Anschlag in Riad: Saudisches Herrscherhaus nach neuem Terroranschlag in Bedrängnis

publiziert: Sonntag, 9. Nov 2003 / 16:58 Uhr

Riad/Kairo - Nach dem Anschlag in Riad vom Sonntagmorgen steht die saudische Königsfamilie mit dem Rücke zur Wand. Trotz hunderten Festnahmen über die letzten Monate zeigt der neuste Anschlag, dass die Staatsmacht das Terrorismus-Problem nicht Herr wird. Der Terror wird zudem Ausländer aus dem Land vertreiben, was der Wirtschaft schadet.

2 Meldungen im Zusammenhang
In der König-Feisal-Klinik in Riad spielen sich am frühen Sonntagmorgen dramatische Szenen ab. "Alle Opfer sind Muslime, keine westlichen Ausländer oder Amerikaner", spricht ein saudi-arabischer Arzt einem arabischen Journalisten ins Mikrofon.

Er äussert dies so, als wolle er sagen, wenn es westliche Ausländer getroffen habe, hätte er den Autobomben-Anschlag weniger verwerflich gefunden.

Schnell merkt der Arzt, dass dieser Satz im Fernsehen nicht gut klingen wird, und wählt eine vorsichtigere Formulierung. Doch nach Ansicht westlicher Beobachter in der Region spricht der Mediziner vielen Arabern damit aus der Seele.

Verlust von Sympathisanten

Hätte es die US-Botschaft in Riad getroffen, die wegen akuter Terrorwarnungen am Samstag geschlossen war, hätten sich einige, die sich über die US-Unterstützung für Israel und die Besatzung in Irak aufregen, sogar gefreut.

Der Angriff auf Libanesen, Syrer und Palästinenser, die in Saudi-Arabien als Angestellte oder Berater arbeiten, wird die islamistischen Terroristen dagegen Sympathien kosten.

Denn nach Einschätzung westlicher Beobachter werden sie durch diese Attacke auf Muslime, ebenso wie durch die jüngsten Berichte über Vorbereitungen für Terroranschläge in der heiligen Stadt Mekka Sympathisanten verlieren.

"Warum kommen diese Leute ins heilige Mekka und nach Saudi-Arabien, das doch von der einzigen Regierung geführt wird, die den islamischen Gesetzen folgt?", fragt Scheich Saleh Fawsan, Mitglied im staatlichen Rat saudi-arabischer Religionsgelehrter.

In Bedrängnis

Die Herrscher des islamischen Königreichs dürften wegen des Anschlags in Bedrängnis geraten. Denn das Blutbad, sechs Monate nach der Terrorserie mit 35 Toten im Mai, zeigt nicht nur, dass die Staatsmacht des Terrorismus-Problems trotz der Festnahme von hunderten Verdächtigen nicht Herr wird.

Der Terror wird noch mehr Ausländer aus dem Land vertreiben, was der Wirtschaft schadet. Das Königshaus wird derzeit ohnehin von verschiedenen Seiten unter Druck gesetzt.

Washington und liberale Intellektuelle fordern inzwischen offen eine Abkehr vom Wahabismus, der puritanischen Islam-Interpretation, die in Saudi-Arabien Staatsdoktrin ist und alle Aspekte des täglichen Lebens betrifft.

Diese Ideologie ist der Grund dafür, dass Drogenhändler im Königreich enthauptet werden, Frauen nicht Auto fahren dürfen und bärtige Religionspolizisten, die Menschen zur Gebetszeit in die Moscheen treiben.

Wurzel allen Übels

Für die Reformkräfte ist diese Ideologie die Wurzel allen Übels und der Nährboden für den islamischen Extremismus, dessen radikalste Vertreter sich schliesslich gegen das aus ihrer Sicht von der reinen Lehre abgewichene Königshaus gewandt haben, damit also sozusagen die Hand beissen, die sie einst gefüttert hatte.

Der Anschlag von Samstagnacht ist zwar das erste grosse Selbstmordattentat seit einem halben Jahr. Doch der Kampf zwischen den Fanatikern und der Staatsgewalt hat in den vergangenen Monaten bereits mehr als ein Dutzend Todesopfer gefordert - mutmassliche Terroristen und Polizisten.

(bsk/dpa)

Lesen Sie hier mehr zum Thema
Riad - Kurz nach einer ... mehr lesen
Nachdem Saudiarabien immer wieder in Verdacht geraten ist, eine Quelle islamischem Terrors im Ausland zu sein, hat die Gewalt nun auch in Riad Einzug gehalten.
Das Attentat traf eine Ausländer-Wohnsiedlung.
Riad - Bei einem Selbstmordanschlag auf eine Wohnanlage in Riad sind mindestens zehn Menschen getötet worden. Das teilten Diplomaten und die Behörden in der saudiarabischen ... mehr lesen
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Mi Do
Zürich 0°C 5°C wechselnd bewölktleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt bedeckt, wenig Regen
Basel 0°C 5°C wechselnd bewölktleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt bedeckt, wenig Regen
St. Gallen 0°C 3°C wechselnd bewölktleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig bedeckt starker Schneeregen
Bern -2°C 5°C wechselnd bewölktleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt bedeckt, wenig Regen
Luzern 1°C 5°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig bedeckt, wenig Regen bedeckt, wenig Regen
Genf -4°C 6°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich wechselnd bewölkt
Lugano 4°C 10°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig sonnig
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten