Zehn Jahre nach Ölpest

Anhörung im «Prestige»-Prozess

publiziert: Dienstag, 16. Okt 2012 / 18:12 Uhr
Einige Helfer leiden laut einer Studie bis heute an Atemproblemen und Chromosomen-Veränderungen.
Einige Helfer leiden laut einer Studie bis heute an Atemproblemen und Chromosomen-Veränderungen.

La Coruña - Zehn Jahre nach der schwersten Ölpest in der spanischen Geschichte hat am Dienstag die juristische Aufarbeitung des Untergangs des Öltankers «Prestige» begonnen. Angeklagt sind der griechische Kapitän, der erste Offizier und der Maschinist des Schiffes sowie der Ex-Chef der Hafenbehörden.

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Vor dem Gericht im galicischen La Coruña begannen am Dienstag zunächst Anhörungen zu Verfahrensfragen. Der eigentliche Prozess gegen die vier Angeklagten startet am 13. November, dem Jahrestag des Unglücks.

Für den Mammutprozess wurde die Kongresshalle von La Coruña zum Gerichtssaal umgebaut. Insgesamt sollen während des bis Mai 2013 angesetzten Verfahrens 133 Zeugen und 100 Experten befragt werden. 1500 Betroffene haben sich zu 55 Nebenkläger-Gruppen zusammengeschlossen. Das Urteil wird im September 2013 erwartet.

Kapitän angeklagt

Verantworten müssen sich der griechische Kapitän der «Prestige», Apostolos Mangouras, der aus den Philippinen stammende und bis heute flüchtige Erste Offizier und der griechische Maschinist.

Ausserdem steht der damalige Chef der Hafenbehörden, José Luis Lopez-Sors, vor Gericht. Er hatte den havarierten Tanker aufs offene Meer beorderte und die Katastrophe damit vermutlich noch vergrösserte.

Die Staatsanwaltschaft fordert zwölf Jahre Haft für den Kapitän. Zusammen mit dem Maschinisten und Lopez-Sors nahm er persönlich an der Anhörung teil. Der Verteidiger des Unglückskapitäns forderte eine Einstellung des Strafverfahrens gegen den Hauptangeklagten.

Verpestete Küsten

Der liberianische Tanker «Prestige» war am 13. November 2002 während eines Sturms vor der spanischen Nordwestküste leckgeschlagen. Die spanischen Behörden schickten das Schiff aufs offene Meer zurück, wo es sechs Tage lang umherirrte, ehe es zerbrach und sank.

Mindestens 50'000 Tonnen der 77'000 Tonnen Schweröl an Bord strömten in den Atlantik, tausende Kilometer Küste in Spanien, Frankreich und Portugal wurden verpestet.

Zehntausende Seevögel verendeten, obwohl sich mehr als 300'000 Freiwillige aus ganz Europa am Kampf gegen die Ölpest beteiligten. Der Gesamtschaden wird auf vier Milliarden Euro geschätzt.

Bis heute liegt das Wrack des Tankers rund 250 Kilometer vor der galicischen Küste in über vier Kilometern Tiefe auf dem Grund des Atlantik. Einige Fischer, die im Kampf gegen die Ölpest mitgeholfen hatten, leiden laut einer Studie bis heute an Atemproblemen und Chromosomen-Veränderungen, die zu einem erhöhten Krebsrisiko führen.

Kritik von Umweltschützern

Umweltschützer kritisierten, dass die eigentlichen Verantwortlichen nicht zur Rechenschaft gezogen würden. «So viele, die ebenfalls hier stehen sollten, tun es nicht», bemängelte Greenpeace-Vertreterin Maria José Caballero. Sie nannte unter anderem den heutigen spanischen Regierungschef Mariano Rajoy, der damals als Vize-Premier den Krisenstab geleitet hatte.

Die Bewegung «Umweltschützer in Aktion» forderte strafrechtliche Konsequenzen auch für das American Shipping Bureau, das für die technische Überprüfung der einwändigen «Prestige» zuständig war.

 

(bert/sda)

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