Antisemitische Vorfälle haben sich verdoppelt

publiziert: Sonntag, 14. Jan 2007 / 12:59 Uhr / aktualisiert: Sonntag, 14. Jan 2007 / 13:16 Uhr

Bern - Von September 2005 bis Dezember 2006 hat die Meldestelle Antisemitismus 73 Vorfälle in der Deutschschweiz registriert. Das sind mehr als doppelt so viele wie von August 2004 bis September 2005. Damals wurden 32 Fälle gemeldet.

Gegen die Synagoge in Lausanne flogen Steine.
Gegen die Synagoge in Lausanne flogen Steine.
4 Meldungen im Zusammenhang
Die meisten Vorfälle, insgesamt 42, waren gegen jüdische Institutionen gerichtet. So wurde die Synagoge in Biel mit Schmierereien verunstaltet. «Ein Gebetslokal in Zürich Wittigkofen wurde zudem mit Kot beschmiert», sagte Samuel Althof, Sprecher der Aktion Kinder des Holocaust (Akdh), welche die Meldestelle führt.

Er bestätigte damit entsprechende Berichte in «SonntagsZeitung» und «SonntagsBlick». Mit 15 Vorfällen steht an zweiter Stelle der Antisemitismus im Internet, beispielsweise Angriffe im Gästebuch des Schlittschuhclubs Bern (SCB) oder in jenem der Akdh.

Beschränkte Aussagekraft

Sieben Fälle betreffen Antisemitismus in der Öffentlichkeit. So wurde im Obergoms VS eine Sitzbank aufgestellt, die einen Mann mit Hakennase zeigt, der nach Geldnoten greift.

Dass sich die Anzahl der registrierten Vorfälle gegenüber dem Vorjahr mehr als verdoppelt hat, heisse aber nicht zwingend, dass der Antisemitismus in der Deutschschweiz entsprechend stärker geworden sei, betonte Althof. «Es kann auch sein, dass die Meldestelle bekannter geworden ist.»

Tendenz deutet auf Zunahme

Die Registrierung von Vorfällen durch die Akdh basiere nicht auf einer wissenschaftlichen Erhebung, sondern sei nur eine Stichprobe. «Sie ist nicht repräsentativ und man kann keine Entwicklung im Antisemitismus ablesen», sagte Althof. Die Statistik zeige aber eine Tendenz, die seiner Meinung nach auf eine leichte Zunahme hindeute.

«Soweit wie möglich gehe ich den Meldungen nach», sagte Althof weiter. Vielfach habe er irgendwann mit Behörden zu tun und müsse seine Nachforschungen einstellen. «Wenn es sich um ein Offizialdelikt handelt - beispielsweise die Steinwürfe auf die Lausanner Synagoge -, ist das ein laufendes Verfahren, zu dem keine Auskunft mehr möglich ist.»

Nationales Monitoring gefordert

Deshalb forderten der Schweizerische Israelitische Gemeindebund (SIG)und die Akdh ein nationales Monitoring der antisemitischen Vorfälle in der ganzen Schweiz.

«Die Registrierung und Nachforschung solcher Vorfälle ist Aufgabe des Bundes», sagte Althof. Bisher existiert keine Meldestelle auf Bundesebene.

(ht/sda)

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