Arafats Stuhl wackelt

publiziert: Sonntag, 18. Jul 2004 / 16:10 Uhr

Ramallah - Wie oft Jassir Arafat schon für politisch tot erklärt worden ist, lässt sich fast nicht mehr zählen. Doch jetzt rebellieren sogar Verbündete offen gegen den Chef der Autonomiebehörde.

Arafat ist auf dem internationalen Parkett praktisch bedeutungslos geworden.
Arafat ist auf dem internationalen Parkett praktisch bedeutungslos geworden.
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Arafats Biographie
Übersichtliche Biographie auf der Friedennobel-Website.
www.nobel.se/peace/laureates/1994/arafat-bio.html

Seit 30 Monaten hält Israel den Palästinenserpräsidenten in Ramallah de facto unter Hausarrest, international ist Arafat seitdem fast in der Bedeutungslosigkeit verschwunden, zeitweilig liess Israel sogar anklingen, es könne den Friedensnobelpreisträger notfalls mit Gewalt ins Exil oder ins Jenseits befördern.

Je stärker Arafat von Israel brüskiert wurde, desto unverbrüchlicher hielt das palästinensische Volk zu seinem Idol - bis zu diesem Wochenende, da die Palästinensergebiete in einen Strudel des Chaos gerieten.

Selbst Verbündete rebellieren nun offen gegen Arafat; hinter vorgehaltener Hand heisst es, der Präsident habe durch seine Isolation in Ramallah den Kontakt zur Realität verloren.

Bislang hat Arafat es mit seinem ausgeprägten Machtinstinkt noch immer verstanden, Rückschläge in persönliche Triumphe umzumünzen. Doch die Geschehnisse der vergangenen Tage tragen die Züge einer Götterdämmerung.

Eigentor geschossen

Schon in der vergangenen Woche hatte der UNO-Sonderbeauftragte Terje Roed-Larsen den Finger auf die Wunde gelegt und Arafat vorgeworfen, aufgrund "mangelnden politischen Willens" in den Palästinensergebieten "ein ständig wachsendes Chaos" mitverursacht zu haben.

Die Entourage des Palästinenserpräsidenten erklärte Roed-Larsen darauf zur "unerwünschten Person". Doch damit habe sich Arafat "ins Knie geschossen", glaubt der palästinensische Buchautor und Arafat-Biograph Said Aburisch.

Der Palästinenserpräsident sei "schon zu lange da" und habe mittlerweile alles dem eigenen politischen Überleben untergeordnet.

Ähnlich scheinen das viele langjährige Weggefährten zu sehen. Ein westlicher Diplomat berichtet, es gebe Minister wie Finanzminister Salam Fajed, die bereit seien, Arafat Paroli zu bieten.

"Keine heilige Kuh"

Er sei "mit Palästina verheiratet", pflegte der kleingewachsene Arafat zu sagen. Doch die Bevölkerung scheint der langjährigen Liebesehe überdrüssig.

"Die Leute haben ganz einfach die Nase voll", sagte am Sonntag der Vize-Minister für Zivilangelegenheiten, Abu Saida, der Arafats Fatah-Bewegung angehört.

Der Palästinenserpräsident werde zwar nach wie vor als "Symbol des palästinensischen Kampfes" respektiert, er sei seit Samstag aber "keine heilige Kuh" mehr.

Unbedachter Schritt

In der Tat scheint Arafat sich mit seiner längst überfälligen, aber offenbar unbedachten Umgestaltung der Sicherheitsdienste verkalkuliert zu haben.

Nachdem radikale Palästinenser am Freitag seinen Polizeichef Ghasi Dschabali gekidnappt und diesem Bestechlichkeit vorgeworfen hatten, und als am Samstag auch noch Regierungschef Ahmed Korei den Rücktritt einreichte, musste Arafat reagieren.

Er reduzierte die Zahl der Sicherheitsdienste von acht auf drei, besetzte die Chefposten mit engen Vertrauten - und provozierte damit weitere wütende Proteste.

"Arafat muss gehen", sagt sein Biograph Aburisch und vergleicht die Lage mit "der Revolution, die ihre Kinder frisst".

(bsk/afp)

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