Barcelona 1992: Das Solo von Rosset

publiziert: Freitag, 30. Jul 2004 / 14:02 Uhr

Der Genfer Marc Rosset überstrahlte 1992 in Barcelona mit dem Olympiasieg im Tennisturnier alles; er holte die einzige Schweizer Medaille.

Mark Rosset holte 1992 die einzige Schweizer Medaille.
Mark Rosset holte 1992 die einzige Schweizer Medaille.
1 Meldung im Zusammenhang
Aussenseiter Rosset, damals noch keine 22 Jahre alt, hatte sich in den Ferien locker auf die Spiele vorbereitet, wuchs über sich hinaus und setzte sich trotz grösster Schwierigkeiten durch.

Nicht nur die gewaltige Hitze im Tenniskessel machte ihm zu schaffen, auch das fanatische spanische Publikum hatte er in den Partien mit Emilio Sanchez und im Final über fünf Sätze mit Jordi Arrese gegen sich. Dazwischen schaltete Rosset Grössen wie den Amerikaner Jim Courier und den Kroaten Goran Ivanisevic, damals Nummer 4 der Welt, aus. Rossets Sieg beendete eine zwölfjährige Schweizer Durststrecke ohne Sommer-Gold.

Dazu kamen in Barcelona 16 olympische Diplome für Platzierungen unter den ersten acht -- aber keine Medaille durch den Favoriten im Kugelstossen, Werner Günthör. Die Schweizer Bilanz war ernüchternd.

Moskau 1980: Gold für Dill-Bundi und Röthlisberger

Vier Jahre zuvor, 1988 in Seoul, resultierten je zwei Silber- und Bronzemedaillen und zwölf "Finalränge" (Diplome). 1984 in Los Angeles (ohne den boykottierenden europäischen Ostblock) gab es je viermal Silber und Bronze. Die letzten Schweizer Goldmedaillen gingen auf 1980 (Moskau) zurück, wo der damals 22jährige Robert Dill-Bundi in der Rad-Verfolgung und Judoka Jürg Röthlisberger erfolgreich waren.

Obwohl die Moskauer Spiele wegen des sowjetischen Überfalls auf Afghanistan von verschiedenen westlichen Nationen mit den USA an der Spitze (und einzelnen Schweizer Sportarten wie Turnen und Reiten) boykottiert wurden, haftete den beiden Schweizer Olympiasiegen keinerlei Makel an. Weder in der 4-km-Verfolgung noch in der 86-kg-Gewichtsklasse der Judokas wären ernsthafte Medaillenanwärter aus boykottierenden Nationen auszumachen gewesen.

Montreal 1976: Christine Stückelberger

Die damals 29 Jahre alte Christine Stückelberger wurde 1976 in Bromont bei Montreal mit dem legendären Holsteiner Wallach Granat ihrer Favoritenrolle gerecht. Sie triumphierte zum wiederholten Mal gegen die starke deutsche Dressurschule. Silbermedaillengewinner Harry Boldt räumte ein, dass gegen Stückelberger/Granat nichts auszurichten gewesen sei. Das Paar legte auch den Grundstein für die Silbermedaille der Schweizer Dressurequipe.

Christine Stückelberger, die 2000 in Sydney mit 53 Jahren ihre olympische Karriere mit ihrer siebten Teilnahme abschloss, beendete 1976 in Montreal eine zwölfjährige Epoche, die zwar schöne Schweizer Erfolge (Mexiko 1968 und München 1972), aber keine Goldmedaille gebracht hatte. Ihr Vorgänger war Dressur-Champion Henri Chammartin, der 1964 in Tokio seinem Beruf als Bereiter alle Ehre machte (eine Ausnahme in der Zeit des damaligen "reinen Amateursports") und mit Wörmann triumphierte.

Turner die am meisten Dekorierten

Nochmals zwölf Jahre zurück muss im Goldenen Olympiabuch geblättert werden, um auf die nächsten Schweizer Sieger zu stossen: Hans Eugster (Barren) und Jack Günthard (Reck) bildeten 1952 in Helsinki als letzte Schweizer Turn-Olympiasieger vor Donghua Li (1996 in Atlanta) die Glieder einer stolzen Kette. Diese war bereits bei den 1. Olympischen Spielen der Neuzeit, 1896 in Athen, mit dem Erfolg von Louis Zutter (Gold am Pferdpauschen, Silber am Barren, Silber im Pferdsprung) geknüpft worden. Von den insgesamt 49 Schweizer Turner-Medaillen waren 17 aus Gold.

Die Turner waren 1948 massgeblich daran beteiligt, dass London die erfolgreichste Schweizer Nachkriegs-Mission blieb. Michael Reusch (Barren), Karl Frei (Ringe) und Josef Stalder (Reck) liessen sich neben Hans Moser mit Hummer (Dressurreiten) und Schütze Emil Grünig (Freies Gewehr) zu Schweizer Olympiasiegern ausrufen. Im Mannschafts-Zwölfkampf unterlagen die Schweizer knapp den Finnen. Diese beide Nationen gewannen 18 der insgesamt 24 Turner-Medaillen.

Georges Miez übertraf alle

Erfolgreichster Schweizer Olympionike aller Zeiten ist der 1999 im Alter von 94 Jahren verstorbene Turner Georges Miez mit 8 Medaillen, davon 4 goldenen. Er eröffnete seine Sammlung 1924 in Paris mit einer Bronzemedaille im Mannschafts-Mehrkampf, überragte 1928 in Amsterdam mit drei Goldmedaillen (Mehrkampf Einzel und Mannschaft, dazu am Reck) sowie Silber am Pferdpauschen, wurde 1932 in Los Angeles Zweiter am Boden und gewann 1936 in Berlin zum Abschluss seiner grossartigen olympischen Karriere Gold am Boden sowie Silber im Mannschafts-Mehrkampf.

Noch kein Leichtathletik-Olympiasieger

Neben den Turnern stellten vor dem Zweiten Weltkrieg die Schützen, Ruderer, Reiter und Ringer die erfolgreichsten Schweizer Medaillensammler, während die Erfolge in der olympischen Hauptsportart Leichtathletik stets bescheiden blieben. Noch nie gab es in der Leichtathletik einen Schweizer Olympiasieger.

Der dreifache Weltmeister Werner Günthör musste sich 1988 in Seoul mit Bronze begnügen und scheiterte 1992 in Barcelona (4.). Markus Ryffels Silber im 5000-m-Lauf 1984 in Los Angeles beendete eine Medaillenpause von 32 Jahren (Silber durch Fritz Schwab 1952 im Gehen über 10 km). Und der spätere 800-m-Weltmeister André Bucher (2001 in Edmonton) belegte 2000 in Sydney nach einer Rempelei Rang 5. Reine Leichtathletik-Medaillen (ohne Gehen) hatte es vor 1984 sogar nur einmal gegeben: 1924 in Paris Silber durch den fünfmaligen Olympiateilnehmer Paul Martin über 800 m und durch Willy Schärer über 1500 m.

(fest/sda)

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