Gedächtnis und Interpretation blockiert

Andauerndes Fotografieren raubt Erinnerungen

publiziert: Montag, 26. Mai 2014 / 15:14 Uhr / aktualisiert: Dienstag, 27. Mai 2014 / 00:52 Uhr
Das Gedächtnis und die subjektive Interpretation von Erlebnissen werden blockiert.(Symbolbild)
Das Gedächtnis und die subjektive Interpretation von Erlebnissen werden blockiert.(Symbolbild)

Wellington/Wien - Menschen, die bei jeder Gelegenheit Fotos schiessen, haben Probleme, sich daran zu erinnern, was sie eigentlich erlebt haben.

2 Meldungen im Zusammenhang
Zu diesem Schluss kommt die Psychologin Maryanne Garry von der Victoria University of Wellington, die derzeit die Effekte der Fotografie auf unsere Kindheitserinnerungen untersucht. Zudem haben Forscher der Fairfield University diese gewagte These anhand einer Studentengruppe während einer Museumstour nachgewiesen.

Erinnern als aktiver Prozess

«Dinge, die interessant sind, bekommen mehr Aufmerksamkeit und aktive Zuwendung - und damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass diese auch erinnert werden. Wird dieses Erinnern nun an technische Hilfsmittel ausgelagert, liegt es nahe, dass die entsprechende Aufmerksamkeit eine andere ist - und damit auch die Erinnerung daran», erklärt Psychologe Dominik Rosenauer im Gespräch mit pressetext.

«Fraglich ist allerdings, ob wir diese neuen Möglichkeiten, unser Gedächtnis zu entlasten, unterstützend verwenden können - zum Beispiel in Situationen, wo wir emotional abgelenkt sind wie der Geburt unseres Kindes - oder ob wir uns 'gar nichts mehr' merken, weil wir alles auf Facebook teilen, twittern oder abfotografieren - und es damit auch als 'erledigt' abbuchen», führt Rosenauer aus. Das nebenher aus dem Sightseeing-Bus Fotografieren falle beispielsweise in die untersuchte Kategorie des Sehens - Fotografierens - Vergessens.

Dennoch würden Fotos durchaus dabei helfen, sich an Erlebtes zu erinnern. «Ereignisse aus der frühen Kindheit wären uns ohne die Fotografie ebenso wie viele andere Erlebnisse unseres Lebens nur noch schwer zugänglich», beschreibt der Psychologe. Sie können also im richtigen Mass auch eine Gedächtnisstütze sein. «Vor allem dann, wenn wir uns emotional aktiv einem interessanten Erleben zuwenden und es noch zusätzlich fotografieren», resümiert Rosenauer.

Eltern horten Kindheitsfotos

Garry zufolge behindert andauerndes Fotografieren den Prozess, in dem Menschen ihre Erinnerung bilden. Laut aktuellen Forschungsergebnissen beeinflusst die Fotografie nicht nur unser Gedächtnis, sondern auch die subjektive Interpretation von erlebten Erfahrungen. «Ich bin der Ansicht, dass Menschen dadurch die Fähigkeit aufgeben, den Moment zu leben», verrät sie. Eltern würden beispielsweise unzählige Fotos einfach verräumen, weil es zu schwierig wäre, diese zu kennzeichnen und zu ordnen. «Auch dies scheint mir eine Art von Verlust zu sein», erklärt die Psychologin.

Studenten wurden aufgefordert, Kunstwerke und historische Ausstellungsstücke zu fotografieren oder diese ausschliesslich zu memorieren. Am darauffolgenden Tag ist ihre Erinnerung überprüft worden. Den Ergebnissen nach war es für diejenigen, welche die Fotos geschossen haben, schwieriger die Objekte wiederzuerkennen als für jene, die sie nur betrachtet haben. Zusätzlich waren die Probanden, welche die Exponate ablichten sollten, kaum in der Lage, Details abzurufen.

(ig/pte)

Lesen Sie hier mehr zum Thema
Saarbrücken/Berlin - Spielerisches Training des Gedächtnisses hilft Kindern dabei, ... mehr lesen
Schulkinder können mit einem speziellen Gedächtnistraining besser lesen.
Schutzeffekt gegen Gedächtnisschwund?
Baltimore - Ein bisschen Koffein ... mehr lesen
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 21
Die wichtigste malariaübertragende Mückenart in Afrika südlich der Sahara wurde genetisch verändert: Anopheles gambiae.
Die wichtigste malariaübertragende Mückenart in Afrika ...
Wissenschaftler haben Stechmücken entwickelt, die das Wachstum von Malaria verursachenden Parasiten in ihrem Darm verlangsamen und so die Übertragung von Malaria auf den Menschen verhindern. mehr lesen 
Ein internationales Forschungsteam um den Drohnenexperten Mirko Kovac von der Empa und vom «Imperial College London» hat sich Bienen zum Vorbild ... mehr lesen  
Zukunftsvision: Drohnenschwärme könnten auch im Weltraum zum Einsatz kommen, etwa bei einer künftigen Mars-Mission.
Die Papierbatterie besteht aus zwei in Reihe geschalteten elektrochemischen Zellen an den beiden Enden des Papierstreifens, die durch eine Wasserbarriere (zwischen den Buchstaben «m» und «p») getrennt sind.
Ein Empa-Forscherteam hat eine durch Wasser aktivierbare Einweg-Batterie aus Papier entwickelt. Damit liesse sich eine breite Palette von kleinen Einweg-Elektronikgeräten mit geringem ... mehr lesen  
Die Zementindustrie emittiert grosse Mengen von klimaschädlichem Kohlendioxid - doch alternative Bindemittel auf der Basis von Magnesiumcarbonat könnten ... mehr lesen  
Spannende Aufgabe: Empa-Expertin Barbara Lothenbach wird das Projekt leiten.
Titel Forum Teaser
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Mi Do
Zürich 10°C 12°C trüb und nassleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig anhaltender Regen bedeckt, wenig Regen
Basel 10°C 13°C trüb und nassleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig trüb und nass bedeckt, wenig Regen
St. Gallen 8°C 10°C trüb und nassleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig anhaltender Regen bedeckt, wenig Regen
Bern 9°C 12°C trüb und nassleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig anhaltender Regen trüb und nass
Luzern 9°C 13°C trüb und nassleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig anhaltender Regen trüb und nass
Genf 11°C 14°C trüb und nassleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig anhaltender Regen trüb und nass
Lugano 12°C 21°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt wolkig, aber kaum Regen
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten