Auf der Suche nach einer irakischen Integrationsfigur
publiziert: Donnerstag, 10. Apr 2003 / 17:19 Uhr

London - Nach dem Zusammenbruch der Herrschaft des irakischen Machthabers Saddam Hussein beginnt die schwierige Suche nach einem politischen Führer. Der umstrittene Bankier Achmed Chalabi gilt als Favorit des US-Verteidigungsministeriums.

Chalabi (r) mit dem Mehrheitsführer des amerikanischen Senates Trent Lott. (Archiv)
Chalabi (r) mit dem Mehrheitsführer des amerikanischen Senates Trent Lott. (Archiv)
Chalabi gehört der schiitischen Bevölkerungsmehrheit an. Zu den Hoffnungsträgern zählt aber auch der 80 Jahre alte Adnan Paschaschi, ein Sunnit. Als ehemaliger Aussenminister verfügt er immerhin über Regierungserfahrung. Er hat allerdings wie alle anderen führenden Oppositionellen Jahrzehnte im Exil verbracht und kennt das Land und die Bevölkerung nur noch aus den Medien.

Ein Politiker oder Militär, der glaubwürdig aus den Trümmern der Regierung von Saddam Hussein hervorgeht, ist nicht in Sicht. Eine Integrationsfigur für das ethisch und religiös so vielschichtige Land müsste auch für die Kurden im Norden des Landes akzeptabel sein.

Chalabi kritisiert USA

Der 57-jährige Chalabi ist Chef der Bewegung "Irakischer Nationalkongress" und hält sich seit dem Wochenende mit ein paar hundert Kämpfern in Nasirijah im Süden Iraks auf. Von dort ereiferte er sich am Mittwoch über mangelnde Entschlossenheit der USA bei der humanitären Hilfe für die Bevölkerung.

"Die Menschen brauchen Hilfe. Warum kümmern die USA sich nicht um die Strom- und Wasserversorgung?", fragte Chalabi im US-Nachrichtensender CNN.

Chalabis Gruppe zeichnet für einen gescheiterten Putschversuch gegen Saddam Hussein im Jahr 1995 verantwortlich - seither sind seine Beziehungen zum US-Aussenministerium und zum Geheimdienst CIA erheblich abgekühlt. Wegen Finanzbetrugs wurde er in Jordanien 1992 zu 22 Jahren Haft verurteilt.

Rumsfeld steht nicht hinter Chalabi

US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld bestritt am Mittwochabend, dass Chalabi der Favorit der USA sei. "Wir helfen Hunderten Irakern bei der Rückkehr", betonte Rumsfeld.

Eine Zusammenarbeit der beiden Exil-Politiker Chalabi und Paschaschi scheint gegenwärtig kaum möglich. Als im Februar diverse Oppositionsgruppen unter der Führung Chalabis zusammentrafen und dem 80-jährigen Paschaschi einen Sitz in einem sechsköpfigen Führungsgremium anboten, lehnte der Ex-Minister ab.

Paschaschi lehnt ausserdem eine US-Verwaltung Iraks ab und plädiert für eine entscheidende Rolle der Vereinten Nationen beim Übergang seines Landes zur Demokratie.

Misstrauen der Schiiten

Davon will wiederum Chalabi nichts wissen. Er forderte jüngst eine US-Verwaltung von mindestens zwei Jahren, bis eine Verfassung erarbeitet und demokratische Wahlen möglich seien. Ob die schiitische Bevölkerungsmehrheit Chalabi traut, ist fraglich.

(Henri Mamarbachi/afp)

 
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