Auf die Freude folgt das Misstrauen: Konkrete Beweise werden gefordert für Udays und Qusais Tod

publiziert: Donnerstag, 24. Jul 2003 / 10:41 Uhr

Bagdad - Die Reaktionen auf den Tod der Saddam-Söhne sind widersprüchlich. Während in manchen Teilen des Landes ihr Tod gefeiert wird, demonstrieren woanders Saddamanhänger gegen die US-Soldaten. Widersprüchliche Angaben über den Zustand der Leichen sorgen in der irakischen Bevölkerung für weiteren Zündstoff.

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Patronenhülsen übersäten am Mittwochmorgen die Strassen in dem Bagdader Armenviertel Sadr City.

Eine Stunde lang hatten die schiitischen Anwohner am Dienstagabend aus Freude über die Tötung des Brüderpaars Udai und Kusai Hussein Gewehrsalven in den Himmel gefeuert.

Am nächsten Morgen herrscht ernüchterte Katerstimmung zwischen den Häuserzeilen.

Alle wollen an die Nachricht vom Tod der grausamen Söhne von Saddam Hussein glauben, doch solange die US-Armee keine handfesten Beweise präsentiert, bleiben die Iraker lieber vorsichtig.

Alles ein Komplott?

"Wenn es sich als wahr erweist, dass sie tot sind, wäre das eine gute Nachricht. Man hätte sie lebend fassen sollen", fasst der Apotheker Adel Abu Salam diplomatisch die Empfindungen vieler Landsleute zusammen.

Sein Mitarbeiter, Abbas Schalab, wird da schon deutlicher. "Das ist doch alles Lüge", wettert er.

"Das ist ein Komplott, mit dem die Amerikaner Sympathien in der Bevölkerung sammeln wollen."

Der irakischen Bevölkerung sei schon einmal gesagt worden, dass der irakische Ex-Präsident Saddam Hussein selbst getötet worden sei, und das habe sich als "Manipulation" herausgestellt.

"Wir wollen Saddam Hussein und seine Söhne in einem Käfig durch die Strassen von Bagdad fahren sehen", fordert Schalab.

"Ein Bluff"

"Was beweist eigentlich, dass sie tot sind?", fragt auch Nuredin, ein pensionierter Beamter, der in einem Café im Zentrum der Stadt sitzt. "Das ist doch Bluff", fällt ihm ein anderer Besucher ins Wort.

"Ich bin sicher, dass Qusai und Uday das ausgeheckt haben, um dann unterzutauchen." Und ein kurdischer Gast fügt hinzu: "Wir haben nur vier verkohlte Leichen, die nicht zu erkennen sind."

Bislang erklärte die US-Armee lediglich, die beiden Söhne von Saddam Hussein seien bei einem sechsstündigen Feuergefecht in der Kurdenhochburg Mosul getötet worden.

Das Militär feuerte 20 Raketen in das Gebäude, vier verbrannte Leichen konnten geborgen werden, unter denen auch die sterblichen Überreste von Udai und Kusai sein sollen.

Nach Angaben des Militärs waren die Leichen in einem Zustand, der eine Identifizierung ermöglichte.

Misstrauen

In Tikrit, der Heimatstadt Saddam Husseins, stösst diese Version auf noch grösseres Misstrauen als in Bagdad. "Ich glaube das nicht", sagt der 23-jährige Medizinstudent Akil Edan.

"Wenn sie wollen, dass wir das glauben, müssen sie uns schon die Leichen zeigen." Auch der Agraringenieur Nesar Tahal meldet Zweifel an. "Ich glaube nicht, dass Uday und Qusai sich am selben Ort aufgehalten haben", sagt er.

Auf den Märkten in Bagdad stecken die Händler die Köpfe zusammen, um über die die sensationelle Nachricht zu reden. Er freue sich durchaus, aber die Freude sei doch nur klein, sagt Ahmad Dschabbar.

"Uns fehlt es an so vielem, an Sicherheit, Wasser, Strom", bemängelt er. "Den Plünderungen muss ein Ende gemacht werden und dem Banditentum."

(Nadra Saouli/afp)

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