Zwölf Jahre Zuchthaus für Pfleger
publiziert: Donnerstag, 4. Mai 2006 / 00:21 Uhr

Aarau - Das Bezirksgericht Aarau hat einen ehemaligen Pfleger der Klinik Barmelweid zu 12 Jahren Zuchthaus verurteilt.

Den Opfern sprach das Gericht eine Genugtuung von insgesamt 70 000 Franken zu.
Den Opfern sprach das Gericht eine Genugtuung von insgesamt 70 000 Franken zu.
Er hatte 2003 aus Wut über seine fristlose Entlassung in Biberstein mehrere Schüsse auf ein Arzt-Ehepaar abgefeuert.

Das Gericht sprach den Angeklagten der versuchten mehrfachen vorsätzlichen Tötung schuldig. Der Staatsanwalt hatte einen Schuldspruch wegen mehrfachem versuchtem Mord beantragt und 15 Jahre Zuchthaus verlangt.

Der heute 57-jährige Pfleger aus Frankreich hatte von 1995 an als Nachwache in der Klinik Barmelweid gearbeitet. Als er eine neue Chefin erhielt, kam es immer häufiger zu Spannungen und Streiterein, die schliesslich im Juli 2001 die fristlose Entlassung des Pflegers zur Folge hatten.

An den Verantwortlichen rächen

Diese Kündigung wollte der Pfleger nicht auf sich sitzen lassen und schmiedete Pläne, um sich an den Verantwortlichen zu rächen. Er beschaffte sich die private Adresse der Pflegedienstleiterin der Klinik Barmelweid, die an seiner Kündigung aktiv mitgewirkt hatte, und kundschafte ab November 2002 deren Wohnort aus.

Am 7. Februar 2003 schritt der Pfleger dann zur Tat. Am frühen Morgen fuhr er von seinem Wohnort in Delsberg ins aargauische Biberstein - im Auto 8 schussbereite Pistolen, 31 Magazaine, 2 Schalldämpfer, 4 Handgranaten sowie weitere Waffen, die er im Verlaufe der Jahre gesammelt hatte.

Ausgewiesene Persönlichkeitstörung

Im Haus der Pflegdienstleiterin eröffnete mit einer Maschinenpistole das Feuer. Die Pflegedienstleiterin wurde von zwei Schüssen an Hüfte und Arm getroffen, deren Ehemann durch sieben Kugeln in Arme und Unterleib schwer verletzt. Tagelang rang der Chirurg um sein Leben.

Auf Anordnung des Gerichtes muss sich der Verurteilte einer vollzugsbegleitenden Massnahme unterziehen, um die ausgewiesene Persönlichkeitstörung behandeln zu lassen. Den Opfern sprach das Gericht eine Genugtuung von insgesamt 70 000 Franken zu.

(smw/sda)

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