 - 90: Turnierdirektor der European Indoors sowie der Internationalen Turniere von Lugano, Genf, Nizza und Estoril 1988 - 94: Vorsitzender der Geschäftsleitung der Stammbach Unternehmungen mit 150 Beschäftigten, Inhaber der International Tennis Academy Leuggern unter Leitung von Eric van Harpen (Aushängeschild Conchita Martinez) 1997 - 2002: Delegierter Sponsoring EXPO 2002, ab 2000 Mitglied der Generaldirektion 2000 - 2005: Vizepräsident des Verwaltungsrates von Octagon Schweiz und Worldwide

Funktionär (Auszug): 1978 - 84: Präsident TC Zurzach 1985 - 87: Vorstandsmitglied Europ. Verband (ETA) Mitglied WIPTC (Women´s International Professional Tennis Council) 1992 - 2000: Mitglied des Zentralkomitees, ab 1995 Vizepräsident Swiss Tennis 1994 - 2000: Präsident Daviscup und Fedcup-Komitee.

(Marco Keller, Glattbrugg/Si)

 
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