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Thema: Abfallhalden-Gesellschaft

Ausgepresst wie Legehennen
In der Tat; das ist die Taktik der heutigen Wirtschaft. Ob das nur ein Ergebnis dekadenter Wirtschaftsführer ist, denen die Kollateralschäden ihrer Strategien einfach Wurscht ist oder ob dies beabsichtigt war, sei mal offen gelassen.

Früher hiess es mal: Der Mensch solle, um gesund zu bleiben, 8 Stunden täglich arbeiten, 8 Stunden täglich Freizeit verbringen und die restlichen 8 Stunden ruhen.
Dieses Prinzip ist längst über Bord geworfen und ad absurdum geführt worden - durch die new economy zum einen, durch gesellschaftliche Umwälzungen zum anderen. Wer heute so etwas für sich einfordert, wird sofort als "nicht sehr leistungsbereit" eingestuft und damit als unbrauchbar. Dabei wären gerade DIEjenigen Arbeitnehmer, die bei der Arbeit und während der Freizeit darauf achten, an ihren körperlichen und seelischen Ressourcen keinen Raubbau zu betreiben, längerfristig die besten und zuverlässigsten.
Das ist natürlich völlig unverständlich für viele Arbeitgeber - nicht verwunderlich, wenn man sich diese Hagware, die sich heute Unternehmer nennen dürfen, unter die Lupe nimmt. Nicht wenige haben eine Ahnung vom Leben, die sie nur am Stammtisch gezimmert haben, wo das Superblatt der Saublöden (mit den 5 grossen Buchstaben) schreibt, was genehm ist und was nicht geht. Andere wiederum, die in Polstersessel furzen dürfen, haben in ihrem ganzen Leben noch keine einzige Stunde gearbeitet - nach dem Studium direkt ab ins Kaderbüro. Woher will so jemand wissen, wie es einer "Reinigungsfachkraft" geht, die lust- und perspektivlos 9 Stunden am Tag scheuern muss und dabei von einem Sklaventreiber überwacht wird, der jeden Missgriff registriert und nach jedem 3. eine Kündigung ausspricht?

Doch die Ursache der ausgepressten Legehennen nur darin zu suchen, wäre vermessen. Vieles dessen, was Raubbau an menschlichen Ressourcen treibt, ist dem Wertewandel in der Gesellschaft und dem technischen Fortschritt zuzuschreiben.
Versuchen Sie heutzutage einmal, irgendjemanden auf dieses Thema anzusprechen. Den Begriff des "Burnouts" (eine äusserst schlecht getroffene Wortwahl) kennt zwar jeder, genauso wie den Begriff des "Stress". Aber keiner weiss, was es bedeutet. Stress wird beispielsweise oft mit Hektik oder hohem Arbeitspensum verwechselt, ist aber nichts anderes als ein sich im Ausnahmezustand befindlicher Organismus. Stress, der gesund ist, wäre ein solcher, der beispielsweise vor einem 100m-Lauf entsteht. Das dabei in den Körper schiessende Adrenalin versetzt den ganzen Organismus in einen Stresszustand, um die bevorstehende Höchstleistung erbringen zu können. Nach dem Lauf bauen sich die Hormone wieder ab und der Körper hat im Normalfall eine daraus resultierende positive Bilanz.
Ganz anders sieht die Sache aus, wenn sich Stress als Dauerzustand im Körper einnistet. Wer beispielsweise dauernd mit dem Gefühl leben muss, vielleicht morgen die Existenz zu verlieren, lebt äusserst ungesund. Schlaflose Nächte führen zu schlechter Erholung, zusätzlich führt die Existenzangst, die nicht wenige Teile der geistigen Ressourcen lahm legen können, zu einem weiteren Leistungsverlust. Der Mensch betreibt Raubbau an seinem eigenen Körper! Und diese Form von "Druck" auf die Arbeitnehmer, wie einige das nennen, wird ganz gezielt ausgeübt. Weil die Dummköpfe auf dieser Welt, die in diesem Bereich Einfluss haben, eben glauben, das führe zu höherer Produktivität; es hole quasi den zur Faulheit neigenden homo insapiens aus seiner Lethargie. Dummköpfe eben, denn sie erreichen mit diesen Methoden genau das Gegenteil. Den angerichteten Schaden dürfen sie dann aber auf Kosten der Allgemeinheit entsorgen - als "Simulant", der nicht arbeiten will oder dann wohlwollender als "nicht belastbar"...(A-Löcher sind oftmals sehr kreativ, wenn es darum geht, ihre Schandtaten zu verschleiern)

Hinzu kommen verschiedene weitere Faktoren, wie die ständige Erreichbarkeit, die sich in einigen Berufen auch zu einer ständigen "Verfügbarkeit" ausgeweitet hat. Heute kann sich kaum einer mehr vorstellen, dass man zu früheren Zeiten nach 17.00 Uhr niemanden mehr im Büro telefonisch erreichen konnte und da so Unsinn wie Handys nicht existierten, musste sich manches kleine Problemchen bis am nächsten Morgen gedulden. Das ist das vernünftigste auf der Welt, dass jeder ein Anrecht auf Feierabend hat und sich nicht mehr mit Schischi herumschlagen muss, weil ein Kunde oder ein Geldgeber gerade den Blues hat..
Heute ein Ding der Unmöglichkeit - heute muss alles "just in time" geschehen; so ein Dummkopfsprüchlein aus der Pseudointellektuellen Wirtschaftsführung.
Das beste daran ist, wir haben früher auch ohne "just in time" überlebt - seltsam eigentlich.

Dieses "just in time" hat sich dann leider auch noch ins gesamte Privatleben eingeschlichen. Wer irgendwas zu sagen hat - oder es auch nur glaubt, er hätte das - greift sofort zum Knochen und ruft die Zielnummer an (die man selbstverständlich nicht mal mehr auswendig kennt wie in früheren Zeiten). Nicht selten nur, um telefonisch mitzuteilen, dass man dann später oder morgen nochmals anrufen werde..
Ich nehme mir die Freiheit heraus, mein Telefon nicht abzuheben, wenn ich gerade keine Lust dazu habe. Darauf folgt meistens ein SMS, in dem besorgte "Freunde" sich erkundigen, ob "alles in Ordnung" sei... :-)
Ich kann mich nur nicht erinnern, einen Vertrag unterschrieben zu haben, in dem ich mich zu 24h Repräsentationsaufgabe (wie ein Bundesrat?) verpflichtet habe, aber offenbar wird genau dies erwartet.
Eine andere Volkskrankheit betrifft vor allem die weibliche Spezies; das Führen von Agendas im Privaten. Eine Agenda ist ein Segen für Aussendienstmitarbeiter, die von Termin zu Termin hasten müssen. Man sieht auf einen Blick, an welchem Tag noch einiges Platz hat und wo Ueberlastung droht. Im Privaten jedoch, frage ich mich ernsthaft, wer tut sich so etwas an und verplant seine Freizeit lückenlos die folgenden zwei Wochen im voraus???
Eine Horrorvorstellung für mich. Jede Art von Spontanität wird im Keim erstickt. Offenbar eine Form der Selbstwertsteigerung für einige Zeitgenossinnen. Man füllt die Agenda mit mehr oder weniger sinnvollen Tätigkeiten, die man eigentlich sonst vornimmt, wenn eben gerade die Gelegenheit dazu ist. Nichts schlimmeres, als sich von morgens bis abends zu banalen Tätigkeiten zwingen zu müssen, von Garage aufräumen bis Schwiegermutter besuchen.
Liebe Agenda-Fetischisten: wie wär's mit Durchatmen, sich baumeln lassen oder einem Spaziergang? Wahrscheinlich ist das halt zu langweilig in einer Welt, in der alle und alles durchorganisiert sein will und jede freie Minute noch "sinnvoll genutzt" werden muss.

Nur: dies alles widerspricht der Natur des Menschen und die lässt sich nicht bescheissen, jedenfalls nicht über längere Zeit.

Wo sind eigentlich die Philosophen und die Soziologen der heutigen Zeit? Wo sind die Kurt Imhofs? Warum nehmen die so wenig bis gar keinen Einfluss auf die Gelüste entarteter intellektueller Genossen aus der Wirtschaftswelt? Könnte es eventuell daran liegen, dass es sich bei diesen "Führern" der Wirtschaft um geisteskranke Fanatiker handelt, die jeden Bezug zur Realität verloren haben? Oder sind es einfach die rücksichtlosen Machtgelüste jener, die für ihre Taten nicht zur Verantwortung gezogen werden?
Ihr Kommentar zum Beitrag von keinschaf:
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4 Kommentare
· Minimale Chancen
· Ausgepresst wie Legehennen
· Soziologen und ähnliche Scharlatane
· So falsch
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