Zwischen die Räder geraten
publiziert: Freitag, 13. Jul 2007 / 11:06 Uhr / aktualisiert: Freitag, 13. Jul 2007 / 11:48 Uhr

2 Meldungen im Zusammenhang
Weiterführende Links zur Meldung:

PDF-Dokument von Landis' Verteidigung
Es werden Dokumente präsentiert, anhand derer die Ungültigkeit des Dopingtests bewiesen werden sollen
www.floydfairnessfund.org/resources/German.pdf

Wikipedia-Eintrag zu Floyd Landis
Dieser Wikipedia-Eintrag befasst sich vor allem mit dem Doping-Prozess
de.wikipedia.org/wiki/Floyd_Landis

Wenn morgen die Tour de France in die Berge geht, werden viele potentielle Zuschauer gar nicht erst hinblicken, während andere nur mit grosser Skepsis zuschauen. Auch an sarkastischen Kommentaren über die mutmasslichen Betrüger auf dem Sattel wird es nicht fehlen, über diese rollenden Apotheken am Berg, die vor keiner medizinischen Schandtat zurück schrecken, was auch durch immer neue Doping-Geständnisse von Leuten, die nichts mehr zu verlieren haben, bestätigt zu werden scheint.

Unterdessen steht immer noch nicht fest, wer eigentlich die letzte Tour gewonnen hat. Denn es ist keineswegs sicher, ob der letztjährige Sieger Floyd Landis wirklich des Dopings schuldig war und überführt wird. Viel mehr wartet man immer noch auf das Urteil der amerikanischen Anti-Doping-Behörde USADA. Eigentlich wäre das endgültige Verdikt schon im April oder Mai erwartet worden, aber der Fall präsentierte sich keineswegs so klar, wie dies die Welt-Doping-Agentur WADA, die Tour Organisatoren und die Vorverurteiler von verschiedenen Publikationen - allen voran L'Equipe, dem Hausblatt der Tour - es der Öffentlichkeit wahr machen wollten. Schliesslich hiess es, dass das Urteil dieses Prozesses, der zu einer Schlammschlacht ausgeartet ist, am 6. oder 7. Juli verkündet würde. Doch wieder nichts.

Es könnte sich beim Fall Landis nämlich um einen Skandal ganz anderer Art handeln, als man eigentlich erwartet hätte. Dies zeichnete sich nämlich schon kurz nach dem ersten durchsickern von Informationen über Landis' Doping-Missbrauch ab.

Bevor die offiziellen Resultate bekannt wurden, wusste L'Equipe schon Bescheid. Scheinbar hat die Zeitung Kontakte in «Labaratoire National Depistage de Dopage» LNDD. Das Kuriose daran: Die Proben sollten anonymisiert sein und die Resultate erst durch die offiziellen Verbände den Athleten zugeordnet werden. Schon dies deutet auf merkwürdige Praktiken im Zusammenhang mit diesen Dopingtests hin.

Als dann die Art des angeblichen Dopings veröffentlicht wurde, gab es zwei Reaktionen: Empörung in der breiten Öffentlichkeit und Verblüffung in der Fachwelt. Testosteron-Doping auf solch dilettantische Art und Weise würde nicht einmal von Amateuren gemacht. Kommt dazu, dass die Wirksamkeit von Testosteron in diesem Fall durchaus angezweifelt werden konnte. Es hätte den Athleten einfach sehr aggressiv gemacht – nicht ideal für eine durchdachte Flucht, bei der es wichtig war, kühlen Kopf zu bewahren und den 'Motor' nicht zu überdrehen.

Landis bestand darauf, kein Testosteron-Doping betrieben zu haben, doch er war nicht fähig, anfangs den positiven Test zu erklären. Als dann aber die Dokumente des französischen Dopinglabors vor lagen, zeigte sich vor allem eines: Eigentlich gehörte nicht Landis auf die Anklagebank sondern das Dopinglabor. Vertauschte Probenummern, korrigierte Analyseresultate, offenbar ignorierte Kontrollwerte, anhand derer die Probe hätte ungültig erklärt werden müssen. Das beste ist allerdings, dass Landis selbst nach all diesen Unregelmässigkeiten nach den Laborwerten einen NEGATIVEN Dopingtest gehabt hätte.

Fragt sich, was der ganze Wirbel, der zur Auflösung einer Mannschaft und zum Verlust des Arbeitsplatzes diverser Athleten geführt hat, sollte.

Irgendwie hat es den Anschein, als ob Landis die Trophäe der Radsportverbände und Dopingagenturen sein soll; der Beweis, dass es nicht die Justiz braucht, um den Dopingsumpf trocken zu legen. Denn erinnern wir uns: Alle wirklich grossen Dopingfälle wurden nicht von der WADA oder den Radsportverbänden aufgedeckt, sondern von Justizbehörden. Dies fing mit dem Festina-Skandal an und ging weiter bis zum Fuentes-Skandal, bei dem Ivan Basso und Jan Ullrich ebenso wie der grosse Geständige Jörg Jaksche als Sportbetrüger entlarvt wurden.

Unter Berücksichtigung dieser Resultate stellt sich wirklich die Frage, wofür es die Verbände bei der Dopingbekämpfung noch braucht. Vor allem auch im Angesicht der Tatsache, dass die Verbands-Rechtsprechung zum Teil sehr kryptisch ist und – in Betracht der Professionalisierung des Sportes - zunehmend antik und absurd wirkt.

Einen Tour de France-Sieger zu demontieren schien da, ganz egal wie lausig der Fall gegen ihn auch sein mochte, perfekt zu sein. Mit Landis Kopf auf dem Tablett würde niemand mehr die Berechtigung der unkontrollierbaren Funktionärsbande, welche die Radsportverbände konstituiert, anzweifeln. Ironisch, dass eigentlich genau das Gegenteil passieren müsste.

Es ist bedauerlich, dass hier vielleicht ausgerechnet ein Athlet zwischen die Räder dieses Machtkampfes geraten ist, der sich womöglich gar nichts hat zu Schulden kommen lassen.

(von Patrik Etschmayer/news.ch)

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