Algen-Zahnpasta soll Karies ausbremsen

publiziert: Samstag, 7. Jul 2012 / 23:57 Uhr / aktualisiert: Sonntag, 8. Jul 2012 / 00:28 Uhr
Der «Bacillus licheniformis», ein im Meer und auf Vogelfedern vorkommendes Bakterium, wird für die Forschungen verwendet. (Symbolbild)
Der «Bacillus licheniformis», ein im Meer und auf Vogelfedern vorkommendes Bakterium, wird für die Forschungen verwendet. (Symbolbild)

Zahnpflege-Forschung auf Suche nach Biofilm-Zerstörern. Algen sollen schon bald in unseren Zahnpasten sein und in unserem Mund eine Putzkraft entfalten, an die heutige Zahnpasten nicht herankommen.

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Newcastle/Braunschweig - Mikrobien aus Seealgen könnten sich künftig als Waffe gegen Karies behaupten. Englische Wissenschaftler haben beim Treffen der «Society for Applied Microbiology» ein Bakterien-Enzym präsentiert, das die gefährlichen bakteriellen Plaques in den Zahnzwischenräumen auflösen und die Karies-Erreger somit eliminieren soll. Tests über Verträglichkeit und Sicherheit sowie die Verpackung in Zahnpasta oder Mundspülung stehen allerdings noch aus. Bakterium gegen Bakterien

Bevor Karies entsteht, verbünden sich Gruppen der insgesamt über 500 verschiedenen Bakterien im Mundraum, besiedeln ein Gebiet und verstossen mögliche Konkurrenten. Mit dem Herunterschrubben kann man diesen sogenannten Plaques einigermassen kontern, dennoch kommt es selbst bei peniblen Zähneputzern im Laufe des Lebens meist irgendwann zur Zahnfäule: Nur jeder hundertste Erwachsene hat in Deutschland naturgesunde Zähne. Die Suche nach Zahnpflege-Alternativen läuft deshalb auf Hochtouren.

Auf die Fährte kamen die Forscher um Nick Jakubovics von der Newcastle University, als sie nach Reinigungsmitteln für Schiffsrümpfe suchten. Der «Bacillus licheniformis», ein im Meer und auf Vogelfedern vorkommendes Bakterium, setzt bei Bewegung ein Enzym frei, das Zahnplaques zwar nicht vollständig entfernt, sie jedoch auflöst und einigen der schädlichsten Bakterien wie etwa dem «Streptococcus mutans» den Garaus macht oder präventiv vor ihnen schützt.

«Pelz» auf den Zähnen

«Weltweit gibt es etliche Forschungsteams, die den am Zahn heftenden Biofilm aus abgestorbenen Bakterienzellen zersetzen wollen», betont Irene Wagner-Döbler, Mikrobiologin am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung http://www.helmholtz-hzi.de , im pressetext-Interview. Auch Wagner-Döbler ist auf der Spur der Ozeanbakterien, die sich von Algen-Ausscheidungsprodukten ernähren und gegen den morgendlichen «Pelz auf den Zähnen» eingesetzt werden könnten. Eine Patentierung steht bevor.

(knob/pte)

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