Accola nimmt Abschied - aber ohne Rücktritt

publiziert: Donnerstag, 30. Mrz 2006 / 11:23 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 30. Mrz 2006 / 22:58 Uhr

Ein gutes Jahr nach seinem letzten Weltcup-Rennen nimmt Paul Accola am Samstag in Davos im Rahmen eines «Charity Race» Abschied von -- ja von was eigentlich?

Paul Accola nach seinem letzten Weltcuprennen in Garmisch-Partenkirchen.
Paul Accola nach seinem letzten Weltcuprennen in Garmisch-Partenkirchen.
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Den Ausdruck Rücktritt meidet der 39-Jährige wie der Teufel das Weihwasser.

Seine Frau Valerie, die beim kauzigen und kantigen Bergler auch die sensible und herzliche Seite offenlegte und ihm zwei Kinder schenkte, trifft den Nagel auf den Kopf: «Für einen wie Pauli gibt es nie einen Abschied vom Skisport. Er ist so verbunden damit, dass er sich wohl nie ganz davon trennen kann.»

Sein 359. und letztes Weltcup-Rennen bestritt Accola am 20. Februar 2005, seinem 38. Geburtstag, in Garmisch, wo er sich mit einem 31. Rang begnügen musste. «Es gurkt mich an», meinte er darauf, «so hat alles keinen Sinn». Aber ein Rücktritt erfolgte nicht und so brachte er die Verbandsoberen in Verlegenheit. Sie «gaben» ihn an den Regionalverband zurück, und da ist er nach wie vor -- und wartet wohl insgeheim immer noch auf ein Weltcup-Aufgebot von Swiss-Ski.

«Terminator» für Verbandsfunktionäre

Als Gian Gilli in diesem Winter seinen Rücktritt verkündete, rief ihn Accola an und unkte: «Ich habe dir ja immer gesagt, dass du einmal vor mir aufhören wirst.» Paul Accola überlebte in seinen 20 Weltcup-Jahren Dutzende von Trainern, Chefs, Direktoren und Präsidenten. Eine Verbandsführung wechselte er nach der WM 1999 gleich selber aus. Schon bei der WM 1997 hatte er mit weitausholender Handbebewegung gefordert: «Alle weg, bis zum Ogi».

Accola wurde oft gerüffelt und gerügt. Und auch mit Bussen eingedeckt. Einmal musste er, weil er zu spät ins Trainingslager einrückte, 10 000 Franken bezahlen. Pauli legte noch einen Tausender drauf für die Nachwuchsförderung. Dafür qualifizierte er später den Direktor als «fixfertigen Pausenclown» ab. Und kam sogar ungeschoren davon.

Dafür kassierte er ein paar Tage bedingt, als er mit dem Menzi Muck eine Strasse überquerte. Für den grundehrlichen, unbescholtenen Haudegen mit ausgeprägtem Gerechtigkeitssinn ein ungeheurer Vorgang. Im fernen Südkorea konnte er sich darüber noch so ereifern, dass er fast den Start zu einem Weltcup-Slalom verpasste und nach vier Toren ausschied. Dafür war er elf Stunden im Flugzeug gesessen.

Superkombination - Accolas Idee

Nach seinem 3. Rang in der Olympia-Kombination in Calgary raunzte er: «Eine Kombi-Medaille interessiert doch keinen Schwanz». An den Olympischen Spielen 1992 in Albertville fuhr er im Kombi-Slalom demonstrativ rückwärts durchs Ziel und vergrub seine Startnummer im Schnee, um gegen die miserable Piste zu demonstrieren. Und die letzte seiner vier WM- und Olympia-Medaillen 2001 in St. Anton quittierte er mit dem Worten: «Bringt nix, schadet nix». Für die Superkombination in der heutigen Form darf Accola mit Fug und Recht einen Teil des Copyrights für sich beanspruchen.

Höhepunkt seiner Karriere bildeten die sieben Weltcup-Siege, 23 Podestplätze und der Gewinn des Gesamt-Weltcups 1992 in einem epischen Duell mit Alberto Tomba, nach dem sich die beiden im Schnee wälzten. Leider kann Tomba am Abschiedsfest von Paul Accola am Samstag in Davos (Bolgen, ab 16.30) nicht teilnehmen.

Dafür geben mit Marc Girardelli, Pirmin Zurbriggen, Pernilla Wiberg, Bernhard Russi, Roland Collombin, Michela Figini, Maria Walliser, Kjetil André Aamodt, Hannes Trinkl oder Michael von Grünigen ein Dutzend andere hochkarätige Skistars dem Legenden-Rennen einen würdigen Rahmen. Und Tomba kann ja dann vielleicht kommen, wenn Accola einmal wirklich seinen Rücktritt gibt...

(fest/Si)

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