Bickel: Erhöhung des WM-Kontingents für Asien?

publiziert: Freitag, 28. Jun 2002 / 18:21 Uhr

Seoul - Der 52-fache Schweizer Internationale Thomas Bickel äussert sich zur derzeitigen Debatte über eine mögliche Aufstockung des WM-Kontingents für Asien nach dem guten Abschneiden der WM-Gastgeber.

Die asiatischen Teams haben an der WM eine sehr gute Rolle gespielt. Im Falle der Japaner kamen die Erfolge nicht so überraschend, ich wusste um ihren Ehrgeiz und ihre Fähigkeiten. Dass Südkorea so gut abschneiden würde, hätte ich nicht geglaubt. Ob es deswegen aber schon genügend Gründe gibt, das WM-Kontingent für Asien zu erhöhen? Der Zeitpunkt, über einen weiteren Fixplatz zu debattieren, scheint mir etwas allzu früh gewählt.

Natürlich haben diese Länder grosse Fortschritte gemacht, natürlich haben sie uns alle angenehm überrascht. Aber, und das möchte ich betonen, müssen sie ihre Vorwärtsbewegung in den kommenden Jahren bestätigen. Die Konstellation war speziell, es hat vieles zusammengepasst. Aber machen wir uns nichts vor, Südkorea gehört bestimmt nicht zu den besten vier Teams der Welt. Dieses Turnier ist eine Momentaufnahme eines kurzlebigen Geschäfts. Deshalb sind die asiatischen Forderungen nach einem zusätzlichen Startplatz mit Vorsicht zu geniessen.

Immer wieder hört man die Frage, ob der Boom in Asien wohl anhalten wird und nicht das Gleiche passiert wie in den USA, wo das Interesse nach der WM rasch abflachte. Meiner Meinung nach sind diese Märkte nicht miteinander zu vergleichen. In Japan und Korea existierten schon vor dieser WM funktionierende Ligen. Beide Verbände haben Junioren-Arbeit betrieben und sind auf bestem Weg, sich eine Tradition zu erarbeiten. Ich glaube, die WM hat dem Fussball einen zusätzlichen Schub verpasst, das Interesse noch mehr geweckt. Vielleicht stellt die Wirtschaft jetzt zusätzliche Mittel zur Verfügung. Aber nochmals, die Japaner und Südkoreaner haben schon vor der WM gut Fussball gespielt!

Der Fussball ist einfach noch mehr ins Gespräch gebracht worden. Die Einheimischen konnten Werbung in eigener Sache betreiben. Man muss aber trotzdem realistisch bleiben. Europa wird das Zentrum dieser Sportart bleiben. Die weltbesten Spieler versammeln sich dort. Für asiatische Klubs wären sie niemals erschwinglich. Und mit einem Run auf japanische oder südkoreanische Internationale rechne ich ehrlich gesagt nicht. Für Europäer ist es sehr schwierig, sich in dieser für uns fremden Welt zurecht zu finden. Für den umgekehrten Fall gilt das Gleiche.

Ein erster Schritt ist aber gemacht, die Basis ist gelegt. Besonders für die Japaner war die erfolgreiche Teilnahme ein sehr wichtiger Schritt nach vorne. Ihr Erfahrungswert mit Fussball auf solchem Niveau war gleich null. Um sich weiter steigern zu können, war eine solche Erfahrung unabdingbar. Die Japaner wissen jetzt, wie man auf diesem Level trainieren muss, wie man sich verhalten muss. Und wenn man bedenkt, dass sie ihren Ligabetrieb erst vor sechs bis sieben Jahren aufgenommen haben, sind die Fortschritte bemerkenswert.

Von den Japanern erwarte ich in naher Zukunft noch mehr, sie sind unglaublich diszipliniert und ziehen ihren Weg durch; egal unter welchen Umständen. Ich erinnere mich an meinen Aufenthalt in Kobe. Schon kurze Zeit nach dem Erdbeben konnten wir bereits wieder auf guten Plätzen trainieren. Die Infrastruktur funktionierte erstaunlich schnell wieder. Das hat mich tief beeindruckt. Dieser Wille und diese Anpassungsfähigkeit in der damals trostlosen Situation.

(eh/sda)

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