Brasilien mit Freude und Ästhetik zum Titel

publiziert: Sonntag, 4. Jun 2006 / 16:16 Uhr / aktualisiert: Sonntag, 4. Jun 2006 / 16:35 Uhr

(Si) Brasilien ist Titelverteidiger und grosser Favorit an der WM-Endrunde 2006 in Deutschland. Ronaldinho und Co. tragen das berühmteste Fussballtrikot der Welt, aber damit auch die Last der Geschichte.

England mag das Mutterland des Fussballs sein; das Aushängeschild der populärsten Sportart der Welt ist aber zweifellos Brasilien. Die Südamerikaner stehen für Fussball wie Kanada für Eishockey, die USA für Basketball oder Neuseeland für Rugby. Weltweit sorgt die Nationalmannschaft mit den unverwechselbaren gelb-grünen Trikots für Begeisterung.

Über die Jahrzehnte prägten zahlreiche brasilianische Spieler von Leonidas über Pele und Rivelino bis Ronaldo die Weltmeisterschaften und setzten Massstäbe. Nicht immer gewann Brasilien, doch auch die Niederlagen bleiben unvergessen, weil die Südamerikaner ihre Spielkunst immer zelebrierten. Die traumatischen Niederlagen des Dreamteams um Zico und Socrates in den Achtzigerjahren sind genauso in die Geschichte eingegangen wie die drei Titel von Pele 1958, 1962 und 1970.

Weitere Trophäen nach Pele

Seit Peles Zeit sind zwei weitere WM-Trophäen hinzugekommen. Mit fünf Titeln ist Brasilien selbstredend Rekordsieger und mit 18 Teilnahmen als einziges Land bei den Weltmeisterschaften immer vertreten gewesen. In den letzten drei Endrunden stand die Seleçao dreimal in Final, seit 2002 hat sie jedes Turnier, an dem sie teilnahm, gewonnen.

Dass die Brasilianer nach einer 24-jährigen Durststrecke zwischen 1970 und 1994 nun beinahe Turniersieg an Turniersieg reihen, liegt nicht zuletzt an der Öffnung des europäischen Fussballmarktes. Rund 900 Brasilianer spielen in den europäischen Ligen, davon 23 in der Super League. Sie haben gelernt, die taktische und physische Komponente in ihr Spiel einzubringen.

10-Jahresvertrag mit Nike

Brasiliens Lieblingsmannschaft verbindet heute Ästhetik und Erfolg, was in der Vergangenheit nicht immer der Fall war. Der Erfolg beschränkt sich dabei nicht nur auf das Fussballfeld. Auch im wirtschaftlichen Bereich ist die Seleçao der Branchenführer.

Der 1996 abgeschlossene Zehn-Jahres-Vertrag mit dem Ausrüster Nike brachte über 400 Millionen Franken ein und wurde mittlerweile bis 2018 verlängert. Aber auch Testspiele und selbst Trainings -- wie vor dieser WM wieder in Weggis LU -- bringen viel Geld ein. Brasiliens Nationalmannschaft ist längst zu einer Marke geworden -- mit allen Vor- und Nachteilen, die das mit sich zieht.

Profitable Spielervermittler

Im Bereich der Spielertransfer soll der brasilianische Verband und insbesondere der jeweilige Nationaltrainer auch mitverdienen. Alex Bellos rechnet in seinem Buch «Futebol -- Die brasilianische Kunst des Lebens» vor, dass Wanderley Luxemburgo zwischen 1998 und 2000 91 Spieler einsetzte, sein Nachfolger Emerson Leao in sechs Monaten 72.

Ein Länderspiel erhöht den Wert des jeweiligen Spielers, sehr zur Freude der mächtigen brasilianischen Spielervermittler. Deren unzimperliche Methoden sind in der Schweiz spätestens seit dem Fall des FCZ-Stürmers Rafael bekannt. In Brasilien können die Spielervermittler aus dem Vollen schöpfen: 23 000 Berufsfussballer soll es im grössten Land Südamerikas geben, wovon 90 Prozent weniger als 200 Franken monatlich verdienen.

Gefahr der Unantastbarkeit

Die Crème de la Crème des riesigen Reservoirs an brasilianischen Spielern reist nach Deutschland mit dem klaren Auftrag, die «Hexa», die sechste WM-Trophäe zu gewinnen. Angeführt von einem Offensivquartett mit Ronaldinho (Jahreseinkommen: 23 Mio. Euro), Ronaldo, Adriano und Kaka soll die Seleçao nicht einfach gewinnen, sondern schön gewinnen.

So uneingeschränkt favorisiert wie in diesem Jahr waren selbst die Brasilianer zuvor nur selten. Und hier könnte die Gefahr für die auf dem Papier unantastbaren Ballkünstler lauern. Erinnerungen werden wach an die Equipe von 1982, die einen ähnlichen Favoritenstatus zu ertragen hatte. «Es war eine wundervolle Mannschaft, die in die Geschichte einging als das Team, das nie Weltmeister wurde», sagt Ronaldinho.

Riskantes Spiel der Schönheit

Um das gleiche Schicksal zu vermeiden, verlangt Nationalcoach Carlos Alberto Parreira von seinen Offensivspielern defensive Disziplin: « Wenn wir den Ball verlieren, müssen wir sofort die Räume schliessen. Sollten die Stürmer nicht mitziehen, sind wir sehr verwundbar. Wir praktizieren ein riskantes Spiel.» Und fügt dann an: «Für uns ist der Fussball eben Freude und Schönheit.»

(von Julien Oberholzer/Si)

 
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