«Belgien existiert nicht mehr»

publiziert: Freitag, 15. Dez 2006 / 11:00 Uhr

Brüssel - Am Mittwochabend um 20.21 Uhr unterbricht der öffentliche belgische Fernsehsender RTBF sein Programm. Mit einer falschen Nachricht schockiert er das ganze Land.

König Albert II., sechster König der Belgier, ist nicht in die ehemalige Kolonie Kongo geflüchtet.
König Albert II., sechster König der Belgier, ist nicht in die ehemalige Kolonie Kongo geflüchtet.
1 Meldung im Zusammenhang
Mit ernster Miene erscheint der bekannte Nachrichtensprecher François de Brigode auf dem Bildschirm: «Guten Abend zusammen. Dies ist eine schwere Stunde. Entschuldigen Sie diese Unterbrechung.»

De Brigode kündigt ein «ausserordentliches Ereignis» an: «Flandern wird einseitig seine Unabhängigkeit erklären. Das bedeutet: Belgien als solches hört auf zu existieren.»

Die Nachricht ist falsch, aber sie schlägt Wellen

Menschen weinen vor dem Fernseher. «Meine Eltern sind völlig durcheinander», erzählt einer von tausenden Anrufern beim eigens eingerichteten RTBF-Sondertelefon. Dutzende Belgier ziehen mit schwarz-gelb-roten Landesflaggen vor das Brüsseler Königsschloss, um für die Einheit des Landes zu demonstrieren.

Flucht nach Kongo

Sie hören das Gerücht, Albert II. sei in Belgiens ehemalige Kolonie Kongo geflüchtet. «Der König ist weg!», verkündet eine Wirtin ihren Gästen. Vom Helikopter aus zeigt die RTBF Bilder von der Sprachgrenze, die nun Staatsgrenze zwischen dem niederländischsprachigen Flandern und der frankophonen Wallonie werde: Wer Freunde im anderen Landesteil anrufen wolle, müsse künftig für ein Auslandsgespräch zahlen.

Die Strassenbahn von Brüssel nach Tervuren wird angehalten: Jenseits der Sprachgrenze gehe es mit einem flämischen Bus weiter. Viele Zuschauer glauben es. Sie haben den Hinweis übersehen, der zu Beginn kurz eingeblendet wurde: «Dies ist eine Fiktion.»

«Leider nur Fiktion»

Was de Brigode am Mittwochabend verkündete, hielten viele Zuschauer für durchaus möglich: Schon lange betreiben nationalistische Flamen eine Teilung des Landes. «Leider war es nur eine fiktive Sendung», klagt der Chef der flämischen Nationalisten-Partei NV-A, Bart De Wever, am Donnerstag.

Der fremdenfeindliche Vlaams Belang hatte sogar an der heimlichen Vorbereitung des Films mitgewirkt. Die fiktive Sendung habe «die Wallonen mit der Realität konfrontiert», jubelt ihr Fraktionschef im Flamen-Parlament, Filip Dewinter.

Ärger äussert indes der Chef der frankophonen Sozialisten, Elio Di Rupo: «Zu einem Zeitpunkt, wo unser Land von separatistischen Bestrebungen erschüttert wird, ist es unverantwortlich und nicht staatstragend, glauben zu machen, dass die Flamen für ihre Unabhängigkeit gestimmt haben.»

Erinnerung an Orson Welles

Die Debatte hat mit der gut getarnten Sondersendung, die an Orson Welles berühmt-berüchtigte Radiosendung von 1938 in den USA über eine angebliche Invasion vom Mars erinnerte, neue Nahrung erhalten. Und das war auch beabsichtigt, wie RTBF-Fernsehdirektor Alain Gerlache bekräftigt.

Der Sender habe zeigen wollen, «dass politische Debatten keine Luftschlösser sind, dass sie konkrete und praktische Folgen für die Bevölkerung haben können». Der Aufruhr ist voll entbrannt, als die Sendung um 20.50 Uhr mit dem Hinweis endet: «Dies ist eine Fiktion.»

(von Roland Siegloff/dpa)

Lesen Sie hier mehr zum Thema
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 22
1985 Ford Escort RS Turbo S1. Erwarteter Preis: Über 300.000?.
1985 Ford Escort RS Turbo S1. Erwarteter Preis: Über ...
Am Wochenende kommt ein besonderer Sportwagen bei Silverstone Auctions in England unter den Hammer: Ein schwarzer Ford Escord in der Turbo-Version, den Prinzessin Diana von 1985 bis 1988 gefahren war. Mit diesem zivilen, relativ unauffälligen Auto widersetzte sich Diana der Hof-Etikette und nahm sich ihre eigene Freiheit. mehr lesen 
Madeleine und Frederik sind die Taufpaten  Stockholm - Prinz Oscar, Sohn von Schwedens Kronprinzessin Victoria und Prinz Daniel, ist am Freitag in Stockholm getauft worden. Der knapp drei Monate alte Junge ist das zweite Kind des Paars. mehr lesen  
Debatte über Austritt aus EU  London - Inmitten der Debatte über einen Austritt Grossbritanniens aus der EU hat Queen Elizabeth II. die Grundzüge des Regierungsprogramms für die kommenden Monate vorgestellt. Vorgesehen sind Massnahmen gegen Extremismus und Korruption und eine Reform des Strafvollzugs. mehr lesen  
Titel Forum Teaser
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    ja, weshalb sollte man solches tun? Ist doch krank, Gott zu beschimpfen! Das hat etwas, ... So, 29.05.16 12:12
  • Gargamel aus Galmiz 10
    Warum sollte man überhaupt den Glauben an Gott beschimpfen oder verspotteten? Wie krank ... So, 29.05.16 10:11
  • jorian aus Dulliken 1754
    SRG: Eishockey & und der ESC Wer am Leutschenbach nicht gehorcht, muss den ESC oder die Eishockey WM ... Fr, 13.05.16 05:44
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3945
    Komiker... Böhmermann wird vermurlich, damit die Türkei-Deal-Marionetten in Berlin ... Di, 12.04.16 13:37
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Fazit: Ein hervorragender Schauspieler, der sein Mäntelchen wechselt, wie ein ... Sa, 19.03.16 09:05
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Auch nicht besser als ein Charakterloser in einer Stunde vom Oberguru Blocher vom Paulus zum ... Fr, 18.03.16 21:51
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3945
    Angelina Jolie... ist eine mittelmässige Schauspielerin, die engagiert wird, um an den ... Mi, 16.03.16 16:47
  • Pacino aus Brittnau 731
    Stimmt . . . Als Selbstständiger ist Polo definitiv auf jeden Franken angewiesen. Es ... Do, 21.01.16 17:26
Nick Jonas tourt diesen Sommer mit Devi Lovato durch Nordamerika.
FACES Nick Jonas hatte Angst um Demi Lovato Nick Jonas (23) gestand, dass er früher fürchtete, ...
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Mo Di
Zürich 11°C 24°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich wechselnd bewölkt, Regen
Basel 11°C 25°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig wolkig, aber kaum Regen
St. Gallen 9°C 21°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig wechselnd bewölkt, Regen
Bern 10°C 24°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig wechselnd bewölkt, Regen
Luzern 12°C 23°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig wechselnd bewölkt, Regen
Genf 12°C 24°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig wolkig, aber kaum Regen
Lugano 17°C 25°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig freundlich
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten