ICANN will Einschätzung, ob Vergabe-Praktiken per Gesetz illegal sind
.sucks: Umstrittene Domain wird Fall für Behörden
publiziert: Montag, 13. Apr 2015 / 22:26 Uhr / aktualisiert: Dienstag, 14. Apr 2015 / 00:01 Uhr

Washington/Ottawa - Mit «.sucks» - quasi «.stinkt» - wird eine der umstrittensten neuen Domain-Endungen zum Fall für die Behörden. Denn die Domainverwaltung ICANN hat Zweifel, ob Betreiber Vox Populi nicht gegen das Recht verstösst.

Weiterführende Links zur Meldung:

Vergabeseite der .sucks-Domain
Get your own .sucks Domain
nic.sucks

Dieser verlangt von Markeninhabern ein Vielfaches des üblichen Marktpreises, um sich Domains vorab zu sichern. Für Kritiker grenzt das an Schutzgelderpressung. Vox Populi sieht die Endung als Möglichkeit, verärgerten Kunden eine Stimme zu geben.

«Stimme des Volkes»

Das englische Wort «sucks» steht im Slang-Gebrauch dafür, dass etwas - ob Person, Marke, Ereignis oder sonst etwas - stinkt. Und das ist noch eine freundliche Übersetzung. Vox Populi wiederum heisst übersetzt «Stimme des Volkes», und eben die soll die neue Domain laut Betreiber bieten. «sucks» ist heute ein Protestausdruck, argumentiert das Unternehmen - eben einer, mit dem sich Konsumenten Luft machen können. Will sich ein Markeninhaber davor schützen, muss er die passende .sucks-Domain vorab kaufen - weit über marktüblichen Preisen. Diese Taktik ist aber womöglich illegal, so die ICANN.

«Das ist Erpressung»

Mit einem Brief hat die ICANN sowohl die amerikanische Federal Trade Commission (FTC) als auch das kanadische Office of Consumer Affairs um eine Einschätzung gebeten, ob Vox Populis Vergabepraxis illegal sei. Genau das vermuten nämlich Kritiker. Immerhin müssen Markeninhaber jetzt in einer Vorvergabephase 2.499 Dollar für eine Domain hinblättern, wenn sie nicht riskieren wollen, dass sie später ein Scherzbold für gerade einmal zehn Dollar bekommt. «Ich denke im Prinzip, das ist Erpressung», meint Adobes Chefanwalt J. Scott Evans gegenüber NPR. Diese Ansicht teilen auch andere Markeninhaber.

Vox Populi beharrt freilich darauf, dass die neue Endung Diskussion zum Wohle der Konsumenten anregen könne. Diese hehre Intention spielt das Unternehmen auch mit einem Werbespot hoch, in dem es Bürgerrechtler Martin Luther King Jr. bemüht. Der Verbraucherschützer und ehemalige Präsidentschaftskandidat Ralph Nader tritt darin als Testimonial auf und sagt: «Sucks ist jetzt ein Protestausdruck.» Ob die FTC und die kanadische Konsumentschutzbehörde dem folgen werden, bleibt abzuwarten.

Entscheidung nötig

ICANN-Chefanwalt John Jeffrey bittet die Behörden um schnelle Bearbeitung der Anfrage. Immerhin ist die erste Vergabephase (Sunrise) für .sucks-Domains bereits angelaufen und endet am 29. Mai 2015. In dieser Zeit haben zunächst Markeninhaber die Chance, Domains zu erwerben - wie bei allen neuen Endungen, darunter aktuell auch «.porn». Dabei ist es durchaus üblich, dass Marken entsprechende Domains vorsichtshalber kaufen. An .sucks stört Rechteinhaber im Vergleich zu anderen besonders, dass die Endung recht klar für potenzielle Beschimpfungen gedacht scheint und relativ hohe Beträge fällig werden.

 

 

(fest/pte)

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