Arafats letzte Ruhe zwischen den Trümmern seines Kampfes

publiziert: Mittwoch, 10. Nov 2004 / 18:50 Uhr

Ramallah - Der letzte Weg soll den palästinensischen Präsidenten Jassir Arafat zurück in sein zerstörtes Hauptquartier in Ramallah führen. Nachdem die Entscheidung für seine Bestattung in der "Mukata" gefallen war, rückten am Mittwoch Arbeiter mit schwerem Baugerät an.

Weite Teile der "Mukata" sind nur noch Stein und Geröll.
Weite Teile der "Mukata" sind nur noch Stein und Geröll.
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Weite Teile des Baukomplexes sind seit einer israelischen Offensive im Jahr 2002 nur noch Stein und Geröll. Zwischen diesen Trümmern seiner letzten Kämpfe soll Arafat nun seine Ruhestätte finden.

"Für uns wird es wie ein Schrein sein", sagt Salah, einer der Wachleute in dem Hauptquartier. "In seiner Zeit hier war er mehr als ein Präsident für uns, er war wie ein Vater. Er ist noch spät aus dem Büro gekommen und hat gefragt, ob wir etwas brauchen", sagt er. "Es war schwer, ihn hier weggehen zu sehen."

Drei Jahre isoliert

Mehr als drei Jahre hat Arafat in der Mukata von der Aussenwelt isoliert gelebt. Nach kurzem Zögern stimmte die israelische Regierung einem Begräbnis des Palästinenserführers in Ramallah zu.

Zunächst waren Sicherheitsbedenken laut geworden. In Abstimmung mit Ägypten soll des Palästinenserpräsidenten nun in Kairo bei einer internationalen Trauerfeier gedacht werden, bevor seine Leiche über Jordanien nach Ramallah gebracht wird.

Es spiele keine Rolle, dass er nicht nach islamischem Ritus binnen eines Tages nach seinem Tod beerdigt werden könne, sagt ein Palästinenservertreter in Ramallah. "Es ist durchaus üblich mit einer Beerdigung auch länger als einen Tag zu warten. Das gilt, wenn Verwandte aus dem Ausland anreisen müssen. Ganz sicher gilt es auch für ein Begräbnis Arafats", sagt er.

Panarabischer Führer

Mit einer Zeremonie in Kairo solle zudem auf die Rolle Arafats als panarabischer Führer Bezug genommen werden, der nicht nur für die Palästinenser eine Bedeutung gehabt habe. "Arafat ist Produkt einer Ära, die jetzt Vergangenheit ist", sagt der palästinensische Professor Ali Dscharbawi. Keiner der bisher gehandelten Nachfolger Arafats könne dessen Rolle allein ausfüllen.

"Arafats Griff nach der Macht wurde nicht hinterfragt, weil er ein Symbol und ein Revolutionsführer war", sagt Mustafa Barguti, der Vorsitzend der neuen Linkspartei Palästinensische Nationale Initiative.

Noch nicht auf Tempelberg

Als nationaler Held von historischem Ausmass sollte er seine letzte Ruhe nach dem Willen der Palästinenser eigentlich auf dem Tempelberg in Jerusalem in Jerusalem finden. Der israelische Araber und Parlamentsabgeordnete Ahmed Tibi verknüpfte das Schicksal Arafats am Mittwoch mit der Vision von einem international anerkannten Staat der Palästinenser.

"Wenn er auch nicht heute oder morgen in Ost-Jerusalem begraben wird, wird es doch eines Tages eine souveräne palästinensische Regierung, einen palästinensischen Staat mit Ost-Jerusalem als Hauptstadt geben", sagte Tibi. "Und Jassir Arafat wird in der Al-Aksa-Mosche bestattet werden."

(Carsten Hoffmann und Maher Abukhater, dpa/sda)

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