.xxx: Pornoindustrie gegen Rotlichtdomain
publiziert: Samstag, 4. Sep 2010 / 14:11 Uhr / aktualisiert: Mittwoch, 20. Okt 2010 / 17:42 Uhr
Rotlichtinhalte: Wegsperren in teure Domains?
Rotlichtinhalte: Wegsperren in teure Domains?

Marina del Rey - Um Moral und Anstand besorgte Kritiker können sich freuen: Auch die Erotikindustrie ist vehement gegen die geplante Pornodomain .xxx.

3 Meldungen im Zusammenhang
Weiterführende Links zur Meldung:

news.ch empfiehlt
Komfortabel traditionelle .com, .biz, .ch Domains registrieren.
branchenbuch.ch/domains

Das zeigen die zum aktuellen Vertragsentwurf für die neue Top-Level-Domain (TLD), welche die oberste Domainverwaltung ICANN derzeit entgegen nimmt.

Besonders laut wird der Vorwurf, dass die hinter dem .xxx-Antrag stehende ICM Registry der Erotikindustrie einfach nur das Geld aus den Taschen ziehen will.

Weitere Kritikpunkte umfassen die fehlende allgemeingültige Definition von «Erwachseneninhalten», Zensurbefürchtungen sowie eben, dass die Pornoindustrie gar keine eigene Domain will. Ob die Gegner .xxx diesmal noch stoppen können, ist fraglich. «Die Public Comments sind vermutlich eher Formsache. Die ICANN wird .xxx wohl nicht wieder abblasen», meint Domain-Experte Richard Wein im Gespräch.

Teurer Marken-Sex

«.xxx ist nur unternehmerisch sinnvoll, um von defensiven Registrierungen zu profitieren», schreibt etwa die amerikanische Sex-Kolumnistin Violet Blue. Befürchtet wird, dass Erotik-Webseitenbetreiber .xxx-Domains letztlich registrieren müssen, um einen Markenmissbrauch durch Cybersquatter zu verhindern. Davon wird sich die ICANN aber kaum beeindrucken lassen. «Das ist allgemein das meistgenutzte Argument gegen neue TLDs», erklärt Wein. Dennoch wurde die Einführung neuer Endungen fix beschlossen.

Für Zündstoff sorgt aber auch der Preis von .xxx-Domains, die mit 60 Dollar pro Jahr deutlich teurer ausfallen sollen als Seiten mit .com-Endung. «Das ist schon relativ teuer. Doch das wird aber bei allen neuen TLDs ein Thema - die Zahl der Registrierungen wird einfach deutlich geringer sein als etwa bei .com», sagt Wein. Insofern dürften die Gegner der Rotlichtdomain auch mit diesem Argument wenig ausrichten.

George Kirikos, Präsident von Leap of Faith Financial Services, warnt in seinem Kommentar, dass offenbar keine Preisobergrenze für .xxx-Jahregebühren geplant ist. «Wenn das nicht sinnvoll geregelt ist, würde ich das als potenzielle Gefahr sehen», bestätigt auch Wein. Denn Betreiber anderer TLDs wie VeriSign für .com könnten dann über Gleichbehandlungsklauseln versuchen, ebenfalls höhere Jahresgebühren durchzusetzen. Das würde die Internetwirtschaft allgemein belasten.

Definitionsfrage

Die Gemüter erregt ferner, dass dem Vertragsentwurf zufolge .xxx für Webseitenbetreiber gedacht ist, die einen Sinn in der Pornodomain sehen. Diese Gruppe ist überschaubar, hat sich doch mit der mit der Free Speech Coalition die Branchenorganisation der US-Pornoindustrie gegen .xxx gestellt. «Die Umsetzung einer .xxx-TLD betrifft die gesamte Erwachsenenindustrie, nicht nur jene, die der Idee zustimmen», kritisiert Quentin Boyer, PR-Leiter bei Pink Visual.

Ausserdem gibt es keine sinnvolle internationale Definition von Pornografie und somit, welche Inhalte überhaupt auf .xxx-Domains gehören würden. Viele europäische Länder sind merklich liberaler als die prüden USA oder gar Staaten wie der Iran. Das spielt mit Zensurbefürchtungen zusammen. «Mit .xxx wäre eine Filterung relativ leicht», sagt Wein.

Totgesagte leben länger

Dass die Diskussion jetzt überhaupt in dieser Form entbrannt ist, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Immerhin war die Pornodomain schon 2007 vermeintlich endgültig vom Tisch - damals noch auf Bestreben konservativer Gruppen.

Doch ICM hat sich zurück ins Rennen gekämpft, wobei auch eine Klage gegen die ICANN im Raum Stand. Eben das ist ein Grund, warum eine erneute Ablehnung für manche Experten illusorisch scheint.

(ht/pte)

Kommentieren Sie jetzt diese news.ch - Meldung.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Die neuen .xxx-Domains, die seit ... mehr lesen
Bisher wurden laut Lawley bereits mehr als 230'000 triple-x-Domains verkauft.
Der Rotlichtbezirk im digitalen Bereich nimmt mit «.xxx» Form an (Symbolbild).
Safer Cyber-Sex - so lautet das ... mehr lesen
Das Internet bekommt einen abgegrenzten Rotlichtbezirk: Die internationale Vergabestelle für Internet-Adressen ICANN hat nach jahrelangen Streitigkeiten die Einführung der Adressendung (Top-Level-Domain) «.xxx» für pornografische und erotische Websites endgültig beschlossen. mehr lesen 
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 21
Knapp zwei von fünf Plattformdienstleistenden verdienen jährlich weniger als 1000 Franken.
Knapp zwei von fünf ...
Crowdworking im Jahr 2019  2019 gaben 0,4% der Bevölkerung an, in den letzten 12 Monaten internetbasierte Plattformarbeit geleistet zu haben. Dabei wird die dienstleistende Person via eine Internetplattform mit der Kundin oder dem Kunden verbunden und die Bezahlung erfolgt (in der Regel) über die Plattform. Nach Tätigkeitsbereich betrachtet haben 0,1% der Bevölkerung Taxidienste geleistet und 0,3% andere Dienstleistungen (Programmierung, Essenlieferdienste, Reinigungsarbeit, usw.) ausgeführt. Etwas häufiger wurde durch 0,6% der Bevölkerung über Internetplattformen eine Unterkunft vermietet. 0,8% der Bevölkerung haben via eine Internetplattform Waren verkauft, die extra dafür gesammelt, gekauft oder produziert worden sind. mehr lesen 
Pläne zur Integration mit Instagram und anderen Anwendungen  Facebook kauft die beliebte GIF-Website Giphy für einen berichteten Preis von 400 Millionen Dollar und ... mehr lesen  
Facebook baut seine Übermacht weiter aus, wenn die Wettbewerbsbehörden bei der Gipfy-Übernahme keinen Riegel schieben.
Christian Bauer (links) und Romain Sacchi sind Teil des Teams am PSI, das den «Carculator» entwickelt hat - ein Webtool, mit dem sich die Umweltauswirkungen von verschiedenen Personenwagen detailliert vergleichen lassen.
Paul Scherrer Institut präsentiert den Carculator  Villigen - Entscheidungshilfe beim Autokauf: Forschende des Paul Scherrer Instituts haben ein Webtool namens «Carculator» entwickelt, mit dem sich detailliert ... mehr lesen  
Publinews Datenschutzkonforme Lösung für Restaurants  St. Gallen - Wer künftig ein Restaurant besucht, muss Name, Vorname und Telefonnummer hinterlegen. Mit quickreg.ch stellt ASPSMS ... mehr lesen  
Einfache Zutrittserfassung für Gastronomen via dem Handy der Kunden.
.
eGadgets news.ch geht in Klausur Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in ... 21
Domain Namen registrieren
Domain Name Registration
Zur Domain Registration erhalten Sie: Weiterleitung auf bestehende Website, E-Mail Weiterleitung, Online Administration, freundlichen Support per Telefon oder E-Mail ...
Domainsuche starten:


 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Mi Do
Zürich 8°C 22°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig recht sonnig
Basel 8°C 23°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig recht sonnig
St. Gallen 8°C 19°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig freundlich
Bern 9°C 21°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig recht sonnig
Luzern 10°C 22°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig recht sonnig
Genf 10°C 23°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig sonnig
Lugano 17°C 25°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig recht sonnig
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten