Menschenrechte

Amnesty-Jahresbericht warnt vor gefährlicher Welt für Migranten

publiziert: Donnerstag, 23. Mai 2013 / 08:13 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 23. Mai 2013 / 08:51 Uhr
Immer gefährlicher wird die Welt auch für Flüchtlinge, wie die Menschenrechtsorganisation Amnesty International in ihrem Jahresbericht feststellt.
Immer gefährlicher wird die Welt auch für Flüchtlinge, wie die Menschenrechtsorganisation Amnesty International in ihrem Jahresbericht feststellt.

London/Bern - In 112 Staaten ist im vergangenen Jahr gefoltert und misshandelt worden, in 101 Staaten ist die Meinungsfreiheit der Bürger eingeschränkt.

9 Meldungen im Zusammenhang
Die Zahl der Menschenrechtsverletzungen verharrt weltweit auf hohem Niveau. Zu diesem Ergebnis kommt der am Donnerstag veröffentlichte Jahresbericht von Amnesty International (AI). Der Bericht nimmt die Situation der Menschenrechte in 159 Ländern unter die Lupe. 21 Regierungen liessen im vergangenen Jahr Menschen hinrichten. In den 131 bewaffneten Konflikten verloren laut Amnesty zwischen 794'000 und 1'115'000 Millionen Menschen ihr Leben.

Die Rechte von Millionen von Menschen würden mit Füssen getreten, nur weil sie aus einer Konfliktregion geflohen oder in der Hoffnung auf ein besseres Leben für sich und ihre Familien in ein anderes Land migriert seien.

«Die Unfähigkeit, auf Konfliktsituationen adäquat zu reagieren, führt zu einer weltweiten Unterschicht», wird Amnesty-Generalsekretär Salil Shetty in einer Medienmitteilung zitiert. Zu viele Regierungen verletzten Menschenrechte unter dem Vorwand die Einwanderung steuern zu müssen.

Die einwanderungsfeindliche Politik der meisten Staaten hat negative Folgen für Migranten. Diese finden sich zunehmend in einer rechtlosen Situation wieder. Politikerinnen und Politiker heizten die Stimmung durch populistische Parolen gegen Migranten und Flüchtlinge zusätzlich an, «um so von innenpolitischen Problemen abzulenken», schreibt Amnesty.

Der Bericht dokumentiert darüber hinaus illegale Zwangsräumungen in 36 Staaten. Dazu gehörten auch EU-Staaten wie Italien und Frankreich, wo verschiedene Roma-Siedlungen geräumt wurden. Im Fokus steht jedoch Brasilien: Bei der Vorbereitung der Fussball-Weltmeisterschaft 2014 und der Olympischen Spiele 2016 wurden demnach tausende Menschen aus ihren Häusern vertrieben.

Deutliche Kritik übt der Bericht unter anderem an «bürokratischen Schikanen» gegen Nichtregierungsorganisationen in relativ jungen Demokratien wie Russland und Ägypten.

Sorgenkind Syrien

Ein weiterer Schwerpunkt des Berichts ist die Zuspitzung des Bürgerkriegs in Syrien. Noch immer werden täglich Menschen getötet und Millionen von Menschen aus den Konfliktregionen vertrieben. Mehr als 1,5 Millionen Syrerinnen und Syrer sind inzwischen ins Ausland geflüchtet, etwas 4,25 Millionen sind innerhalb des Landes auf der Flucht.

Die Weltgemeinschaft schaue tatenlos zu, während das syrische Militär und die Sicherheitskräfte wahllos Zivilpersonen angreifen und Regimekritiker willkürlich verhaften, foltern, verschwinden lassen oder hinrichten, schreibt Amnesty.

Die Organisation kritisiert gleichzeitig die bewaffneten Gruppen der Aufständischen, die Geiseln nehmen oder Massen-Erschiessungen von Assad-Anhängern durchführen.

Einmischung von aussen werde von manchen Staaten mit dem Argument blockiert, dass die Wahrung der Menschenrechte zur «inneren Angelegenheit» eines Staates zählt. Doch AI-Generalsekretär Shetty sagt: «Der Respekt vor der Souveränität eines Staates darf nicht als Entschuldigung für Untätigkeit herhalten. Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen muss handeln, wenn Menschen getötet oder zur Flucht gezwungen werden.»

Lichtblick Kommunikation

Als positive Entwicklung führt Amnesty im Bericht die neuen Informationskanäle auf. «Die modernen Kommunikationsmittel verschaffen uns Zugang zu unzähligen Informationen und ermöglichen es Aktivisten, sicherzustellen, dass Menschenrechtsverstösse nicht unbemerkt bleiben», heisst es im Bericht.

Entsprechend schaffe diese Entwicklung auch einen Handlungszwang. So sieht Amnesty seine Aufgabe auch darin, «sicherzustellen, dass jeder die Möglichkeit hat, Informationen zu erhalten und zu verbreiten».

(ga/sda)

Machen Sie auch mit! Diese news.ch - Meldung wurde von einer Leserin oder einem Leser kommentiert.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Die Zahl der Todesurteile ist gestiegen. (Symbolbild)
London - Im vergangenen Jahr ... mehr lesen 2
Berlin - Jordanien macht nach Darstellung von Amnesty International seine Grenzen ... mehr lesen
Unter den Vertriebenen seien auch Familien mit kleinen Kindern, erklärte Expertin Jüttner.(Symbolbild)
Viele Migranten leben in auf der Welt.
New York - Weltweit leben laut einer ... mehr lesen
Weitere Artikel im Zusammenhang
Genf - In den industrialisierten Ländern ist im vergangenen Jahr die Zahl der ... mehr lesen
Die Zahl der Asylgesuche steigt.
Bern - Sieben Flüchtlingsfamilien aus Syrien wird in der Schweiz Asyl gewährt. Unter den 37 Personen sind 10 Frauen und 14 Kinder, wie Justizministerin Simonetta Sommaruga am Freitag in Bern sagte. Es handelt sich aber nicht um Syrer, sondern um Iraker und Palästinenser. mehr lesen  2
Syrische Flüchtlinge im Libanon.
Dublin - Der Flüchtlingsstrom aus ... mehr lesen
Scheingefecht !
"Schweizer Asylpraxis im Fokus von Amnesty"
Falscher Fokus! Der Fokus sollte auf jene Länder/Regierungen gerichtet sein, die mit ihrer verfehlten Politik erst Flüchtlinge erzeugen.
Die Kritik an der CH mag teilweise berechtigt sein, ändert allerdings nicht an den Zuständen in den Herkunftsländern der Flüchtlinge. Daher, reines Scheingefecht von AI um im Gespräch zu bleiben.
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 22
Durch schnelle Gewichtsabnahme, z.B. mit Ozempic, kann die Haut nicht regenerieren und die Dermis fällt ein wie bei alten Menschen.
Durch schnelle Gewichtsabnahme, z.B. mit Ozempic, kann die ...
Apotheke & Pharma News Das Streben nach dem perfekten Körper hat in Hollywood eine neue, unschöne Wendung genommen: das sogenannte «Ozempic Face». Ein eingefallenes, ausgemergeltes Gesicht, das durch den Missbrauch des Diabetesmedikaments Ozempic zur Gewichtsabnahme entsteht. Doch dieser fragwürdige Trend wirft Fragen auf: Wie entsteht das Ozempic Face? Was kann man dagegen tun? Und welche Auswirkungen hat es auf die Schönheitsindustrie? mehr lesen  
Apotheke & Pharma News In der Schweiz beteiligen sich Apotheken derzeit an verschiedenen Projekten zur legalen Abgabe von Cannabis als Genussmittel. Vier Apotheken dienen dabei als ... mehr lesen  
Die Qualität sei top, so Pharmasuisse.
Der sgv spricht sich für ein ausgewogenes Gesamtpaket aus, das eine moderate Erhöhung des Rentenalters sowie eine leichte Anhebung der Mehrwertsteuersätze beinhaltet.
Verbände Schon früh hat der sgv vor den finanziellen Folgen einer 13. AHV-Rente gewarnt. Die ... mehr lesen  
Titel Forum Teaser
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Fr Sa
Zürich 13°C 17°C bedeckt mit Gewitternleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig trüb und nass trüb und nass
Basel 14°C 19°C wechselnd bewölkt, Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig trüb und nass wolkig, aber kaum Regen
St. Gallen 12°C 16°C anhaltender Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig anhaltender Regen trüb und nass
Bern 13°C 18°C gewitterhaftleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig trüb und nass wechselnd bewölkt
Luzern 13°C 19°C unwetterartige Gewitterleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig trüb und nass wolkig, aber kaum Regen
Genf 14°C 19°C wechselnd bewölkt, Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, aber kaum Regen freundlich
Lugano 16°C 18°C gewitterhaftleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, aber kaum Regen sonnig
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten