Algerien: Zorn und neue Gefahren

publiziert: Sonntag, 25. Mai 2003 / 08:17 Uhr / aktualisiert: Sonntag, 25. Mai 2003 / 08:55 Uhr

Algier - Am vierten Tag nach dem verheerenden Erdbeben vom Mittwoch schwankt Algerien zwischen Hoffnung, Zorn und neuen Gefahren. Am Samstag haben internationale Rettungskräfte immer noch Überlebende aus den Trümmern geborgen.

Beim Erdbeben sind mindestens 2047 Menschen ums Leben gekommen.
Beim Erdbeben sind mindestens 2047 Menschen ums Leben gekommen.
4 Meldungen im Zusammenhang
Meldungen über gelungene Rettungsaktionen liessen immer wieder Hoffnung aufkeimen. 52 Stunden nach dem Beben konnten japanische Rettungskräfte einen jungen Algererier lebend aus den Trümmern seines Hauses bergen.

Zuvor hatten Helfer in Boumerdes eine Frau und ihr Baby gerettet. Am Samstag gelang österreichischen und polnischen Helfern die Rettung eines zwölfjähriges Mädchens.

Doch die Situation für jene, die noch unter den Trümmern eingeschlossen sind, wird immer aussichtsloser. 72 Stunden können Menschen nach Einschätzung von Experten ohne Wasser auskommen, danach wird die Lage kritisch.

Verzweifelte Menschen berichteten noch am Samstag, sie könnten die Schreie Eingeschlossener hören. In entlegene Orte dringen die Rettungskräfte nur schwer vor.

Indessen sind Transporte mit Hilfsgütern für Tausende obdachlos gewordene Menschen unterwegs. Für Viele war es die vierte Nacht unter freiem Himmel.

Inzwischen wächst in der Bevölkerung der Zorn über die Schlamperei der Behörden. Hunderte von Menschenleben hätten gerettet werden können, wenn die Regierung die Konsequenzen aus dem Beben von 1980 gezogen und die Einhaltung der Bauvorschriften kontrolliert hätte, schrieb die Zeitung El Watan in Algier. Das Land stehe am Rand der Anarchie.

Am Sonntag bezifferte das algerische Innenministerium die Zahl der Erdbebenopfer auf mindestens 2 047. Die Zahl der Verletzten wurde mit mindestens 8.626 angegeben.

Das Erdbeben vom Mittwoch hatte eine Stärke von 6,2 auf der Richter-Skala. Es war das Verheerendeste in der gefährdeten Region seit mehr als 20 Jahren.

Das Zentrum lag rund 70 Kilometer östlich der Hauptstadt Algier. In der Region mit den rasch wachsenden Siedlungen leben rund 20 Millionen Menschen.

(pt/sda)

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