Zwischen den Jahren
publiziert: Donnerstag, 25. Dez 2014 / 09:51 Uhr

Weihnachten ist ein alljährliches Fest gegen Kälte und Dunkelheit, wir vergewissern uns der Gemeinschaft. Spannender ist aber die Zeit zwischen den Jahren, die Woche danach: Zwischen den Jahren ist Freiheit - Freiheit zur Utopie.

Zwischen den Jahren: Zeit zum Spazieren, zum Nachdenken.
Zwischen den Jahren: Zeit zum Spazieren, zum Nachdenken.
Bei den alten Ägyptern dienten die letzten Tage des Jahres als Ausgleich in einem zu dogmatisch nach dem Mond ausgerichteten Jahreskalender, später wurden sie zur Zeit des Ausgleichs zwischen verschiedenen Kulturen und ihren verschiedenen Mythen und Kalendern, eine Art zeitlose Zeit, in der unterschiedliche Traditionen wieder in einen gemeinsamen Jahresrhythmus finden konnten. Der Kalender ist mittlerweile internationalisiert, doch noch immer fallen dies Tage zwischen den Festtagen irgendwie aus der Zeit.

Zwischen den Jahren bedeutet für die meisten Menschen: freie Zeit. Zeit, ein Buch in die Hand zu nehmen, nachzudenken, mit Freunden zu reden, sinnieren, spazieren, Zeit für vieles, was im Strudel des Jahres wieder zu kurz gekommen ist. Und wie sonst kaum jemals haben wir das Bedürfnis, Pendenzen noch zu erledigen, damit wir das neue Jahr mit weniger Ballast beginnen können.

Zwischen den Jahren ist eine Zeit des Rückblicks. In den Zeitungen und im Fernsehen werden uns die Höhe- und Tiefpunkte des zu Ende gehenden Jahres präsentiert, und mangels tagespolitischer Aktualitäten wendet sich die mediale Öffentlichkeit den Menschheitsfragen, -ängsten und -träumen zu.

Zwischen den Jahren ist eine Zeit der öffentlichen und privaten Rituale, der gegenseitigen Versicherung des guten Willens, der Chancen, sich jenseits der üblichen polit-ökonomischen oder sozialen Agenda zu begegnen. Eine Zeit der gegenseitigen Glückwünsche und der öffentlich zelebrierten Hoffnung auf «Frieden auf Erden» - eine Zeit der Utopie.

Ohne zynisch zu werden, kann man dieses Treiben mit heiterer Skepsis beobachten und hin und wieder auch tatsächlich berührt werden. Als aufgeklärte Menschen wissen wir jedoch, dass «Frieden auf Erden» keine göttliche Verheissung, sondern eine menschliche Utopie ist, eine Hoffnung, die uns antreibt, etwas zu tun, etwas zum gemeinsamen Wohl beizutragen, und dies als sinnstiftend zu erleben.

Nutzen wir diese Freiheit zum Nachdenken darüber, was nicht in Ordnung ist, und darüber, wie es sein könnte, darüber, welche Mythen und Dogmen und Traditionen dem im Wege stehen, und darüber wo wir - privat und politisch - Schritte zur Veränderung der Verhältnisse machen können. Eine Zeit mit viel Potenzial, diese Zeit zwischen den Jahren!

(Reta Caspar/news.ch)

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