Bis zur Todesstrafe

Atheisten werden verfolgt und diskriminiert

publiziert: Montag, 10. Dez 2012 / 15:07 Uhr
Atheisten sind nicht überall willkommen. (Symbolbild)
Atheisten sind nicht überall willkommen. (Symbolbild)

Genf - Atheisten und Religionsskeptiker werden in vielen Teilen der Welt verfolgt und diskriminiert. In mindestens sieben Ländern droht Atheisten die Todesstrafe. Das zeigt ein am Montag in Genf veröffentlichter Bericht.

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Vor allem in islamisch geprägten Staaten werden Atheisten und Nicht-Religiöse durch Staat und religiöse Autoritäten bedroht. Doch auch in einigen christlich geprägten Ländern Europas und in den USA würden Atheisten und Humanisten wie Aussätzige behandelt, schreibt die internationale humanistische und ethische Union (IHEU) in ihrem Bericht.

«Es gibt Gesetze, die Atheisten das Recht auf Leben absprechen, ihr Recht auf Glaubens- und Meinungsäusserungsfreiheit beschneiden, ihnen ihre Bürgerrechte oder das Recht auf Heirat entziehen», heisst es im 70-seitigen Bericht «Freiheit des Denkens 2012».

Andere Gesetze verbauen Nicht-Religiösen «den Zugang zu öffentlichen Schulen und Universitäten, zu Stellen im öffentlichen Sektor und kriminalisieren Kritik an der Religion». Menschen, die die Religion ihrer Eltern aufgäben, würden exekutiert.

Drakonische Strafen

Im Bericht wurde die Lage in rund 60 Ländern untersucht. In sieben Ländern - Afghanistan, Iran, den Malediven, Mauretanien, Pakistan, Saudi-Arabien und Sudan - droht Atheisten und Konvertiten die Hinrichtung. Gemäss der Studie wurde zuletzt offiziell keine Todesstrafe aus religiösen Gründen mehr vollzogen, stattdessen würden andere Anklagen vorgeschoben.

In diesen und anderen Staaten wie Bangladesch, Ägypten, Indonesien, Kuwait und Jordanien sei die Veröffentlichung von atheistischen oder humanistischen Schriften verboten oder durch «Blasphemie»-Gesetze stark eingeschränkt.

Bürger zweiter Klasse

In vielen Ländern, darunter Malaysia, seien die Bürger zudem gezwungen, sich als Mitglied einer Religionsgemeinschaft zu registrieren. Akzeptiert seien dabei nur wenige Religionen - neben der islamischen noch die christliche und die jüdische.

Dies zwinge Atheisten, Nicht-Religiöse oder Mitglieder anderer Religionen zu lügen, um beispielsweise einen Pass zu erhalten. Ohne offizielle Dokumente sei es ihnen aber verwehrt zu reisen, Auto zu fahren, zur Universität zu gehen oder Zugang zu medizinischer Versorgung zu erhalten, heisst es im Bericht.

Club der christlichen Staaten

Viele säkulare Staaten in Europa, Afrika südlich der Sahara, Latein- und Nordamerika wiederum privilegierten in Tat und Wahrheit die christlichen Kirchen.

So seien in Griechenland und Russland die Orthodoxe Kirche streng vor Kritik geschützt und nähmen bei staatlichen Feiern einen Ehrenplatz ein. In Grossbritannien wiederum erhalten Bischöfe der Anglikanischen Kirche automatischen einen Sitz im Oberhaus des Parlaments.

Amerikaner zweiter Klasse

In den USA wiederum ist das Recht auf freie Religionsausübung und auf Meinungsäusserungsfreiheit durch die Verfassung geschützt. Dennoch werden in mindestens sieben US-Bundesstaaten Atheisten per Verfassung vom öffentlichen Dienst ausgeschlossen. In einem Bundesstaat, Arkansas, werden Atheisten gar per Gesetz als Zeugen von Prozessen ausgeschlossen.

Die IHEU ist der Dachverband von über 120 humanistischen, atheistischen und säkularen Organisationen aus 40 Staaten. Ihren Bericht veröffentlichte sie anlässlich des Internationalen Tages der Menschenrechte.

(bert/sda)

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